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Tod von Lys Assia Ihr Grand-Prix-Sieg bleibt für immer

Lys Assia war die Grande Dame des Schweizer Chansons. Heute ist die «O mein Papa»-Sängerin im Alter von 94 Jahren gestorben. Ein Rückblick auf ein aussergewöhnliches Leben.

Mit Lys Assia verbindet man vor allem etwas: Sie war die erste Siegerin des Eurovision Song Contest. 1956 gewinnt sie in Lugano den internationalen Gesangswettbewerb, damals noch der Concours Eurovision de la Chanson. Dieser Sieg begleitete sie ihr Leben lang.

Lys Assia wird 1924 als Rosa Mina Schärer geboren. Sie wächst mit elf älteren Geschwistern in Zürich auf. Schon als Kind nimmt Lys Assia Ballettunterricht und debütiert als 16-Jährige im Zürcher Corso-Palast. Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt sie ihre Karriere als Sängerin.

Verschiedene Tourneen führen die zierliche Frau auch ins Ausland. 1950 kommt der grosse Erfolg. Mit dem Titel «O mein Papa», aus der Operette «Der Schwarze Hecht» von Paul Burkhard gelingt Assia auch in Deutschland der Durchbruch.

Lys Assias grösster Triumph

Lys Assias grosse Stunde schlägt 1956 in Lugano beim Concours Eurovision de la Chanson. Beim neugegründeten europäischen Gesangswettbewerb gewinnt sie mit dem Lied «Refrain». Durch diesen Sieg wird Lys Assia schon zu Lebzeiten zur Legende. Viele Jahre nach ihrem Triumph verrät Assia in einem SRF-Interview: «Als ich nach meinem Sieg nochmals auf die Bühne musste, um mein Lied zu singen, habe ich vor lauter Aufregung den Text vergessen.»

Als ich nach meinem Sieg nochmals auf die Bühne musste, um mein Lied zu singen, habe ich vor lauter Aufregung den Text vergessen.
Autor: Lys Assia

Assia ist die einzige gebürtige Schweizerin, die den Wettbewerb für die Schweiz gewinnen konnte. Für «Refrain» erhält Lys Assia auch eine Goldene Schallplatte. Ein Jahr später tritt sie wieder beim Concours an, landet allerdings auf dem vorletzten Platz.

1958 versucht es Assia erneut und wird Zweite – mit nur drei Punkten Rückstand auf den Erstplatzierten. Danach folgen verschiedene Tourneen und Lys Assia erhält sogar eigene Fernsehshows in Europa und Südamerika.

Kein Glück mit den Ehemännern

In der Liebe läuft es bei Lys Assia nicht ganz so rund wie mit der Musik. Die Sängerin heiratet zwei Mal. Nach nur neun Monaten Ehe verstirbt 1957 ihr erster Mann, der Zürcher Industrielle Henry Kunz, an einem Herzleiden.

1963 heiratet Assia den dänischen Hotelketten-Besitzer und Millionär Oskar Pedersen. Er stirbt 1995 bei einem schweren Autounfall. Nach diesem Schicksalsschlag lässt sich Lys Assia in Südfrankreich nieder und tritt hin und wieder an Veranstaltungen auf.

Erneut beim Eurovision Song Contest

Im Jahr 2005 kehrt Lys Assia in ihre Heimat zurück und lässt sich an der Zürcher Goldküste nieder. Zwei Jahre später erhält sie den Ehren-Prix-Walo. Im selben Jahr vertritt sie zusammen mit Beatrice Egli die Schweiz am Grand Prix der Volksmusik in Wien und landet dabei aber nur auf dem zwölften Platz.

2011 – 56 Jahre nach ihrem grossen Triumph – will es Lys Assia noch einmal wissen und nimmt am Schweizer Vorentscheid zum «Eurovision Song Contest 2012» teil. Mit dem von Ralph Siegel komponierten Lied «C'était ma vie» landet sie schliesslich nur auf dem achten Platz und darf nicht für die Schweiz nach Baku fahren.

Ich hatte ein sehr erfülltes Leben, ein sehr bewegtes Leben – positiv und auch negativ.
Autor: Lys Assia

Auf ihr Leben angesprochen erzählt Lys Assia in einem «glanz & gloria»-Interview: «Ich hatte ein sehr erfülltes Leben, ein sehr bewegtes Leben – positiv und auch negativ.»

Mit Lys Assia verliert die Schweiz ihre erste und einzige Grand Dame des Schweizer Chansons. Doch ihr Sieg beim allersten «Eurovision Song Contest» hat sie unsterblich gemacht.