Versicherungen stellen sich auf mehr Unwetterschäden ein

Elementarschäden nehmen in der Schweiz seit den 1970-er Jahren tendenziell zu. Klimabedingt mehr starke Unwetter sind ein Grund, mehr Wohlstand und Besitz ein anderer. Privatversicherer und kantonale Gebäudeversicherungen sehen sich gerüstet – auch dank Rückstellungen aus «guten Jahren».

Gewitter über der Schweiz.

Bildlegende: Versicherungen: Vermehrt Unwetter wegen Klimawandels und alle paar Jahre Grossereignisse. Keystone/Archiv

Nach den jüngsten Unwettern im Emmental und in anderen Regionen der Schweiz sind auch wieder die Versicherungen stark gefordert. Sie stellen bereits seit den 1970-er Jahren eine tendenzielle Zunahme der Schäden in den Elementarschadenabteilungen fest.

Zum einen hätten mit den klimatischen Veränderungen die Unwetter an Häufigkeit und Intensität zugenommen, erklärt Sabine Alder, Sprecherin des Schweizerischen Versicherungsverbandes. Zum anderen steige mit dem wachsenden Wohlstand die Konzentration der Versichertenwerte.

Weil die Elementarschadenversicherung auf dem Solidaritätsprinzip beruht, haben sich die privaten Versicherer im Elementarschadenpool zusammengeschlossen. Sie begleichen damit aus dem gemeinsamen Topf die Schäden der Versicherten. Dies ist besonders wichtig, wenn es eine Region ausserordentlich hart trifft, wie Alder ausführt.

Steigende Risiken – steigende Prämien?

Wegen der zunehmenden Schäden hatte der Bundesrat vor einigen Jahren die Versicherungssumme des Pools auf zwei Milliarden Franken verdoppelt. Dies hatte eine Erhöhung der Prämien zur Folge. «Eine weitere Anpassung des Pools ist derzeit kein Thema», sagt Alder. Die Prämiensätze sind bei der landesweit solidarischen Elementarschadenversicherung für alle Versicherten gleich hoch.

Der Chef der Gebäudeversicherung des Kantons Bern, Ueli Winzenried, bestätigt die Tendenz zu vermehrten Elementarschadenereignissen und verweist auf eigene Untersuchungen: «Sie zeigen, dass in den letzten 50 Jahren die Schadenereignisse durch Elementarschäden alle zehn Jahre um 50 Prozent zugenommen haben.»

Vorsorge in «guten Jahren»

Entsprechend wichtig sei es, in guten Jahren Rückstellungen zu bilden und diese samt Reserven ertragsbildend anzulegen, betont Winzenried. Gleichzeitig gelte es, das Rückversicherungskonzept kontinuierlich zu überprüfen, um ausserordentliche Risiken abdecken zu können.

So mussten in den letzten 25 Jahren die Prämien im Kanton Bern nicht erhöht werden. Vielmehr konnten in den vergangenen zwei Jahren dank wenig Schäden jährlich 25 Millionen Franken an die Kunden zurückgezahlt werden, was einem Prämienrabatt von 14 Prozent entsprach. Bei grösseren Schadenereignissen fallen solche Rückerstattungen weg, wie dies in den Jahren 2005, 2007 und 2009 der Fall war.

Berner Worst-Case-Szenario: Schäden von 1,5 Milliarden

Gemäss einer Modellrechnung geht die Berner Gebäudeversicherung zurzeit von einem Worst-Case-Szenario mit Schäden von 1,5 Milliarden Franken aus, die noch tragbar wären. Winzenried weist darauf hin, dass diese Monopolversicherung im Gegensatz zu den Privatversicherern keine Haftungsbegrenzung kenne und sich auf entsprechend schlimme Szenarien einstellen müsse.

Einen wichtigen Beitrag zur Schadensminderung leisteten in den letzten Jahren im Kanton Bern die diversen Verbauungen, Renaturierungen und Entlastungsstollen. Aber auch jeder eigene Hauseigentümer könne Lokalprävention betreiben, indem er etwa Gartenmauern höher baue, Lichtschächte höher anlege und für gute Abdichtungen sorge, unterstreicht Winzenried.