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Nashörnern die Hörner gekürzt «Tschechien ist eine Drehscheibe für den Hornhandel»

Ein tschechischer Zoo lässt allen Nashörnern die Hörner absägen – und löst heftige Reaktionen aus. Der Zoodirektor verteidigt sich.

Legende: Audio «Die sicherste Methode gegen Horndiebe» abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
03:53 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.03.2017.

In keinem europäischen Zoo gibt es mehr Nashörner als in Dvur Kralove. Die 21 Dickhäuter sind die Attraktion des tschechischen Zoos. Doch jetzt macht er mit einer – auf den ersten Blick – brutalen Aktion von sich reden. Am Dienstag liess er allen 21 Tieren die Hörner absägen.

Der Entscheid sei ihm alles andere als leicht gefallen, gesteht Zoodirektor Premysl Rabas auf Anfrage. «Es ist aber die sicherste Methode, um die Tiere vor Horndieben zu schützen.» Für die Nashörner sei der Eingriff schmerzfrei, vergleichbar mit dem Schneiden von Nägeln. Zudem wüchsen die Hörner wieder nach.

Die Nashorn-Wilderei

Der Handel mit Horn von Nashörnern ist auf internationaler Ebene seit rund vier Jahrzehnten verboten. Dennoch blüht der illegale Handel. Vor allem in China ist das Horn gefragt: Ihm werden dort aphrodisierende und heilende Kräfte zugeschrieben. In Vietnam wird es auch als Heilmittel gegen Krebs propagiert, seit ein Mitglied der dortigen Regierung 2007 durch Konsum von Nashornpulver genesen sein soll.
Seit in Vietnam und China die Wirtschaft kräftig boomt, explodiert die Nachfrage nach den teuren Hörnern und die Wilderei nimmt seit 2008 dramatisch zu, wie der WWF sagt. Ein Horn wiegt ein bis zehn Kilo, auf dem asiatischen Schwarzmarkt würde es bis zu 600‘000 Franken kosten.
Anders als bei Hirschen oder Elefanten ist das Rhinozeros-Horn kein Knochen oder Zahn, sondern besteht aus Kreatin wie die Fingernägel und Haare von Menschen. Die Nashorn-Hörner können im Extremfall bis zu 160 Zentimeter lang sein.

Wegen Wilderei in Pariser Zoo

Auslöser für die Massnahme sei der Tod eines Nashorns in Frankreich gewesen. Vor rund zwei Wochen erschossen Wilderer in einem französischen Zoo bei Paris einen Dickhäuter, sägten ihm das eine Horn ab und nahmen es mit. Zwei weitere Tiere blieben verschont.

Dem Zoo zufolge war es das erste Mal, dass Diebe in einen Tierpark eindrangen und ein Rhinozeros getötet haben. Die Ermittler schätzten den Wert des gestohlenen Horns auf bis zu 40'000 Euro.

Kein Hinweis auf geplanten Diebstahl

«Das war kein Einzelfall», stellt Zoo-Direktor Rabas fest und verweist auf einen Fall in Grossbritannien, in dem der Geheimdienst vor einigen Jahren einen geplanten Horndiebstahl verhindern konnte.

Konkrete Hinweise auf einen möglichen Diebstahl in Tschechien habe es nicht zwar gegeben, aber das Zoo-Team von Dvur Kralove habe seine Tiere vor einem ähnlichen Schicksal bewahren wollen.

Tschechien ist eine Drehscheibe für den Hornhandel.
Autor: Premysl RabasDirektor des Zoos in Dvur Kralove

«Zudem ist Tschechien eine Drehscheibe für den Hornhandel.» Laut Rabas gibt es dort regelrechte Hornschmuggel-Banden, die beispielsweise Horn aus Südafrika nach Asien schmuggeln.

Legende: Video Nashorn in Dvur Kralove wird enthörnt (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 00:54 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.03.2017.

Gegen sie nützen auch erhöhte Sicherheitsmassnahmen nicht, ist der Zoodirektor überzeugt. Noch vor dem Fall in Frankreich habe der Zoo Kameras installiert und sie nachträglich aufgerüstet, damit sie auch bei Nacht funktionierten. Aber die Hörner abzuschneiden, ist sicherer, wie Rabas insistiert.

Sicherheit der Tiere an erster Stelle

Über die Frage, ob seine Nashorn-Herde damit an Attraktivität verliere und der Zoo deswegen finanzielle Einbussen hinnehmen müsse, habe er sich keine Gedanken gemacht. «Wenn sich die Sicherheit der Tiere auf diese Art massiv steigern lässt, dann ist es zweitrangig, wie viel Geld man mit ihnen macht.»

Wie üblich bei Schmuggler- und Wilderer-Ware sollen die Hörner der 21 Tiere demnächst verbrannt werden – in Zusammenarbeit mit der Polizei. Bis dahin werden die Hörner an einem sicheren Ort ausserhalb des Zoogeländes aufbewahrt, wie Rabas betont.

Legende:
Nashorn-Wilderei in Südafrika Quelle: TRAFFIC, das gemeinsame Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN. Laut WWF ist Südafrika der Hotspot der Nashorn-Wilderei. In dem Land leben rund 80 Prozent der afrikaweiten Nashornbestände. http://www.traffic.org/rhinos/

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Jasmin Frey (Zazicky)
    Warum soll es in Ordnung sein, unseren Kühen die Hörner abzunehmen, nicht aber diesen Nashörnern zum Schutz?
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  • Kommentar von Thomas Mann (Freidenkerin)
    Weshalb die Hörner verbrannt werden sollen, verstehe ich nicht. Wie bei Krokodilleder aus Farmen könnte man mit Nashornhorn aus Zoos, Wildparks und Farmen den Markt decken und die Wilderei unattraktiv machen. Zumal die Hörner schmerzfrei abgesägt werden können und sogar nachwachsen. Kostet das Kilo Horn nur noch $100, lohnt es sich nicht mehr zu wildern.
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  • Kommentar von Aurel Specker (Auspec)
    Ich verstehe nicht was man daran nicht gut finden kann... Es geht schliesslich um das Wohl des Tieres mit einer guten Begründung. Zudem braucht ein Nashorn das Horn nicht in Gefangenschaft, es gibt also praktisch keine Nachteile.
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