Olympische Doppelvergabe Zwei auf einen Streich – Not oder Tugend?

Paris oder Los Angeles zuerst? Das ist die einzige Frage bei den Sommerspielen 2024 und 2028. Das IOC ist auf Abwegen.

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IOC mit neuem Vergaberhythmus

7:15 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.07.2017

  • Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschäftigt sich heute Nachmittag mit der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2024 und 2028.
  • Im Rennen sind nur noch Paris und Los Angeles. Keiner der Topkandidaten soll Verlierer sein, sondern gleich die übernächsten Spiele erhalten.
  • IOC-Präsident Thomas Bach hat den Wechsel zu einer solchen Doppelvergabe bereits in den höchsten Tönen gelobt.
  • Sportjournalist Jens Weinreich geht nicht davon aus, das Bach auf offenen Widerstand trifft. Doch hinter der Hand sei auch von «Wahnsinn» die Rede.

IOC-Präsident Thomas Bach sprach bei seiner Begründung der Doppelvergabe kürzlich von einer «goldenen Gelegenheit» und einer «Win-win-win-Situation». Er habe dabei wohl neben den starken Bewerbern Paris und Los Angeles gleich auch das IOC miteinbezogen, meint Sportjournalist Jens Weinreich gegenüber SRF News. Dass aber auch Geldprobleme von Ausrichtern das IOC in diese Lage gebracht hätten, sei offensichtlich.

«  Mit dem Begriff «win-win-win» hat Präsident Bach wohl auch gleich sein Komitee miteinbezogen. »

Jens Weinreich
Sportjournalist, Olympia-Experte

Weinreich erinnert fest, dass zuvor etliche Städte für die Sommerspiele abgesagt haben und dass bei Volksbefragungen bis zu sechs Interessenten rausgefallen sind. Das gleiche Bild zeigte sich bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022, wo ebenfalls etliche Kandidaten nach Volksbefragungen entfielen, darunter Graubünden. «In aufgeklärten Nationen wollen eben die Steuerzahler diese enormen Lasten nicht mehr zahlen», konstatiert Weinreich. Darüber spreche der IOC-Präsident natürlich weniger.

Hinter vorgehaltener Hand: «Wahnsinn»

Der Olympia-Experte stellt fest, dass die USA für 2024 zuerst mit Boston ins Rennen gegangen waren, doch auch dort war die Bevölkerung dagegen. Dann fand man mit Los Angeles einen Ort, wo es noch keine nennenswerte Gegenbewegung gegeben hat.

In Paris hatte man nach den Worten von Weinreich alles im Griff: Es gab keine Abstimmung, der neugewählte Präsident Emmanuel Macron war schon lange dafür, und auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo bekannte sich dann doch noch rechtzeitig zum Vorhaben.

Für die Abstimmung des IOC von heute Nachmittag sieht Weinreich keinen nennenswerten Widerstand gegen eine solche Doppelvergabe. IOC-Präsident Bach habe sein Komitee ziemlich auf Kurs. Hinter vorgehaltener Hand aber sprächen etliche IOC-Mitglieder von «Wahnsinn». Denn mit der Abkehr von bisherigen Vergaberhythmus beraube man sich vieler Möglichkeiten, Olympia immer im Gespräch zu halten, wie es Anfang der 1990er-Jahre angedacht war.

Auf Nummer sicher

Immerhin sei man sich aber einig, dass es wieder Sicherheit brauche, so Weinreich. Denn Fälle wie Rio de Janeiro mit Kosten von 15 Milliarden dürften nicht mehr passieren, wo gewisse Sportstätten bereits verrotteten. Aber auch die Gefahr, dass ein Ausrichter plötzlich zurückziehe, müsse gebannt werden: «Dann schon lieber diese Wahnsinns-Option mit sicheren Werten wie Paris und Los Angeles.»

Macron in Lausanne

Die Olympia-Kandidaten Paris und Los Angeles wollen die Olympischen Spiele 2024 ausrichten. Unterstützt wird die Bewerbung Frankreichs vom neuen Präsidenten Emmanuel Macron, der eigens in die Schweiz reiste. Er landete auf dem Militär-Flugplatz Payerne, traf sich mit der Waadtländer Regierung und nahm am Abend an einem Galadinner des IOC teil.