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Zhong Zhong und Hua Hua «Beim Klonen kann vieles schiefgehen»

Legende: Video Javaneraffenbabys Zhong Zhong und Hua Hua abspielen. Laufzeit 0:46 Minuten.
Vom 24.01.2018.

Zum ersten Mal soll es Forschern in Schanghai gelungen sein, von einem Javaneraffen beliebig viele identische Kopien bzw. Klone zu machen. Das wirft Fragen auf. Einschätzungen von SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler.

SRF News: Man kennt das Klonen bereits vom Schaf Dolly. Auch Rhesusaffen wurden schon geklont. Was ist neu an dieser Studie?

Thomas Häusler: Der geklonte Rhesusaffe entstand durch ein recht simples Rezept. Dieses erlaubt aber nur maximal vier identische Tiere. In dieser neuen Studie mit den Javaneraffen haben die Forscher eine viel kompliziertere Methode verwendet. Und diese erlaubt es theoretisch, beliebig viele identische Tiere zu erzeugen – so identisch, wie es eineiige Zwillinge sind.

Wie funktioniert diese Art des Klonens?

Die Forscher entnehmen zuerst einem weiblichen Tier eine Eizelle. Daraus entfernen sie den Zellkern und damit das Erbgut. Zurück bleibt eine entkernte Eizelle, die ist wie eine Schale. Und in diese können sie einen neuen Zellkern einsetzen. Den haben sie jenem Tier entnommen, das sie klonen wollen. Zusammen ergibt das wieder eine vollständige Eizelle, die man einer Leihaffenmutter einsetzt. Die trägt den Klon dann normal aus.

Das Äffchen Hua Hua.
Legende: Hua Hua QIANG SUN, MU-MING POO | CHINESE ACADEMY OF SCIENCES
Dieser Vorgang ist nicht sehr effizient. Trotz mehr als 100 Versuchen haben die Forscher nur zwei Affenbabys bekommen.

Es ist also ein sehr aufwändiges Verfahren?

In der Tat. Meine Beschreibung ist sehr vereinfacht. Damit es klappt, müssen die geklonten Embryos zum Beispiel auch mit verschiedenen Wirkstoffen behandelt werden. Es gibt eine ganze Reihe von weiteren Schwierigkeiten und Schritten. Darum ist dieser Vorgang momentan nicht sehr effizient. Trotz mehr als 100 Versuchen haben die Forscher nur zwei Affenbabys bekommen.

Wieso klont man Affen? Was verspricht sich die Wissenschaft davon?

Manche Forscher hoffen, dass sie einige Krankheiten besser untersuchen können, zum Beispiel Parkinson oder Alzheimer. Bei diesen Krankheiten kennt man einige Gene, die eine Rolle spielen. Wenn man nun Affen mit passenden Genen ausstattet, so erkranken sie an diesen oder ähnlichen Leiden und man kann sie besser studieren. Wenn man dies an geklonten, also komplett identischen Tieren tut, hat das für manche Studie Vorteile. Die Aussagekraft dieser Studien kann besser sein. Manche Forscher hoffen sogar, dass dadurch auch weniger Tierversuche nötig wären. Aber sicher ist das nicht.

Die Versuche wurden schon kritisiert. Wie lauten die Bedenken?

Dass die Versuche an diesen Affen zu früh gemacht wurden. Es gebe noch viele offene Fragen zum Klonen von Affen, und die könne man zuerst an weniger hoch entwickelten Tieren untersuchen – an Mäusen zum Beispiel. Affen selbst sollten nur für Versuche eingesetzt werden, wenn es unbedingt nötig ist und man schon weiter sei, sagen Kritiker. Man kann derzeit auch noch nicht sagen, wie gut die Versuche mit den Javaneraffen tatsächlich funktioniert haben. Die beiden Tiere sind knapp zwei Monate alt, und man weiss von anderen geklonten Säugetieren, dass Schäden auch noch später auftreten können.

Wären solche Versuche in der Schweiz erlaubt?

Grundsätzlich ja. Allerdings wären die Hürden sehr hoch. Ein Ethikkomitee muss die Experimente bewilligen. Und dieses würde sehr genau hinschauen, gerade weil die Effizienz beim Klonen von Affen noch so gering ist. In machen Kantonen könnte eine Bewilligung auch vor Gericht angefochten werden. Und das ist in der Vergangenheit bei Versuchen mit Affen bereits mehrfach passiert.

Äffchen Zhong Zhong
Legende: Zhong Zhong QIANG SUN, MU-MING POO | CHINESE ACADEMY OF SCIENCES

Ist das Klonen von Menschen der nächste Schritt?

Nein. Diese Versuche vermehren zwar das Wissen ums Klonen. Sie haben technische Fortschritte gebracht. Wenn man nun Menschen klonen wollte, gäbe es noch viele Hürden. Vieles könnte schiefgehen. Ganz zu schweigen von den riesigen ethischen Fragen, die sich stellen würden. Es wäre absolut unverantwortlich, es zu probieren, und zudem in den meisten Ländern auch illegal.

Man kann es nicht vollständig ausschliessen, aber es ist schon eher ein Plot für einen James-Bond-Film.

Wie gross ist die Gefahr, dass es trotzdem irgendwann gemacht wird?

Es gab vor einigen Jahren Forscher, die ankündigten, Menschen klonen zu wollen. Bisher gibt es keine Hinweise, dass sie ihre Drohung wahr gemacht haben. Man kann es nicht vollständig ausschliessen, aber es ist schon eher ein Plot für einen James-Bond-Film.

Thomas Häusler

Porträt Thomas Häusler.

Seit 2013 leitet Thomas Häusler die Redaktion Wissenschaft von SRF, zu der er bereits 2007 stiess. Zuvor war er Ressortleiter Wissenschaft beim damaligen Magazin «Facts».

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Wenn diese Forschung gleich zuverlässige Resultate wie die Digitalisierung der Telefonie und Datenübertragung bringt:lasst es bitte sein.Das geht gewaltig in die Hosen. Bei Goethe wars der Spruch "Besen,Besen seis gewesen...".Wie lautet der analoge Spruch bei dieser Forschung?
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  • Kommentar von Eduard Renfer (Eduard Renfer)
    Ohne Grundlagenforschung -und dazu gehören auch diese Experimente- wäre die Menschheit noch in den Höhlen, würde noch nicht mal Feuer benutzen. Auch wenn sich der Sinn für den Laien nicht unbedingt auf den ersten Blick erschliesst, ist solche Forschung wichtig und richtig. Natürlich muss eine Ethikdiskussion geführt werden, das wird in der CH z. B. von einer Kommission abgedeckt, wo praktisch jede Maus genehmigt werden muss.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Offensichtlich auch bei der Entwicklung von eben solch skrupellosen "Forschenden"....
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