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Panorama Tiere? Nein Danke! – Veganer erobern die Schweiz

«Vegan ist das neue Viagra» – titelte «Spiegel Online» kürzlich. Ob vegane Ernährung tatsächlilch standhafter macht, sei einmal dahin gestellt. Auf jeden Fall macht sie gesünder, behaupten eingefleischte Veganer. Doch was ist dran am tierlosen Ernährungsboom, kann er tatsächlich die Welt retten?

Frau in grünem Bodypainting mit Schild in der Hand: Go Green! Go Vegan!
Legende: Die Vegane Gesellschaft Schweiz spricht von einem «enormen Zulauf». Keystone

Nach Latte Macchiato, Fixies und Hipstern erobern nun Veganer die Grossstädte – zumindest scheint das so. Zugegeben, so ganz neu ist der Trend zur etwas radikaleren Variante des Vegetarismus nicht. Aber in Zeiten von Klimaerwärmung und Ressourcenknappheit kann sich auch Otto Normalbürger offen zum Verzicht von tierischen Produkten bekennen.

Wäre man vor Jahren noch als esoterischer Spinner abgetan worden, ist man heute damit en vogue. Kein Veganer muss mehr Angst haben, wegen seiner Ansichten und Essgewohnheiten von der Öffentlichkeit geteert und gefedert zu werden. Wobei Letzteres für Hardcore-Veganer vermutlich eh nicht in Frage kommen würde.

Doch boomt vegan wirklich in der Schweiz? Einer der es wissen muss, ist Reto Frei von der vegetarischen Fast-Food-Kette Tibits. «Also wir spüren schon, dass immer mehr Gäste aus Gesundheitsgründen oder aber auch aus Überzeugung komplett auf tierische Produkte verzichten.»

Neben vegetarischen Speisen gab es am Tibits-Buffets schon immer rein vegane Speisen. Deren Zahl hat über die Jahre ständig zugenommen. «Das geht inzwischen soweit, dass wir an einem Tag der Woche nur vegane Speisen anbieten», sagt Frei.

«Vegan ist nicht die Rettung der Menschheit»

Generell seien die Leute viel unverkrampfter als noch vor Jahren. «Die Mehrheit hat heute kein Problem mehr zwischen veganer und vegetarischer Ernährung zu wechseln», so Frei. Dennoch werden Veganer seiner Ansicht nach auch in Zukunft ein Nischendasein führen.

Legende: Video Vegan-Supermarkt kommt in die Schweiz abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 10.08.2013.

«Und das ist auch gut so», meint der deutsche Ernährungsexperte Udo Pollmer. Zuweilen esse er zwar auch ganz gern Pommes mit Ketchup. Aber das sei es dann auch schon gewesen mit veganer Ernährung seinerseits. «Ich finde, dass diese Art zu Essen zutiefst unethisch ist», so Pollmer.

Dabei will der streitbare Experte Veganer gar nicht verteufeln. «Im Gegenteil – vegane Speisen können durchaus eine Bereicherung unserer Ernährungsgewohnheiten sein. Die Rettung der Menschheit sind sie aber nicht.»

Der überwiegende Teil der weltweiten Agrarfläche sei ohnehin nicht für den Ackerbau geeignet. Laut Welternährungsorganisation FAO könne er nur zur Tierhaltung verwendet werden, so Pollmer. Zudem sei es sinnvoller, Futtergetreide und Kartoffeln anzubauen anstatt Spargeln und Erdbeeren. Diese «Luxusprodukte» enthielten ohnehin kaum Nährwert oder Proteine.

«Sich von Schweinefutter zu ernähren, mag ethisch aufregend sein»

Und auch am Hauptargument der Veganer – dem Töten von Tieren – lässt Pollmer kein gutes Haar. «Erlogen und heuchlerisch ist das, was die da von sich geben.» Denn natürlich müssten bei der Produktion von Getreide oder Früchten auch Schädlinge wie Mäuse oder Ratten getötet werden – und das seien schliesslich auch Säugetiere.

Bei Lichte betrachtet sei die Datenlage für Veganer verheerend – die Ökobilanz mies. «Das Fatale ist ja, dass diese Menschen Soja nicht essen, weil sie es mögen – sondern um sich Anderen gegenüber moralisch überlegen zu fühlen», so der Ernährungsexperte. «Sich von Schweinefutter zu ernähren, mag ethisch aufregend sein, aber ich esse lieber Schinken.»

Lebensmittel dürfen auch etwas kosten

Veganer können mit derlei Aussagen wahrscheinlich eher weniger anfangen. Und vermutlich ist es ihnen auf Grund des Aufwindes auch egal. «Wir haben einen enormen Zulauf», sagt Raphael Neuburger von der Veganen Gesellschaft Schweiz. Einen kurzfristigen Trend vermag er nicht zu erkennen: «Vegan ist hier um zu bleiben».

