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Verharmloster Sport Warum das Schlitteln so gefährlich ist

Das Kantonsspital Chur hat diesen Winter doppelt so viele Schlittler behandelt wie in der letzten Saison. Die Gründe.

Legende: Video Zu blöd, wenn ein Hindernis auftaucht abspielen. Laufzeit 1:39 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.02.2018.

Schlitteln ist beliebt und eine gute Alternative in den Skiferien. Die meisten fühlen sich dabei sicher. «Auf einen Schlitten sitzen ohne steuern zu können, kann gefährlich sein. Aber ich mache das seit 30 Jahren und hatte kaum Unfälle», sagt Michael Neiler, Tourist aus Grossbritannien, zu Gast im bündnerischen Bergün.

Auch Ursin Albrecht aus Rifferswil (ZH) fühlt sich sicher: «Unsere Kinder tragen Helme und Rückenprotektoren. Daher kommt das schon gut.» Dass es nicht überall gut kommt, zeigen die Unfall-Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu): 7000 Schlittel-Unfälle gibt es im Schnitt pro Saison.

Gründe sind:

  • Stürze und Zusammenstösse mit Steinen, Bäumen, anderen Personen oder Fahrzeugen.
  • Die Geschwindigkeit wird oft unterschätzt und die Fahrkünste überschätzt.

Toni Cavelti, Rettungsleiter des Ski- und Schlittelgebiets Bergün, überraschen die hohen Unfall-Zahlen nicht: «Ein Grund für die Unfälle ist der viele Schnee. Es hat mehr offene Schlittenbahnen und mehr Schlittler. Vielleicht macht man auch irgendwo eine Schlittenbahn, wo keine war. Etwa auf einer Strasse, wo es Gegenverkehr gibt und keine Sicherheitsvorkehrungen vorhanden sind.»
Gefährlich ist laut dem bfu auch, dass sich die Menschen beim Schlitteln sicher fühlen. Die Folgen sind nicht ohne: Schädel- und Hirnverletzungen, Knochenbrüche oder sonstige Verletzungen an Beinen, Füssen und Rumpf.

Jeder hat seine eigene Technik, um Unfälle zu vermeiden. «Vor allem mit der Familie schaue ich, dass wir nicht in einer Menge voller Sportrodler sind. Man nimmt es gemütlich und schaut auch auf die Pistenverhältnisse», sagt Markus Merki aus Zürich. Und Barbara Leonardi aus Mailand meint: «In den gefährlichen Kurven muss man bereit sein, mit den Füssen bremsen zu können.»

Tipps des bfu

  • Verwenden Sie einen Rodel. Dieser ist besser steuerbar als herkömmliche Holzschlitten.
  • Tragen Sie hohe, feste Schuhe mit gutem Profil und ergänzen Sie diese bei harten oder eisigen Verhältnissen mit Bremshilfen.
  • Tragen Sie einen Schneesporthelm.
  • Schlitteln Sie auf markierten Schlittelwegen, hindernisfreien Wegen oder Hängen mit freiem Auslauf.
  • Fahren Sie nicht kopfvoran und binden Sie keine Schlitten zusammen.
  • Halten Sie sich an die zehn Schlittel-Verhaltensregeln , Link öffnet in einem neuen Fensterund schlitteln Sie nicht unter Alkoholeinfluss.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Stephan Roos (SR)
    Hier meine Mutmassungen, wenn wir schon dabei sind. Ich fürchte es liegt an fehlender Körperspannung, fehlenden Schlittelmöglichkeiten im Unterland, das „Angsthasentum“ und tatsächlich fehlender Kontrolle des Schlittens. Wir sind immer kopfvoran runtergefetzt, haben die Beine zum Steuern verwendet und den Schlitten zum Bremsen einfach quergestellt. Eine Schlittenschlange mit 8-12 Schlitten und eingehängten Beinen war das Grösste. Lösung: eine Fahrprüfung mit einem Careteam auf Piket?
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    1. Antwort von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
      Schlittenschlangen gingen nach heutigem Vokabular „viral“. In den 60er lag im Raum Winterthur noch oft genug Schnee, um den Schulweg mit Schlitten in Angriff zu nehmen. Gekracht hat es auch öfters. Dass ausser Blutergüssen und kleinen Schrammen nie schwere Unfällen auftraten, wundert mich rückblickend doch etwas. Kinder haben scheinbar effizientere Schutzengel als Erwachsene. Liegt aber an der grösseren Masse Derselben und der im „Störfall“ auf sie einwirkende kinetische Energie (E = m*v²/2)
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    "Fahren Sie nicht kopfvoran und binden Sie keine Schlitten zusammen." Oha, da kommt mir doch unser Schlittelplausch aus den 80er Jahren in den Sinn, als wir auf der Schlitterbahn von Breda nach Bergün (oder umgekehrt, weiss nicht mehr) sausten, zwei Schlitten zusammengebunden und mein "Vordermann" bäuchlings auf dem Schlitten lag. Dies mehrmals nacheinander. Einmal landeten wir im tiefen Schnee daneben, ohne Unfallfolgen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Breda liegt in Holland;-)
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  • Kommentar von Connie Mueller (Connie Elizabeth)
    Als Kind ist mir noch nie was beim schlitteln passiert und damals gab es noch mehr schnee wie heute und bin dann jeweils den winder den Uetliberg runtergerutscht. Denn schlitteln steuert man mit den Füssen und dem Körper.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Könnte dies, Frau Connie Elizabeth, eine schöne Kombination, auch damit zusammenhängen, dass mit manchen Ausnahmen, so einige von uns, die Motorik unseres Körpers nur zu speziellen Anlässen 'anwerfen' und das Wunderwerk Körper, weniger wie ein Rassetier, denn wie einen armen alten Esel behandeln. Den sie irgendwo abstellen und oft einfach vergessen?
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