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Weltgesundheitsorganisation Kinder werden immer dicker

Vor 40 Jahren war eines von 100 Kindern fettleibig. Heute sind es sieben. Doch in der Schweiz ist der Trend rückläufig.

Legende: Video Über 120 Millionen fettleibige Kinder abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.10.2017.
  • Fettleibigkeit bei Kindern hat in den letzten 40 Jahren weltweit zugenommen. Über 120 Millionen Kinder sind von Fettleibigkeit betroffen, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO mitteilt.
  • Vor 40 Jahren galt eines von 100 Kindern als fettleibig. Letztes Jahr waren weltweit sechs Prozent der Mädchen und acht Prozent der Knaben fettleibig.
  • In Ländern mit hohen Einkommen verharren die Zahlen auf hohem Niveau. Alarmierend sei der Anstieg in ärmeren Ländern und in solchen mit mittleren Einkommen wie China oder Indien, so die WHO.

Einschätzung von Wissenschaftsredaktorin Katharina Bochsler

Zucker und zu wenig Bewegung sind schuld am zunehmenden Gewicht von Kindern. Sie snacken heute häufiger, auch weil sie sehr empfänglich sind für die Werbung für süsse, salzige und fetthaltige Zwischenmahlzeiten. Andererseits sind gesunde Lebensmittel meist auch teurer. Das ist einer der Gründe, weshalb gerade in Ländern mit tiefen und mittleren Einkommen die Zahlen deutlich angestiegen sind.
In der Schweiz spielen auch die Herkunft der Kinder und der Bildungsstand der Eltern eine Rolle. Laut dem jüngsten Monitoring der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz sind Kinder in der Stadt im Schnitt schwerer als jene auf dem Land. Kinder mit einem ausländischen Pass haben zudem ein deutlich höheres Risiko, übergewichtig zu werden.
Der Hauptgrund für Übergewicht und Adipositas bei Kindern ist allerdings der Bildungsgrad der Eltern. Jedes dritte Kind mit Eltern ohne nachobligatorische Schuldbildung ist übergewichtig. Bei Kindern von Eltern mit Lehrabschluss ist es noch jedes Fünfte. Und nur mehr jedes Zehnte ist übergewichtig, wenn es Eltern mit Hochschulabschluss hat.
Allerdings ist der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder in der Schweiz seit 2010 deutlich gesunken: Im Grundschulalter von 16 auf 11 Prozent und auf der Mittelstufe von 19 auf 17 Prozent. Das könnte darauf hinweisen, dass Bewegungs- und Ernährungsprogramme in den Kindergärten und Tagesstätten allmählich Wirkung entfalten. Dafür spricht, dass die Zahlen auf der Oberstufe noch nicht zurückgegangen sind.

Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel und weniger Bewegung haben laut WHO zu diesem Anstieg beigetragen. Dramatisch sei die Situation in den USA mit 23,3 Prozent adipöser Knaben und 19,5 Prozent stark übergewichtiger Mädchen.

Stillen beugt Fettleibigkeit vor

Die WHO empfiehlt: Behörden in aller Welt müssten Familien über gesunde Ernährung aufklären, junge Mütter animieren, mindestens sechs Monate lang ausschliesslich zu stillen, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen.

Für die WHO-Studie haben die Autoren Gewicht und Grösse von fast 130 Millionen Menschen analysiert, darunter 31,5 Millionen zwischen fünf und 19 Jahren.

In der Gesamtbevölkerung hat sich die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit nach früheren WHO-Studien zwischen 1980 und 2014 mehr als verdoppelt.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Hier fressen sie sich voll, in anderen Teilen der Welt wird verhungert.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    das suchtpotential und die gesundheitliche schädigung verursacht durch softgetränke, würde ich sogar über das der zigaretten stellen. dabei wären hier die massnahmen einfacher. wasser sollte getränk nummer eins sein. wasser ist eines der höchsten allgemeingüter, die wir haben. wie jedes suchmittel verlangt diese ’leere’ süsse von solchen getränken nach mehr. der zuckerstoffwechsel ist zentral. diabetes ist eigentlich als epidemie zu bezeichnen. es gilt auch hier: cherchez l’argent.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Der Mensch ist, was er isst. Dass das üble Fressen also der Spiegel unserer heruntergekommenen und teilnahmslosen, aber digitalgeilen Gesellschaft sein könnte, passt ins Bild. Noch Chips?
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