Zum Inhalt springen

Panorama Warum der Fischotter schon bald unsere Städte bevölkern könnte

Vor 25 Jahren verschwand der Fischotter aus den hiesigen Gewässern. Fachleute prognostizierten damals, der ans Wasser angepasste Marder komme nie mehr wieder. Doch sie lagen falsch: Im Kanton Genf wurde der Fischotter gleich mehrmals gesichtet. Heute überlebt er sogar in Städten.

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus dem Tierreich. Während die roten Listen der bedrohten Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz immer länger werden, setzt der Fischotter jetzt einen Kontrapunkt. Er kommt zurück.

In die Fotofalle getapst

Fast unbemerkt, in der Nacht sei er unterwegs, sagt Fischotterexperte Hans Schmid von der Stiftung Pro Lutra. Und für die meisten Menschen dürfte er unsichtbar bleiben. «Sie leben als Einzelgänger und die Wahrscheinlichkeit, einen Fischotter zu sehen, ist sehr gering», so Schmid. Umso erfreulicher ist es für die Tierschützer, dass nun ein Fischotter im Kanton Genf mehrfach in eine Fotofalle an einem Fluss getappt ist.

Weniger erfreulich ist das für die Fischer. Denn ein Fischotter frisst etwa ein Kilo Fisch pro Tag. In Österreich, wo sich die Fischotter schon wieder ziemlich breit gemacht haben, wirft das hohe Wellen. «Fischmassaker», «Fressrausch», titeln die lokalen Medien. Hans Schmid will diese Probleme nicht verschweigen, sagt aber, es lasse sich bei den professionellen Fischteichen in Österreich auf einfache Arte verhindern, dass der Otter eindringe. Die Teiche würden mit speziellen Elektrogeräten geschützt, die die Fischotter vom Eindringen abhielten.

Vorerst überwiegt die Freude

Solche Probleme kennt die Schweiz noch nicht. Vorerst überwiegt die Freude über die Rückkehr. Eine Rückkehr, die fast so rätselhaft ist wie das Verschwinden, sagt die Biologin Irene Weinberger. Die Jagd, das Verschwinden der natürlichen Lebensräume und vor allem Umweltgifte haben den Otter einst wahrscheinlich vertrieben. Ganz genau wisse man es aber bis heute nicht. «Und warum er jetzt wiederkommt, ist ebenfalls ein kleines Mysterium», sagt die Biologin. Vermutlich hänge es vor allem damit zusammen, dass der Otter ein sehr flexibles Tier sei.

Flexibel ist er unter anderem im Besiedeln neuer Lebensräume. Die Biologin, die das Leben der österreichischen Otter genauer untersucht hat, spricht heute sogar von urbanen Ottern. «Wir haben Tiere in Städten und Dörfern gefunden», sagt Weinberger. «Und ich bin guten Mutes, dass das auch in der Schweiz gut kommt.»

Auch mitten in Städten wie Genf, Biel, Zürich oder Bern scheint es also durchaus möglich, dass sich längerfristig Otter niederlassen – ganz entgegen der pessimistischen Einschätzung, die die Forscher noch vor 25 Jahren vertraten.

(rism)

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Je mehr urbares Land von Menschen besiedelt (annektiert) wird, desto mehr müssen Wildtiere mit unserer Präsenz vorlieb nehmen. Wo gibt's denn heute noch grosse naturbelassene Wildnis? Wenige tun es aus freiem Willen und profitieren von unseren Hinterlassenschaften, sondern hängen eben auch von Vegetation und/oder karnivorem Nahrungsangebot ab, wenn sie als Art überleben wollen. Viele davon sind schon weg vom Fenster. Achtung Homo Sapiens Sapiens: wer anderen eine Grube gräbt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Armin Hug, Kreuzlingen
    @Gunnar: Im Gegensatz zu Wölfen und Bären hat der Mensch vom Otter wohl kaum etwas zu fürchten, sollte er ihn denn einmal in der freien Wildbahn antreffen. Dass er nur 1 kg Fisch pro Tag frisst, stellt m.E. kein grösseres Problem dar. Im Vergleich dazu dürften die sich enorm ausbreitenden Kormorane ein viel grösseres Problem für den Fischbestand darstellen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rolf Michel, 1723 Marly
      Aber Herr Hug - Sie vergessen die hohe PCB Konzentration in unseren Gewässern - bald sieht der Fischotter - bedingt durch Veränderung des Erbgutes - wie ein Dinosaurier aus!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass die Fischer angesichts der zu erwartenden Ankunft der Otter bereits Widerstand angekündigt haben... Ich fress einen Besen, wenn die Rückkehr der Otter in der Schweiz ohne Gemotze abgeht. Bereits will man auf Druck der Jäger ja den Wolfs- und Luchsschutz wieder lockern, der neue Bär im Bündnerland wird garantiert nicht lange leben und selbst die Biber sind für einige nur "Störfaktoren".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Wir werden Sie beim Wort nehmen, Herr Leinemann, von wegen Besen fressen. Dürfte aber für Sie ja kein Problem sein, der geht sicher mit einem Biss runter...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen