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Panorama Tagebuch der Anne Frank im Internet frei zugänglich gemacht

Trotz eines Rechtestreits haben ein Universitätsdozent und eine Abgeordnete aus Frankreich das berühmte Tagebuch der Anne Frank frei abrufbar im Internet veröffentlicht. Sie stellten das Werk am Freitag im niederländischen Original online.

Legende: Video «Tagebuch der Anne Frank» im Internet zugänglich abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.01.2016.

Nun sind die Originalzeilen von Anne Franks Tagebuch frei zugänglich. Ein Universitätsdozent und eine Abgeordnete aus Frankreich haben es möglich gemacht. Sie verwiesen darauf, dass die Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod von Anne Frank im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen ausgelaufen sei. So sieht es auch das EU-Recht vor.

Anders sieht es allerdings der Anne Frank Fonds in Basel, der die Rechte an dem Tagebuch hält. Der Fonds hatte vorab mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte das Tagebuch der Anne Frank ohne Erlaubnis veröffentlicht werden. Laut dem Fond, der von Annes Vater Otto Frank gegründet wurde, gilt eine 50-jährige Schutzfrist vom Zeitpunkt der Veröffentlichung an. Da der vollständige Text erst 1986 veröffentlicht worden sei, sei er noch bis 2037 urheberrechtlich geschützt.

«Bei diesem Text, diesem Zeugnis und was es darstellt (...) habe ich weiter die Überzeugung, dass es keinen anderen Kampf zu führen gilt, als den seiner Befreiung», rechtfertigte der Informationswissenschaftler Olivier Ertzscheid von der Universität Nantes in einem Vorwort die Veröffentlichung in seinem Blog. Es sei eine Würdigung dieses wichtigen Werkes, es ohne Beschränkungen zugänglich zu machen.

Gerichtsurteil in Amsterdam

Bereits am vergangenen Dienstag gab es im Streit um das Werk ein Gerichtsurteil in den Niederlanden: In Amsterdam entschieden die Richter, dass Texte aus den Tagebüchern von Anne Frank für wissenschaftliche Zwecke kopiert und veröffentlicht werden dürfen.

Die Amsterdamer Anne-Frank-Stiftung hatte gemeinsam mit der Königlichen Niederländischen Akademie der Wissenschaften eine Studie zu den Manuskripten gestartet und will diese auch veröffentlichen. Dafür wurden auch Originaltexte genutzt.

Anne Frank und ihr Tagebuch

Die von Deutschland in die Niederlande ausgewanderte jüdische Familie Frank hatte sich seit 1942 in Amsterdam in einem Versteck aufgehalten, um den Nazis zu entkommen. Während dieser Zeit bis zu ihrer Deportation schrieb die jugendliche Anne ihr Tagebuch, das nach dem Krieg entdeckt wurde.

Ihr Vater Otto Frank, der Auschwitz überlebte und erst 1980 starb, veröffentlichte 1947 Teile der Aufzeichnungen seiner Tochter. Einige Seiten zerstörte er allerdings. Das Tagebuch wurde inzwischen in 70 Sprachen übersetzt und mehr als 30 Millionen Mal verkauft.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Danke fuer den Hinweis, habe es mir runtergeladen...
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Der Anne Frank Fonds gibt den Texten von Anne Frank Halt und Heimat. Sie ist das Werk von Annes Vater. Diese Wurzeln werden nun abgeschnitten und Annes Texte fliegen wie lose Blätter in der weiten Welt herum. Jeder kann damit machen, was er will. Das Urheberrecht hat die finanzelle Absicherung eines Autors im Auge, und deswegen ist es zeitlich begrenzt. Hier geht es aber um Menschlichkeit, dass man Anne Frank den Schutz ihres Werkes durch ihren Vater nicht wegnimmt.
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  • Kommentar von Joerg Lange (Schoy)
    @Alex Bauert: Der Grund ist ein Anderer: In den Holland gab es schon seit den 30er Jahren umfangreiche Melderegister, in denen penibel umfangreiche Informationen erfasst wurden. Das haben sich auch die Nazis zu Nutze gemacht und konnten auf diese Art sehr gründlich die jüdische Bevölkerung ausfindig machen. Das Ganze könnte man auch heute noch als Mahnung betrachten, mit pers.-Daten sparsam umzugehen. "Ich habe nichts zu verbergen" nützt nichts, wenn die Daten in falsche Hände geraten!
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