Zum Inhalt springen

Header

Audio
Transportschäden: Wer haftet?
Aus Espresso vom 16.04.2021.
abspielen. Laufzeit 07:14 Minuten.
Inhalt

Transportschäden Bei Ankunft defekt: Nicht alle Online-Händler haften

Für kaputte Ware in einem Paket haftet der Händler. Diese Annahme von Kundinnen und Kunden stimmt nicht immer.

Wer online bestellt, meint oft, dass der Online-Händler für Transportschäden haftet und die Ware ersetzen muss. Das stimmt so nicht. Es kommt darauf an, wozu sich der Händler in seinen AGB verpflichtet.

Ein Händler haftet entweder, bis die Ware bei der Kundin oder dem Kunden angekommen ist. Das nennt sich Bringschuld. Oder er haftet nur, bis er die Ware versendet hat. Dann liegt das Transportrisiko vom Zeitpunkt des Versands an beim Kunden. Das nennt sich Versendungsschuld, erklärt Frédéric Krauskopf, Professor für Privatrecht an der Universität Bern: «Hat sich der Verkäufer nur zur Versendung verpflichtet, so geht die Gefahr für Transportschäden in dem Zeitpunkt an den Käufer über, in dem die Ware versendet wird.»

Käufer hat keinen Vertrag mit dem Transporteur

Wer nun denkt, dass in diesem Fall der Transporteur dem Kunden oder der Kundin den Schaden ersetzen muss, dem sagt der Rechtsprofessor: «Das ist nicht ganz einfach. Denn zwischen Transporteur und Käufer, also dem Empfänger der Ware, besteht in der Regel kein Vertragsverhältnis.» Der Transportvertrag mit den entsprechenden Haftungsregeln wird zwischen dem Online-Händler als Absender und dem Transporteur (beispielweise Post, DHL oder UPS) abgeschlossen.

Stellen sich der Online-Händler oder der Transporteur im Falle einer Versendungsschuld quer, kann es für Kundinnen und Kunden mühsam werden, zu Schadenersatz zu kommen. Sie können sich bei einem Transportschaden nicht auf vertragliche Pflichten berufen, sondern müssen den Rechtsweg beschreiten.

Haftungsbeschränkungen und unverständliche AGB

Hinzu kommt: Transporteure haben das Recht, ihre Haftung zu beschränken. Bei Standardpaketen haften die Post und DHL nur bis 500 Franken, UPS sogar nur bis 150 Franken. Wurde nicht eine besser versicherte Versandart gewählt, wird also nicht der ganze Schaden ersetzt.

Eine weitere Erschwernis: Für Laien ist es oft schwierig, aus den AGB und den Lieferbedingungen zu erkennen, ob eine Bringschuld oder eine Versendungsschuld besteht. Aus all diesen Komplikationen machen Online-Händler ein Geschäft. Sie verkaufen zusätzliche Transportversicherungen. Als Vorteil preisen sie an, dass der Kunde sich im Schadensfall nicht selbst um Ersatz und Haftungsfragen kümmern müsse.

Transportversicherung bei unsicherer Rechtslage

Rechtsprofessor Frédéric Krauskopf sagt, dass sich eine solche Transportversicherung je nachdem lohnen kann: «Je höher der Wert der Ware und je unsicherer oder undurchsichtiger die Rechtslage im Schadensfall, desto eher drängt es sich auf, eine Versicherung abzuschliessen. So erspart man sich Scherereien.» Vor allem, wenn die Transportversicherung relativ günstig sei.

Aber eben: Eine solche lohnt sich vor allem bei wertvollen Sendungen. Wenn der Online-Shop eindeutig die Haftung übernimmt, bis die Ware beim Kunden ist, braucht es keine zusätzliche Versicherung. Im Zweifelsfall sollte man beim Shop nachfragen und sich dessen Bringschuld durch die entsprechenden Passagen in den AGB oder Lieferbedingungen belegen lassen.

Espresso, 16.04.21, 08:13

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Werner Ammann  (W.A.)
    Eigentlich müsste in jedem Fall der Transporteur für den Schaden haften, es ist ja bei seiner Arbeit passiert.
    1. Antwort von Thomas Koller  (ThoKo)
      Das Transportrecht ist ein komplexes Rechtsgebiet, nicht zuletzt auch wegen der vielen internationalen Bezüge. Es kennt durchaus Haftungsregeln, aber die sind eher restriktiv. Mit dem Frachtführer auseiandersetzen muss sich beim Fernkauf, wer kaufrechtlich das Risiko trägt. Für den Käufer wäre es daher einfacher, wenn er den Kaufpreis nicht bezahlen muss. Es wäre dann Sache des Verkäufers, den Transporteur zu belangen.
  • Kommentar von Thomas Koller  (ThoKo)
    Unser Kaufrecht wäre schon längst grundlegend reformbedürftig. Der hier diskutierte Fall ist ein Beispiel dafür: Bei Distanzkäufen von Konsumenten sollte wie in der EU die Gefahr erst auf den Käufer übergehen, wenn die Ware bei ihm eintrifft. Aber eine solche Reform ist nicht in Sicht. Wer heute schon das Transportrisiko nicht tragen will, muss die Ware daher im EU-Raum bestellen. Allerdings können sich bei grenzüberschreitenden Verträgen andere Probleme ergeben, etwa bei der Rechtsdurchsetzung.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Ein weiteres Beispiel wie unser Rechtsbürgerliches Parlament vor allem Gesetze für die Unternehmen und nicht für die Bevölkerung macht.
    1. Antwort von Stefano Simeone  (SteSi)
      Wieso? Das Vorgehen gilt schliesslich auch für Unternehmen, die Waren empfangen.
    2. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Gasser: Abgesehen davon, dass die "Rechtsbürgerlichen" keine Mehrheit besitzen im Parlament, widerspiegeln die einzelnen Parteien nur die Standpunkte ihrer Wählerschaft.
    3. Antwort von Timo Bucher  (rasifix)
      @Stadler: "widerspiegeln die einzelnen Parteien nur die Standpunkte ihrer Wählerschaft". Der ist gut. Wenn es doch nur so einfach wäre. Die Parteien / Politiker betreiben Marketing in Eigensache. Viele davon erzählen alles, damit sie gewählt werden. Was sie dann entscheiden, entspricht dann oft nicht mehr so genau dem, was sie versprochen haben oder sie legen einen anderen Fokus an den Tag.
    4. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Bucher: Diese Problematik betrifft aber alle Parteien.
      In der Schweiz kann keine Partei im Alleingang Gesetze einführen oder verhindern, das wollte ich damit sagen.