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Zug nach dem Crypto-Crash Eiszeit für Startups?

Viele virtuelle Währungen haben an Wert verloren.Wie geht es weiter mit den Startups im Zuger Crypto-Valley?

Zugersee im Winter
Legende: Wahlheimat Zug: Viele Startups aus der ganzen Welt haben sich hier niedergelassen. Keystone

Der Aufstieg der Kryptowährungen war rasant: In vier Jahren hat das bekannteste virtuelle Zahlungsmittel Bitcoin seinen Wert um das 25fache gesteigert.

Parallel dazu sind Startups, die mit den neuen Kryptowährungen oder der Blockchain arbeiten, wie Pilze aus dem Boden geschossen. Viele der bekanntesten Unternehmen haben sich in Zug und Umgebung niedergelassen, die Ethereum Stiftung zum Beispiel. Sie ist die zweitgrösste Kryptowährung hinter dem Bitcoin. Dieser Boom hat der Region Zug den Übernamen «Crypto Valley» eingetragen.

Die Schweiz fürchtet das Risiko

Finanziert haben sich viele dieser Startups über ein sogenanntes Initial Coin Offering (ICO), eine Art digitaler Aktienverkauf, bezahlt in einer Kryptowährung. Von irgendwo auf der Welt kann jeder Interessierte sich beteiligen, indem er über die Blockchain Geld an ein Startup überweist – schnell und unbürokratisch. Auch Beteiligungen mit kleinen Beträgen sind möglich.

Diese neue Form der Bereitstellung von Risikokapital habe die Bedingungen für Schweizer Startups verändert, sagt Oliver Bussmann, Präsident der Crypto Valley Association in Zug: «Die Schweiz war immer sehr innovativ und hat gute Universitäten, aber die Anzahl der Firmen, die Risikokapital zur Verfügung stellen, ist sehr limitiert.»

Das hat in den letzten vier Jahren zu einem regelrechten Boom in der Region Zug geführt. Ein ganzes Ökosystem ist entstanden, in dem Spezialisten eng zusammenarbeiten, Software Entwicklerinnen mit Anwälten, Buchhalter mit Unternehmerinnen. Oliver Bussmann schätzt die Zahl der Unternehmen im Crypto Valley auf etwa 500. Der Begriff «Valley» ist dabei nicht mehr wörtlich zu verstehen, denn immer mehr Startups und Organisationen ausserhalb der Region Zug arbeiten mit im «Zuger Cluster» wie etwa die Uni Basel oder die EPFL in Lausanne.

Ist die Party im Valley vorbei?

Anfang Januar stürzten die Kryptobörsen regelrecht ab: Der Bitcoin verlor in den ersten Monaten zwei Drittel seines Wertes, bei anderen Währungen war der Verlust noch dramatischer. War der Startup-Boom in Zug und Umgebung also bloss ein Strohfeuer?

Im Gegenteil, meint Oliver Bussmann: «Im letzten Jahr flossen weltweit über ICOs 5,6 Milliarden Dollar in Startups. Diesen Betrag haben wir 2018 bereits im ersten Quartal erreicht». Für junge Firmen, die mit der Blockchain arbeiten, sei es immer noch einfach, an Geld zu kommen, sagt der Unternehmensberater, der sich mit einer eigenen Firma auf Blockchain-Technologien spezialisiert hat.

Noch steht die Blockchain am Anfang ihrer Entwicklung, denn Geld überweisen ist bloss eine von vielen möglichen Anwendungen. In Zug arbeitet beispielsweise ein traditionelles Schweizer Unternehmen am Strommeter der Zukunft zur Abrechnung von Solarstrom über die Blockchain.

Ein Déja-vu

Oliver Bussmann ist überzeugt, dass die Blockchain unsere Geschäftsbeziehungen grundlegend verändern wird, ähnlich wie die Einführung des Internets. Auch die Euphorie rund um die neue Technologie erinnert ihn an den Internet-Boom vor 25 Jahren: «Jeder ist begeistert, sieht unendliche Möglichkeiten. Dann kommt die Ernüchterung und die Nachhaltigkeit».

Auf lange Sicht sieht es für die meisten Startups nicht gut aus: «Wir wissen aus den Erfahrungen mit dem Internet-Boom, dass über 90 Prozent der Unternehmen nicht überleben werden».

Einhörner aus dem Krypto-Tal

Unabhängig von den sinkenden Kursen droht den meisten Startups der ewige Winter, nur ganz wenige schaffen den Durchbruch. Oliver Bussmann bleibt aber für die Schweiz optimistisch: «Wir werden Unternehmen sehen, die mehr als eine Milliarde wert sind, sogenannte Unicorns (Einhörner). Ich glaube, es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmen auch in der Schweiz hochkommen».

Damit das gelingt, müssen die Behörden am Ball bleiben. Die Region Zug erfülle viele der Voraussetzungen, die es für einen attraktiven Standort brauche, sagt Bernahrd Neidhart, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zugs.

Doch ein Problem plage die jungen Firmen, die Risikokapital über eine ICO aufgenommen haben: Sie können keine Konten bei Schweizer Banken eröffnen, zu gross ist die Angst vor illegalen Machenschaften wie Geldwäsche. Dieses Handycap müsse schnell beseitigt werden, sonst drohe die Abwanderung von Firmen. Der Schweiz könnte so ein wertvolles Einhorn verlorengehen.

Die grosse Start-up-Woche

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