Tristesse pur im Wonnemonat

Der Mai war allenfalls ein Wintermonat, aber sicher kein Wonnemonat. An einigen Orten gab es nur gerade 50 oder 60 Prozent des üblichen Sonnenscheins. Dazu gab es massig Regen. Und es war lausig kalt. Kommt es noch schlimmer?

Der Wetterblues ging auch im Mai ungebremst weiter. Seit Jahresbeginn ist es viel zu grau und meist auch zu kalt. Nördlich der Alpen lagen die Temperaturen im Mai 2 bis 2,5 Grad unter dem Erwartungswert der Jahre 1981 bis 2010.

In Zürich lag die Durchschnittstemperatur bei rund 11 Grad. Zum Vergleich: 2007 war es schon im April rund 3 Grad wärmer und auch 2009 und 2011 war der April in Zürich wärmer als der Mai 2013. Ähnlich sehen die Zahlen auch für andere Städte nördlich der Alpen aus. Zu kühl war es auch im Tessin. Dort liegt die Abweichung nach unten bei ungefähr 1,5 bis 2 Grad.

Modefarbe grau

Der fehlende Sonnenschein ist seit Wochen Hauptthema in der Wetterdiskussion. Im ganzen Land machte sich die Sonne ausnahmslos rar. Am schlimmsten war es im Dorf San Bernardino. Es gab nur gerade 58 Stunden Sonnenschein – das entspricht 48 Prozent des langjährigen Mittels. Prozentual steht Disentis allerdings noch schlechter da. Dort gab es nur 43 Prozent des üblichen Maisonnenscheins.

Schneebedeckte Tulpen

Bildlegende: Schnee bis in die tiefe Lagen: Bilder wie diese prägten den Frühling 2013. Keystone

Am anderen Ende der Negativskala stehen die Walliser Stationen. Am meisten Sonnenschein wurde auf dem Gornergrat mit 176 Stunden registriert. Auf Rang zwei folgt Sitten mit 165 Stunden. Allerdings sind auch das nur rund 80 Prozent der üblichen Sonnenscheinstunden.

Einzig im Mendrisiotto wurden wenigstens 90 Prozent der üblichen Sonnenstunden verzeichnet. Trotz diesen Negativzahlen muss man in den Jahrbüchern nicht weit blättern, um einen ähnlich trüben Mai zu finden. 2010 gab es beispielsweise in Zürich, St. Gallen und Luzern noch weniger Sonnenschein. Auch damals war das Gejammer über den miesen Wonnemonat gross, obwohl die Monate März und April damals bedeutend sonnenreicher waren. 

Süden extrem nass

An den meisten Orten in der Schweiz war der Mai auch noch regenreich. Trockeninseln waren der untere Aarelauf, das St. Galler Rheintal und das Unterengadin mit 70 bis 90 Prozent der üblichen Regenmenge.

Dagegen war es in weiten Teilen der Romandie und im Süden deutlich zu nass. Im obersten Maggiatal gab es rund 530 Millimeter Regen, am Lago Maggiore und in Lugano wurden etwas mehr als 300 Millimeter Regen gemessen. Da auch schon der April viel zu nass war, musste am Lago Maggiore zweimal Hochwasseralarm ausgelöst werden. Stellenweise trat der See über die Ufer.

Immer wieder Schnee

Zweimal gab es im Mai extreme Kaltluftvorstösse mit Schnee bis unter 1000 Meter. Am 24. Mai fiel Schnee am Eingang zum Glarnerland bis auf 550 Meter herunter. Am 29. Mai schneite es wieder stellenweise bis auf 700 Meter herab.

Auch am ersten Juniwochenende ist vom Sommer noch keine Spur zu sehen. Im Norden, vor allem in der Zentral- und Ostschweiz, regnet es ergiebig und andauernd. Lokal könnte es auch zu Überschwemmungen kommen.

Immerhin steigen die Temperaturen leicht an. 15 Grad sind allerdings für die Jahreszeit immer noch deutlich zu kühl. Nur im Süden dürfte es mit Nordföhn länger sonnig und auch deutlich milder sein.