Für einen Grossteil der Mitglieder stünden die ethischen Beweggründe im Vordergrund. «Immer mehr Menschen wird klar, dass nicht nur Fleisch, sondern auch Milch und Eier mit viel Leid und dem frühzeitigen Tod der Tiere einhergehen», so Neuburger. Dafür würden viele Veganer gern auch tiefer in die Tasche greifen.

«Vegan ist kein Trend wie eine Diät»

Denn eins ist klar: Vegan heisst nicht unbedingt billiger. «Subventionen greifen bei veganen Produkten nicht.» Deshalb sei Sojamilch zum Beispiel teurer als Kuhmilch. «Aber man muss auch nicht reich sein.» Sobald man sich mit den vielen veganen Produkten auskenne, seien günstiges und gesundes Essen kein Widerspruch, so der Veganen-Sprecher.

So wenig Schaden wie möglich an Mensch, Tier und Umwelt bei der Herstellung von Nahrung – so lautet das Credo der Schweizer Veganer. «Das ist kein Trend wie eine Diät, sondern das Ganze hat durchaus Hand und Fuss. Es ist vor allem nachhaltig», gibt sich Neuburger überzeugt.

Veganismus: Leben leben lassen

Vegan leben, das heisst: Verzichten auf alles, was tierischen Ursprungs ist, also neben Fleisch und Fisch auch auf Eier, Milchprodukte, ja sogar Leder. Mehr.

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85 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Mathys, Etziken
    Veganer hin,Vegetarier her... Die sollen leben wie sie wollen. Was ich nicht dulde: Wenn sich jemand in mein Essverhalten einmischt!! Mein Menue-Plan ist vielseitig von Fleisch ,über Gemüse aller Art und Getreide. E Guete
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    1. Antwort von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
      @Walter Mathys: Meiner auch und am Schluss noch eine Süssspeise, Schoggicrème, Kuchen, Früchte, Glacé......au en Guete. Solche Diskussionen entstehen nur, weil es uns viel zu gut geht.
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    2. Antwort von Valentin Salzgeber, Basel
      Essen ist keine Privatsache. Sowie Konsum das im Generellen nicht ist. Die Auswirkungen auf die Umwelt und die Kosten für die Allgemeinheit sind enorm, es geht uns alle etwas an, was wir essen. Wir müssen uns als Gesellschaft darüber unterhalten. Und dafür müssen wir informiert sein, der Informationsstand hier in der Schweiz über unsere Nahrung ist enttäuschend. SRF hat ihn den bisherigen Beiträgen zum Thema m.M.n. leider nichts dazu beigetragen.
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    3. Antwort von Valentin Salzgeber, Basel
      Diese "Diskussionen" entstehen, weil es viel zu vielen auf dieser Welt viel zu schlecht geht, und wir zum Teil dafür die Verantwortung tragen. Es ist pervers, dass wir Getreide und Soja aus dem Weltsüden importieren und es hier Tieren verfüttern, die wir behandeln, als wären sie reine Waren. Es ist zynisch zu behaupten, dass Engagement gegen Missstände in dieser Welt nur ein Ausdruck von zu viel Freizeit sei.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    V.Salzgeber,den Bericht hab ich damals verpasst,erschütternd!Das war 09,hoffe,da habe sich inzw.einiges geändert.Dennoch,wir reduzierten schon vor über 40J unsern Fleischkonsum(Hauptfaktor!)auf 2x/W,2 veget.+3 vegan.Tage.Ausser Kaffee+Reis,kam alles Pflanzliche,wo immer wir wohnten,vom eigenen Land,tier.Produkte von div.Kleinbiobauern.Es gibt sie,die Import meiden,auch im Ausland!Sie,überhaupt inl.Produkte,müssten berücksichtigt,artgerechte Haltung,Verzicht auf Chemie,GT,Hormone geschätzt werden
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  • Kommentar von Theodor Himmel, Chur
    Zitate des deutsche Ernährungsexperten Udo Pollmer: „Zuweilen esse er zwar auch ganz gern Pommes mit Ketchup. Aber das sei es dann auch schon gewesen mit veganer Ernährung seinerseits.“ „Ich finde, dass diese Art zu Essen zutiefst unethisch ist“ (ohne weitere Begründung) „Sich von Schweinefutter zu ernähren, mag ethisch aufregend sein, aber ich esse lieber Schinken.“ SRF! Wo habt Ihr den Ernährungsexperten nur aufgegabelt? Da hättet Ihr auch einen Mac Donalds Verkäufer interviewen können!
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Dass SRF einen solchen ... "Experten" überhaupt publiziert, ist allein schon denkwürdig. Da hätte man manch bessere/n Schweizer Expert/in befragen können, aber nein, der Prophet im eigenen Land...diesen Bibelspruch sollte sich die CH überdenken, besonders auch im künstlerischen und politischen Bereich.
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