Vulkanausbruch Tambora: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Im April 1815 brach der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa aus – bis heute eine beispiellose Naturkatastrophe mit Zehntausenden Toten. Die Folgen der Aschewolke waren verheerend: Im entfernten Europa brach die letzte grosse Hungersnot aus. Besonders betroffen: Die Schweiz.

Ausströmende Lava

Bildlegende: Der Tambora schleuderte 1815 so viel Asche in die Atmosphäre, dass ein Jahr später in Europa der Sommer ausfiel. Keystone/Symbolbild

Vor 200 Jahren brach der indonesische Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa aus. Das Ausmass war verheerend, die Folgen weltweit zu spüren. Besonders hart traf es auch die Schweiz.

Was geschah?

Am 10. April 1815 explodierte der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Rund 12'000 Menschen starben unmittelbar in der Glutwolke, über 80'000 in ganz Indonesien an den Folgen des Ausbruchs. Die Eruption forderte jedoch auch in anderen Teilen der Welt Zehntausende Opfer. Eine genaue Zahl liegt nicht vor.

Wie gewaltig war die Explosion?

Der Ausbruch erreichte die Stärke 7 auf dem neunstufigen Index der Vulkanexplosivität (VEI). Bei der Explosion wurde die Energie von 50‘000 Hiroshima-Bomben freigesetzt. Die finalen Detonationen waren noch in mehr als 2600 km Entfernung zu hören. Rund 150 Kubikkilometer Staub, Asche und Geröll wurden 50 bis 70 Kilometer hoch geschleudert. Vom einst 4300 Meter hohen Vulkan Tambora wurden mehr als 1400 Meter weggerissen.

Wie wurde das Klima beeinflusst?

Die Aschesäulen verdunkelten über Indonesien für mehrere Tage den Himmel. Die Vulkanasche wurde im Laufe der folgenden Monate von den Windströmen über den Globus verteilt. Die riesigen Mengen an Schwebeteilchen und Gase, welche in die Atmosphäre gelangten, kühlten das Klima ab.

Welches waren die weltweiten Folgen?

Im Jahr nach dem Vulkanausbruch macht sich die Katastrophe von der anderen Seite der Welt dann auch in den USA und Europa dramatisch bemerkbar. Das Jahr 1816 ging als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte ein, es herrschten chaotische Wetterverhältnisse. Von April bis September gingen Regen-, Graupel- und Schneeschauer nieder. Der Sommer war mehrere Grad Celsius kühler als normal. Verschiedene Pflanzen nahmen die Giftstoffe aus der Vulkanasche auf – Kühe, die sie frassen, verendeten qualvoll. Den Menschen gingen aufgrund von Ernteausfällen die Nahrungsmittel aus.

Warum kam es in der Schweiz zur Hungersnot?

Die Temperaturen in den Sommermonaten lagen in der Schweiz 2,3 bis 4,6 Grad unter dem langjährigen Mittel, wie die Universität Bern schreibt. Christian Pfister, ehemaliger Professor für Klima- und Umweltgeschichte der Universität Bern, hält fest: In der Schweiz regnete es 1816 praktisch kontinuierlich von Mai bis September, in den Sommermonaten fiel gar Schnee bis auf 700 Meter. Vor allem die Nordostschweiz wurde sehr hart von der Hungersnot getroffen, die Getreidepreise stiegen um das 6-fache. Jeder Kanton schaute für sich. «Sie sperrten einander das Getreide», so Pfister. Viele Menschen assen aus Verzweiflung Gras. Es gab zudem eine Übersterblichkeit und massive Geburtenausfälle, weil die Fruchtbarkeit der Frauen vorübergehend aussetzte.

Wären die Folgen heute die gleichen?

Pfister glaubt nicht, dass die Schweiz heute gleichermassen betroffen wäre: «Wir haben heute ein ganz anderes Lebensniveau, wir haben ein hohes Einkommen.» Ein Ausbruch eines grossen tropischen Vulkans könnte zwar vorübergehend zu einem Anstieg der globalen Nahrungsmittelpreise führen. Wir müssten vielleicht temporär etwas mehr bezahlen für das Brot. Doch die Menschen in ärmeren Ländern könnten sehr stark betroffen sein – vor allem jene, die von Getreideimporten abhängig sind.

Wann ist das Klima bedroht?

Der Grossteil der ausgestossenen Asche ist nur kurzfristig und lokal klimawirksam. Innert weniger Tage sinken die Staubteilchen zu Boden und werden ausgewaschen. Gelangt das Material aber bis in die Stratosphäre, hat das Auswirkungen aufs Klima, da der Absinkprozess dort länger dauert als in der Troposphäre – nämlich zwischen 1-3 Jahren.