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Weltweites Bienensterben Hoffnung für die Bienen und implizit für die Menschen

Legende: Audio Möglicher Durchbruch im Kampf gegen die Varroa-Milbe abspielen. Laufzeit 2:58 Minuten.
2:58 min, aus Rendez-vous vom 18.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Sterben von Bienenvölkern hat in den letzten Jahren weltweit bedrohliche Ausmasse angenommen.
  • Die Varroa-Milbe ist einer der Faktoren, der Bienenvölker sterben lässt.
  • Nun berichten deutsche Forscher, sie hätten in Zusammenarbeit mit einem Schweizer Forscher ein Mittel gegen die Milbe gefunden.

Lithiumchlorid ist der Stoff, das der Varrao-Milbe den Garaus machen könnte, wie eine Forschergruppe der Universität Hohenheim, Link öffnet in einem neuen Fenster in Deutschland herausgefunden hat.

«Es ist ein ganz einfaches Salz, das zufällig gefunden wurde», erklärt Vincent Dietemann. Er ist Bienenforscher an der Schweizer Institut Agroscope und beschäftigt sich intensiv mit den entsprechenden in- und ausländischen Untersuchungen.

Ein Milbenkiller im Zucker

Die Forscher aus Hohenheim arbeiteten eigentlich an der Entwicklung eines aufwändigen genetischen Verfahrens gegen den Bienenschädling. Dabei entdeckten sie per Zufall, dass eine ihrer einfachen Hilfschemikalien den Varroa-Milben zusetzt, nicht aber den Bienen selber. Die Forscherinnen und Forscher vermischten daraufhin das Lithiumchlorid mit Zucker und verfütterten es an die Bienen. Das Resultat war beeindruckend.

Für die Bienen ist es offensichtlich nicht schädlich. Aber es tötet 90 Prozent der Milben.
Autor: Vincent DietemannBienenforscher am Agroscope

«Für die Bienen ist es offensichtlich nicht schädlich. Aber es tötet 90 Prozent der Milben», so der Bienenforscher Vincent Dietemann. Als nächstes nun müssen die Forscherinnen und Forscher prüfen, ob auch die jüngeren, empfindlicheren Bienen das Lithiumchlorid gut vertragen und ob keine Reste davon später im Honig gefunden werden.

Lithium wird auch als Medikament für Menschen eingesetzt, etwa bei bipolaren Störungen. Rückstände davon dürfen darum auf keinen Fall in Lebensmitteln gefunden werden.

Grösstes Problem der Schweizer Bienen

Grosse Hoffnungen in das jüngst entdeckte Mittel gegen die Varroa-Milbe setzt auch Anja Ebnener vom Beratungszentrum für Schweizer Imkerinnen und Imker. Denn: «Die Varroa-Bekämpfung ist für die Imker eine prioritäre Aufgabe. Die Milbe stellt immer noch das grösste Gesundheitsproblem der Schweizer Bienenvölker dar.»

Es gibt heute bereits Mittel, um den Befall der Bienenvölker mit der Varroa-Milbe zumindest unter Kontrolle zu halten. Doch sie sind aufwändig und empfindlich in der Anwendung, und oft auch nicht so wirksam wie erhofft.

Die Milbe stellt immer noch das grösste Gesundheitsproblem der Schweizer Bienenvölker dar.
Autor: Anja EbenerBeratungszentrum für Imkerinnen und Imker

Erweist sich das jüngste Mittel gegen den Bienenschädling tatsächlich als wirksam und gut verträglich, dann hätten die Bienen mehr Kraft übrig, um andere Widrigkeiten zu überstehen: den Klimawandel, Pestizide aus der Landwirtschaft, Nahrungsmangel und Krankheiten.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Wildhaber (Sueno)
    Grad zu Beginn klargestellt: Ich liebe Honig und bin kein Bienenforscher. Aber als Laie denke ich, wenn man den Bienen ihre Hauptnahrung entzieht und dafür Zuckerwasser füttert, muss man sich nicht wundern, dass das Tier geschwächt ist. Schließlich empfehlen wir auch nicht, unseren Kindern das dunkle Mineralwassergetränk als Ersatz für gesundes Essen zu geben... Vielleicht wäre es dran, mal ein Brachjahr für die Bienen einzuschalten? Was meinen die Spezialisten zu meinen Gedanken?
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    1. Antwort von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
      Ein gut klingende Idee, nur, im Mai haben Sie sowieso eine zu hundertprozent neue Volkspopulation im Stock, ausser der Königin. Grundsätzlich ist es schon völlig richtig den Bienen nicht allen Honig zu nehmen, Honig ist auch für Bienen mehr als ‚nur‘ Brennstoff für den Winter. Deshalb bemüht sich der Imker ja in allen Bereichen, ein starkes, vitales, gut genährtes Volk zu erhalten um so im So. Honig im Überschuss zu erreichen. Der Ertrag steigt stark überproportional zur Volksstärke.
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    2. Antwort von Christoph Heierli (help)
      Geschätzter Herr Wildhaber, ich betreue seit bald 20 Jahren 50-60 Bienenvölker. Sie sind zu wenig informiert. Vom Monat April bis zum Monat August verzehren die Bienen ihren frisch verarbeiteten Honig. Bei der Entnahme des Honigs Juni/Juli, belasse ich mindestens 30% des Honigs als Futtervorrat. Die Zuckerfütterung mit 1.Kl.Zucker wird vor allem ende des Winters verbraucht. Die Ernte Honig pro Volk beträgt durchschnittlich 20 Kg. Winterzucker ca. 8-12 Kg.
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  • Kommentar von D Thürig (Dachs)
    Übrigens auch Lithiumchlorid währe dann ein Pestizid und mit der neuen Initiative verboten.
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    1. Antwort von Ralph Gilg (CherryOh)
      Endlich jemand, der die Zusammenhänge begreift! Schappooo!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Kurzfristig braucht es solche Mittel. Doch langfristig geht es nicht darum weiter zu wursteln wie bisher. Es geht darum Pestizide aus der Landwirtschaft zu eliminieren. Das geht wie ausführlich und wiederholtem Masse beweisen NICHT, indem die Artenvielfalt zu Gunsten von traurigen Monokulturen aufgegeben wird. Die Landwirtschaft zur Filiale der Industrie und alle nichtmenschlichen Wesen wie Pflanzen und Tiere zu Commodities degradiert werden, damit ein paar Konzerne ihren Profit machen können.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Wie Recht Sie haben Frau Kunz - hier ein Pflästerlie dort ein Pflaster - es sterben die Insekten aller Art nicht nur die Bienen - das Glyphosat wird weiter bis zum 5000 fachen bisherigen Wert in den Bächen und Umwelt erlaubt . Das nennen die Herren dann noch Bioanbau ! Nicht die Erderwärmung ( die meiner Meinung immer schon eine Ursache in der Sonne hatte ) ist unsere Gefahr -nein die Vergiftung unserer Nahrungsgrundlagen durch die nicht abbaubaren Gifte in der Landwirtschaft und Chemie.
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