Verletzter Höhlenforscher ist wieder an der Oberfläche

Das Bergungsteam in der Riesending-Schachthöhle hat den verletzten Höhlenforscher an die Erdoberfläche gebracht und ins Spital geflogen. Seit vergangenem Freitag haben sie sich Meter um Meter aus Deutschlands tiefster und längster Höhle gearbeitet.

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Vollbracht: Höhlenforscher wieder über Tage

1:03 min, vom 19.6.2014

Die erlösende Nachricht kam um 11.44 Uhr per SMS: «Der Verunglückte ist an die Oberfläche gebracht worden und wird notfallmedizinisch versorgt.» Sechs Tage hatte es gedauert, um den deutschen Höhlenforscher Johann Westhauser aus Deutschlands tiefster Höhle zurück an die Oberfläche zu bringen.

Mittlerweile wird Westhauser in der Unfallklinik im oberbayerische Murnau versorgt. Er hat die tagelangen Strapazen nach Angaben der Bergwacht relativ gut überstanden.

Mobile notfallmedizinische Station

In einer beispiellosen Rettungsaktion holten sie den Höhlenforscher in sechs Tagen aus 1000 Metern Tiefe nach oben. Am Höhlenausgang am Untersberg in 1800 Metern Höhe standen Ärzte bereit, um den Verunglückten zu versorgen. Eine mobile notfallmedizinische Station war eingerichtet.

Der verunfalle Höhlenforscher liegt auf einer Bahre umringt von Rettern

Bildlegende: Endlich wieder an der Oberfläche – Der verunfallte Höhlenforscher ist gerettet. Keystone

Die Retter hatten die letzte Etappe in enormer Geschwindigkeit bewältigt. In der Nacht verzögerte sich der Transport dann aber noch einmal. Am Donnerstag zogen Helfer die etwa 100 Kilogramm schwere Trage mit dem Schwerverletzten über 180 Meter an Seilen frei schwebend nach oben.

Internationales Rettungsteam

Der erfahrene Höhlenforscher, der seit Jahren Deutschlands tiefste Höhle erkundete, war am Pfingstsonntag bei einem Steinschlag von einem Brocken am Kopf getroffen worden. Er erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma. Seit dem Unfall bis zur Rettung vergingen gut 274 Stunden.

Schematische Darstellung der Höhle.

Bildlegende: Aus mehr als 1000 Metern Tiefe musste der Verletzte gerettet werden. Keystone

Während ein internationales Team den Verletzten in der Trage schob, zog und weiterhievte, sicherten ständig Dutzende Helfer den Weg zum Ausgang mit zusätzlichen Haken und neuen Seilen. Sie räumten loses Geröll weg und hielten Gischt aus Wasserfällen mit Planen ab.

Sorge um gefährlichen Tourismus

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will den Eingang zur Höhle versiegeln lassen. Er fürchtet sich davor, dass Kletterer aus ganz Europa auf die Idee kommen sich den Unfallort anzuschauen. «Das führt dazu, dass Leute in die Höhle einsteigen, die überhaupt nicht die Fähigkeit dazu haben. Dem vorzubeugen halte ich für absolut notwendig», sagte der Innenminister.

Die Rettung des Höhlenforschers

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Höhlenforscher gerettet

    Aus 10vor10 vom 19.6.2014

    Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist nach zwölf Tagen aus der tiefsten Höhle Deutschlands gerettet worden. 202 Höhlenretter aus ganz Europa haben ihn abwechselnd betreut und transportiert. Ausserhalb der Höhle waren für die Versorgung und den Nachschub nochmals über 700 Helfer im Einsatz. Kaum am Tageslicht stellt sich die Frage: Wer bezahlt für die aufwändige Rettung?

  • Glückliches Ende im deutschen Höhlendrama

    Aus Tagesschau vom 19.6.2014

    Nach einer 274-stündigen beispiellosen Rettungsaktion hat der verletzte Höhlenforscher in den Berchtesgadener Alpen erstmals wieder Tageslicht gesehen. Erschöpft aber überglücklich lagen sich die Helfer in den Armen.

  • Rettung im Schneckentempo

    Aus 10vor10 vom 16.6.2014

    Am Sonntag vor einer Woche ist ein deutscher Höhlenforscher in der Riesending-Höhle in gut 1000 Meter Tiefe verunfallt. Die Bergung ist seit Donnerstag im Gange. Erstmals gelangen Aufnahmen der gewaltigen Rettungsaktion in der Riesending-Höhle an die Oberfläche.