Wenn in Grönland die Gletscher schmelzen

Gestrandete Expeditionsteilnehmer, verschwundenes Forschungsmaterial, Gefahr durch hungrige Eisbären: Die schweizerisch-japanische Expedition zum Bowdoin-Gletscher in Grönland war vom ersten Tag an ein Abenteuer. «10vor10» hat die Arbeit einer Forschergruppe mit der Kamera begleitet.

Zehn Forscher der ETH Zürich und der Hokkaido Universität in Sapporo, Japan, hatten einige Schwierigkeiten zu meistern, um ihr Forschungsprojekt am Bowdoin-Gletscher auf Grönland abschliessen zu können.

Ein roter Bell-Helikopter auf felsigem Grund. Im Hintergrund die Eisfläche des Bowdoin-Gletschers.

Bildlegende: Forscher untersuchen, wie stark sich der Meeresspiegel bei der Schmelze der arktischen Gletscher verändert. SRF / Fritz Muri

Der riesige Gletscher im Nordwesten Grönlands ist drei Kilometer breit. Sein Eis türmt sich bis zu 400 Meter hoch. Am Rand des Gletschers richteten sich die Forscher in einem einfachen Zeltlager ein.

Das gesamte Material musste mit einem Helikopter vom Inuit-Dorf Qaanaaq aus nach Norden transportiert werden. Die Wissenschaftler waren zwei Wochen lang völlig von der Zivilisation abgeschnitten.

Wie hoch steigt der Meeresspiegel?

Schon vor einem Jahr hatten die Glaziologen an der Gletscherfront mehre automatische Kameras installiert und in 300 Meter tiefen Bohrlöchern Sonden versenkt. Ihr Forschungsziel ist es, das Abschmelzen des Polareises zu dokumentieren.

«Ein Schmelzen des grönländischen Eispanzers hätte ein Ansteigen des Meeresspiegels um sechs Meter zur Folge. Würde auch das gesamte Eis in der Antarktis schmelzen, würde sich der Meeresspiegel um weitere 70 Meter erhöhen», rechnet ETH-Professor Martin Funk vor. Der Bowdoin-Gletscher verliert jedes Jahr sechs Meter an Höhe.

Vermessen des Gletscherschwunds

Die vor einem Jahr installierten Kameras und Sonden haben auch im arktischen Winter einwandfrei funktioniert und wertvolle Erkenntnisse geliefert. Zusätzlich wurden auf dem Gletscher seismische Messgeräte installiert. Die Forscher interessieren sich vor allem für die abbrechenden Eisberge an der Gletscherfront im Meer. Dieser Prozess hat sich in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt und trägt in grossem Masse zum Gletscherschwund bei.

«10vor10» hat die abenteuerliche Expedition in einer fünfteiligen Serie dokumentiert. Fritz Muri hat die Forscher während zwei Wochen mit der Kamera begleitet.

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