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Panorama Zweite Nachbarin belastet Pistorius

Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius hat auch eine zweite Zeugin den Angeklagten in Bedrängnis gebracht. Sie schilderte, in der Tatnacht einen Streit und später Schüsse gehört zu haben.

Oscar Pistorius (rechts) bespricht sich mit seinem Verteidiger Barry Roux (links).
Legende: Oscar Pistorius mit seinem Verteidiger Barry Roux (links): Roux nahm zwei Zeuginnen ins Kreuzverhör. Keystone

Eine weitere Nachbarin von Oscar Pistorius schilderte, dass sie in der Tatnacht einen Streit und später Schüsse gehört habe. Estelle van der Merwe berichtete sichtlich nervös und offenbar ängstlich über die Geräusche aus dem Haus von Pistorius. Der lautstarke Streit dort habe über eine Stunde gedauert. Sie ist damit die zweite Zeugin, welche die Darstellung des 27-Jährigen grundsätzlich infrage stellt.

Pistorius hatte sich beim Prozessauftakt am Montag im südafrikanischen Pretoria für «unschuldig» im Sinne der Anklage erklärt. Er sprach von harmonischen Stunden mit seiner Freundin Reeva Steenkamp.

Zu Beginn des Sensationsprozesses hatte bereits die Universitätsprofessorin Michelle Burger, ebenfalls Nachbarin von Pistorius, den Angeklagten mit ähnlichen Angaben belastet. Staranwalt Barry Roux stellte ihre Glaubwürdigkeit in seinem Kreuzverhör vehement infrage. Im Anschluss an die insgesamt vierstündige Vernehmung brach die Wissenschaftlerin im Gerichtssaal in Tränen aus.

Verteidiger Barry Roux verwies auf angebliche Widersprüche im Detail bei Burgers verschiedenen Aussagen vor der Polizei und vor Gericht. Zudem bezweifelte er, dass Burger aus einer Entfernung von 177 Metern die unterschiedlichen Schreie und Schüsse genau habe hören können.

«Ich weiss, wie sich ein Pistolenschuss mitten in der Nacht anhört», betonte Pistorius' Nachbarin und verwies auf die angeblich ruhige Sommernacht. Die Fenster seien geöffnet gewesen. Sie beharrte darauf, sie habe einen Mann und dann eine Frau um Hilfe schreien hören.Roux bezweifelte ihre Aussagen. Doch der Staranwalt musste sich schliesslich entschuldigen, als er Burger unterstellte, sie sei nicht ehrlich. Roux hatte um die Interpretation eines Sachverhalts gebeten, was die Zeugin verweigerte: Sie könne das nicht, sie könne nur berichten, was sie damals gehört habe. Der Anwalt bezweifelte das und meinte, sie sei da wohl nicht ganz ehrlich.

Daraufhin unterbrach ihn Staatsanwalt Gerrie Nel und erklärte, das sei ehrenrührig und sarkastisch. So etwas gehöre sich nicht gegenüber der Zeugin.

«Ich konnte hören, dass die Frau in Schwierigkeiten war»

Auch der Ehemann von Michelle Burger stellte mit seiner Aussage die bisherigen Darstellungen des 27 Jahre alten Angeklagten infrage. Er berichtete von beunruhigenden Geräuschen in der Tatnacht.

Charl Johnson bestätigte bei seiner Aussage die Darstellungen seiner Ehefrau. Er sei wegen des Lärms auf den Balkon gegangen, wo er Schreie einer Frau hörte: «Ich konnte hören, dass die Frau in Schwierigkeiten war». Danach habe er Schüsse gehört, schliesslich noch einen Schrei, sagte der IT-Experte einer Investitionsfirma.

Die Tat

Pistorius hat in der Nacht auf den 14. Februar 2013 seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, durch eine geschlossene Badezimmertür hindurch erschossen. Die Tat fand in seiner Villa in einem Nobelvorort von Pretoria statt. War es Notwehr – wie der Sportstar behauptet – oder gezielter Mord?

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Das Gesetz in SA ist eindeutig!! Man kann nur in Notwehr schiessen und muss zuvor warnen.. das muss jeder Waffenbesitzer wissen, weil er dazu eine Pruefung absolviert hat fuer den Waffenschein. Dieser Mann ist ein harter Sportler und als choleriker bekannt..einer der nicht gleich in Panik ausbricht.. meine Schlussfolgerung.. der hat gezielt durch die Tuere geschossen, wissend seine Freundin ist da.. (er haette sie ja sonst im gemeinsamen Bett gesehen)
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  • Kommentar von Toni Lötscher, Marbach
    Pistorius erklärte, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet. Aber hallo, auch einen Einbrecher erschiesst man nicht einfach so. Zudem wusste Pistorius auch nicht, ob der vermeintliche Einbrecher bewaffnet gewesen wäre.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Eine schlimme Sache, da will die Verteidigung den Fall zu ihren Gunsten drehen. Dass sich die Frau Burger sowas antun lässt, ist bewundernswert. So macht das Gesetz aus ehrlichen Menschen, Verbrecher.Man dreht und biegt die Tat bis es aufgeht und die Opfer zu Täter werden. Bei einem unbekannten Täter wäre die Sache schon lange gelaufen. Ein richtiges Armutszeugnis für die Justiz, die solches zulässt.
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