Vorsicht Steinschlag: Die Hitze macht das Bergwandern gefährlich

In den Schweizer Alpen herrscht Hochbetrieb. Wegen der Hitze im Tal gehen die Leute scharenweise zum Wandern in die Berge. Doch Experten warnen: Die hohen Temperaturen bringen vielerorts die Hänge ins Rutschen. Die Gefahr von Felsstürzen und Steinschlägen ist stark gestiegen.

Ein Gletscher Gebiet vom Titlis schmilzt an der Sonne.

Bildlegende: Wenn das Eis schmilzt, kommt der Fels in Rutschen – Gletscher im Titlis-Gebiet. Keystone

Das schöne Wetter in den Bergen ist verführerisch. Doch aufgepasst: Es locken nicht nur Sonnenschein und ein spektakuläres Panorama bei angenehmen Temperaturen. Es lauern auch zusätzliche Gefahren: Der Schweizer Alpen-Club SAC warnt vor erhöhter Felssturz- und Steinschlag-Gefahr.

Felssturz oberhalb Randa im Mattertal im Kanton Wallis im Juli 2009.

Bildlegende: Felsstürze wie dieser im Kanton Wallis passieren häufiger wegen der Hitze. Keystone

«Ein paar Hitzetage wären kein Problem», sagt Experte Ueli Mosimann vom SAC. «Doch wenn die Nullgradgrenze nur selten unter 4000 Meter sinkt – wie jetzt – dann hat das Konsequenzen.» Eis und Firn schmelzen in der gleissenden Sonne. Dadurch lockert sich das Gestein. Geröll und ganze Felspartien geraten ins Rutschen.

Wie im Hitzesommer 2003

Der Fachverantwortliche für Sicherheit beim SAC fühlt sich erinnert an den Hitzesommer vor zwölf Jahren: Damals nahmen die Bergunfälle schon einmal deutlich zu. «Wir müssen leider damit rechnen», warnt Mosimann, «dass sich auch dieses Jahr die Unfälle häufen».

Letzte Woche kam ein Genfer Ehepaar beim Bergsteigen im Wallis in einem Steinschlag ums Leben. Die Walliser Kantonspolizei warnte prompt: Es könne vermehrt solche Unfälle geben wegen der Hitze.

Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos sammelt systematisch alle Meldungen über Felsstürze in den Schweizer Alpen – zu Forschungszwecken. Und tatsächlich: Es gebe diesen Sommer ausserordentlich viele Meldungen über Felsstürze, bestätigt das SLF auf Anfrage.

Auch über die Unglücksfälle am Berg wird systematisch Buch geführt. Im Auftrag des Bundes veröffentlich der SAC jährlich eine Bergnotfallstatistik.

Wie am Ende des Jahres die Statistik für den Hitzesommer 2015 ausfallen wird, kann SAC-Experte Mosimann noch nicht sagen. Aber der Trend ist klar: «Wetterbedingt sind mehr Leute unterwegs in den Bergen, nur schon deshalb dürfte es auch mehr Unfälle geben.»

Tipps für die Sicherheit

Allerdings: Mit ein paar Vorsichtsmassnahmen können Bergbegeisterte den Gefahren auf den meisten Routen relativ einfach aus dem Weg gehen. Ueli Mosimann vom SAC hat ein paar Tipps, die Alpen-Fans vor bösen Überraschungen am Berg bewahren können:

  • Gut planen: Vor der Wanderung den Touren-Beschrieben lesen, um die Risiken zu kennen. Ausserdem: den Wetterbericht genau studieren.
  • Lokale Gefahrenlage klären: Den Hüttenwart anrufen, oder die lokale Tourismus-Organisation fragen. Sie wissen Bescheid, ob eine bestimmte Wanderung gefährlich werden könnte und wo die sicherste Route durchgeht.
  • Rechtzeitig losgehen: Früh aufbrechen, wenn es noch kühl ist, lohnt sich. Morgens ist die Gefahr von Steinschlag tendenziell geringer. Ausserdem wird man weniger erschöpft von der Hitze.
  • Unterwegs aufpassen: Zustiege bei Felsrinnen meiden und zügig weitergehen. Derzeit sind Touren über Grate sicherer als solche durch Bergflanken.

Auf der Website alpinesicherheit.ch gibt es weitere Ratschläge und Informationen. Sie werden vom SAC und der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu regelmässig aktualisiert.

Wer sich an die Vorsichtsmassnahmen hält, muss auf das Bergvergnügen nicht verzichten. SAC-Experte Mosimann geht nicht soweit, von gewissen Bergwanderzielen ganz abzuraten.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Erhöhtes Risiko für Wanderer

    Aus Tagesschau vom 9.8.2015

    Mit der grossen Hitze treibt es die Menschen in die Berge. Die Hitze lässt aber auch die Gletscher schmelzen. Beides führt zu mehr Bergunfällen.