«Viagra für die Frau» auf dem US-Markt

Flibanserin heisst das Medikament, das die weibliche Libido beflügeln soll. Nun gibt die US-Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Zulassung der Lustpille. Das Mittel ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen.

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Viagra für Frauen erhält Zulassung in den USA

1:30 min, aus Tagesschau vom 19.8.2015

Es ist bereits der dritte Versuch, eine Lustpille für Frauen auf den Markt zu bringen. Jetzt hat es geklappt: Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte die Zulassung des Medikaments Flibanserin, das den weiblichen Sexualtrieb steigern soll.

2010 und 2013 war das «Viagra für Frauen», das unter dem Namen Addyi vermarktet wird, noch durchgefallen – wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen. Auch die aktuelle Zulassung ist an spezielle Auflagen geknüpft.

Eine rosarote Pille mit der Aufschrift F100.

Bildlegende: Das «Viagra für Frauen» wird unter dem Namen Addyi vermarktet. Keystone

Mittel muss täglich genommen werden

«Die heutige Zulassung gibt Frauen, die über ihr geringes sexuelles Verlangen unglücklich sind, eine anerkannte Behandlungsoption», erklärte die Leiterin des FDA-Zentrums für Medikamentenprüfung, Janet Woodcock. Das Mittel ist demnach speziell zur Behandlung einer allgemeinen Hypoaktiven Sexualtriebsstörung (hypoactive sexual desire disorder, kurz HSDD) bei Frauen vor der Menopause gedacht.

Die Pille wird täglich und nicht nur vor dem Sexualverkehr eingenommen. Es ist laut FDA ausdrücklich nicht anzuwenden, wenn der verminderte Sexualtrieb auf psychische oder körperliche Beschwerden, Beziehungsprobleme oder den Einfluss von Medikamenten oder anderen Drogen zurückzuführen ist.

Mit Alkohol wirds gefährlich

Die FDA hob in ihrer Entscheidung ausserdem hervor, dass Flibanserin nicht mit Alkohol eingenommen werden darf. Im Zusammenspiel mit Alkohol könne das Medikament ernsthafte Beschwerden wie Ohnmacht oder gefährlich niedrigen Blutdruck auslösen. Daher solle es nur auf Rezept in geprüften Apotheken erhältlich sein. «Patienten und Verschreiber sollten die Risiken im Zusammenhang mit der Einnahme von Addyi vollständig verstehen, bevor sie die Behandlung in Betracht ziehen», mahnte Woodcock.

Mit ihrer Entscheidung für die Zulassung folgte die FDA der Empfehlung eines Expertengremiums von Anfang Juni. Flibanserin wirkt über das Hirn der Frauen und soll den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin absenken. Im Gegenzug hebt das Medikament, bei dem es sich ursprünglich um ein Antidepressivum handelte, die Konzentration des Glückshormons Dopamin und des anregenden Hormons Noradrenalin im Blut an. Beide können die weibliche Libido steigern.

4,4 Mal monatlich befriedigenden Sex

Laut FDA-Unterlagen hatten Frauen, die Flibanserin einnahmen, im Schnitt 4,4 Mal im Monat befriedigenden Sex. Bei der Vergleichsgruppe, die Placebos bekam, waren es 3,7 Mal, vor der Behandlung waren es nur 2,7 Mal im Monat.

Flibanserin war vom deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim entwickelt worden, der das Patent nach der ersten gescheiterten Zulassung an die US-Firma Sprout Pharmaceuticals verkaufte. Das Unternehmen hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie beim Potenzmittel Viagra für Männer, das 1998 zugelassen wurde und sich zu einem Kassenschlager entwickelte.

Erhöhtes Brustkrebsrisiko?

Einige Experten äussern sich skeptisch über die Wirksamkeit des Mittels. Zudem warnen sie vor Nebenwirkungen wie Müdigkeit, niedrigem Blutdruck und Schwindelanfällen. Auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko wird befürchtet. Eine von zwei Studien an Labortieren mit Flibanserin deutete darauf hin.

Medizinischen Studien zufolge klagen mindestens 40 Prozent der Frauen über mangelnde sexuelle Lust. Pharmahersteller weltweit haben diesen Markt daher schon seit Jahren im Blick, bislang ist aber noch keine Lustpille für Frauen erhältlich.