Zum Inhalt springen

Panorama Zugbegleiter nach Faustschlag zu Unrecht entlassen

Mit einem Schlag endete 2011 für einen Zugbegleiter das 24jährige Arbeitsverhältnis mit der SBB – zu Unrecht, wie das Bundesverwaltungsgericht mitteilt. Eine blosse Verwarnung für die Rangelei mit einem renitenten Passagier hätte ausgereicht.

Der Zugbegleiter hatte 2011 zusammen mit einem Kollegen und einer Auszubildenden in einem Regionalzug bei Zofingen (AG) eine Fahrausweiskontrolle durchgeführt. Sie trafen einen Mann an, der sich seltsam verhielt und – obwohl offenbar Inhaber eines Generalabonnements – weigerte, sein Billet vorzuweisen.

Auf die mehrfache Wiederholung der Aufforderung reagierte der Passagier mit einem Tritt gegen das Schienbein des Zugbegleiters. Dieser antwortete mit einem Faustschlag ins Gesicht des Mannes.

Anschliessend hielt er ihn bis zum Eintreffen der Transportpolizei fest. Beide Männer mussten sich ärztlich behandeln lassen. Später stellte sich heraus, dass der Fahrgast an einer Behinderung leidet und damals unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand.

Für seine heftige Aktion wurde der Zugbegleiter von der SBB fristlos entlassen. Das Bundesverwaltungsgericht hat ihm nun Recht gegeben und die Kündigung für nichtig erklärt. Nach Ansicht der Richter in St. Gallen liegt weder für eine fristlose noch für eine ordentliche Entlassung ein ausreichender Grund vor.

Die SBB wird nun prüfen müssen, ob sich für den Betroffenen eine Funktion ohne direkten Kundenkontakt finden lässt.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von J-P Simon /Nietzscheaner, Bern
    Es ist peinlich und zutiefst beschämend, wie sich die Verantwortlichen hinter dem Schreibtisch verhielten. Eine Handlung in einer veritablen "Schreibtischtäter-Manier" einen unbescholtenen Mann nach 24 J. auf die Strasse zu setzen. Trotz Drohungen seitens des Fahrgastes, ist das 'Gesicht wahren' für die SBB' offenbar im Lohn mit inbegriffen. Unverständlich auch, dass die Vorgesetzten-Herren jetzt noch Gott spielen und den Mann von der Kundenarbeit disqualifizieren wollen, nach 24 J.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Holenstein, Cross'n'Star
    Ein gerechtes Urteil wäre es dann, wenn man den Kündigern künden würde... Aber an einem Schreibtisch im Elfenbeinturm sitzend, kriegt man eben keine Schläge von Kunden ans Schienbein...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    ein sehr gutes Gerichtsurteil. Der Zugebegleiter wurde (entsprechend obigen AUsführungen) als erster tätlich angegriffen und hat wahrscheinlich im Refelx reagiert .... ist ja auch nur ein Mensch. Das Verhalten seiner SBB-Vorgesetzten spricht nicht gerade für deren Führungsqualitäten, haben sie sich doch für den Ankläger entschieden, anstatt erst einmal das Urteil abzuwarten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen