Kampf dem Food Waste Was Napoleon mit der Konservendose zu tun hat

Dem französischen Kaiser verdanken wir die Erfindung, die Lebensmittel seit mehr als 200 Jahren beliebig lange haltbar macht.

Konservendose von oben

Bildlegende: Konservendosen halten ihren Inhalt weit über das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum hinaus frisch. imago

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  • In der Schweiz geht gut ein Drittel der produzierten Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren. Weltweit sind es bis zu 50 Prozent.
  • Beschädigungen beim Transport und unsachgemässe Lagerung tragen erheblich zum Food Waste bei.
  • In Konservendosen sind Lebensmittel gut geschützt und besonders lange haltbar. Der Anstoss zu Ihrer Erfindung wurde vor 222 Jahren gegeben.

Food Waste ist der moderne Begriff für ein Problem, das die Menschheit seit jeher begleitet: Lebensmittel, die zu schnell verderben oder den Transport zum Konsumenten nicht überstehen.

In den weniger entwickelten Gebieten der Welt macht dies einen hohen Anteil der auf gut 50 Prozent geschätzten Nahrungsmittelverschwendung aus. Dass es bei uns erheblich weniger ist, verdanken wir unter anderem Napoleon Bonaparte und seinen militärischen Ambitionen.

Eingemacht wird bis heute

1795 schrieb der frischgebackene General der französischen Heimatarmee einen Wettbewerb aus: Dem Erfinder eines Verfahrens, das die Versorgung seiner Soldaten mit haltbaren Lebensmitteln sicherstellt, winkte eine Prämie von 12'000 Goldfranc.

Dosenöffner nach Robert Yeates.

Bildlegende: Der erste Dosenöffner wurde 1858 zum Patent angemeldet. Colourbox

Den Preis sicherte sich 1810 – rechtzeitig vor dem Russlandfeldzug der Grande Armée – der Pariser Zuckerbäcker und Erfinder Nicolas Appert. Sein Ansatz ist bis heute als «Einmachen» oder «Einwecken» bekannt: Lebensmittel werden in einem luftdicht verschlossenen Glasbehälter erhitzt und damit haltbar gemacht.

Für Lagerung und Transport im grossen Rahmen sind zerbrechliche Glasbehälter allerdings nur bedingt geeignet. Was den britischen Kaufmann Peter Durand auf die Idee brachte, Apperts Methode mit Blechkanistern umzusetzen – et voilà, die Konservendose war geboren.

Praktisch, aber lange problematisch

So gut das Haltbarkeitsverfahren an sich funktionierte: Nahrung aus Konservendosen hatte lange Zeit keinen besonders guten Ruf. Was weniger an der Konservierung der Lebensmittel lag, als vielmehr an der Fertigung der Dosen: Deren Deckel wurden mit Blei verlötet. Das war zwar praktisch in der Herstellung, bescherte den ahnungslosen Konsumenten aber öfters schwere, mitunter tödliche Bleivergiftungen.

Heutige Konservendosen werden rein mechanisch verschlossen und haben eine Innenschicht aus Kunststoff, die jeglichen Kontakt der Essware mit dem Metall verhindert. Um Vergiftungen braucht man sich also keine Sorgen mehr zu machen – ausser, die Dose ist aufgebläht. Das ist ein typisches Zeichen für einen verdorbenen Inhalt; so eine Büchse gehört ungeöffnet entsorgt.

Convenience verkauft sich schlecht in Büchsen

Die Lebensmittelproduzenten stehen vor grossen Herausforderungen: Convenience-Produkte sind gefragt. Vorverarbeitete Nahrungsmittel und Fertigmahlzeiten, die zum baldigen Verzehr gedacht sind und sich auch aus optischen Gründen nicht eindosen lassen. Bewährt haben sich dabei Schutzgas, Pasteurisieren oder Gefriertrocknen. Geforscht wird derzeit an Druckwechselverfahren, kaltem Plasma oder keimtötenden Verpackungen.

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