125 Jahre SP Solothurn – Von der Arbeiter- zur Mittelstandspartei

Am Samstag findet in der Rythalle in Solothurn das grosse Jubiläumsfest der SP des Kantons Solothurn statt. Zum Festakt erscheinen unter anderem Bundesrat Alain Berset und Christian Levrat, Parteipräsident der SP Schweiz. In ihren 125 Jahren hat sich die Solothurner SP kräftig gewandelt.

Die Sozialdemokratische Partei des Kantons Solothurn wird am 14. September 1890 in Solothurn gegründet. Sie geht aus den Reihen der Liberalen Partei (heute FDP) heraus, der damals dominantesten Partei. Arbeiter fühlen sich von den Liberalen zu wenig vertreten und gründen eine eigene Partei.

Der Aufstieg: «Not treibt der SP die Arbeiterschaft in Scharen zu»

Der politische Durchbruch gelingt der SP Solothurn während des 1. Weltkriegs. Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend, dazu kommt u.a. die Inflation. Der Historiker und ehemalige Stadtarchivar von Olten, Peter Heim, spricht von einer Explosion: «Diese Verschärfung der Not treibt der SP die Arbeiterschaft in hellen Scharen zu.»

Im November 1918 ruft das Oltner Aktionskomitee den Generalstreik aus. Der Streik verläuft meist ruhig - zu einer Eskalation kommt es einzig in Grenchen. Dort erschiesst die Armee drei Streikende. In der Folge ist die SP marginalisiert.

Die Konsolidierung: Schulterschluss gegen den Nationalsozialismus

Dies ändert erst die Gefahr durch den Nationalsozialmus. «Aus diesem Grund kommt es zu einem Schulterschluss der drei Parteien FDP, CVP und SP», erklärt Heim. Möglich ist dies nicht zuletzt, weil sich die Schweizer und damit auch die Solothurner Sozialdemokratie vom Kommunismus distanziert.

Das Machtkartell der Solothurner Politik – FDP, CVP, SP – wird erst mit der 68er-Bewegung erschüttert, und erst mit dem Aufstieg der SVP im Kanton aufgesprengt.

Die Stagnation: Der Kanton und die SP verlieren

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelt sich die Wählerschaft der SP Solothurn von der Arbeiterschaft zum Mittelstand. Sie sei zwar noch mit den Gewerkschaften verbunden, sagt Historiker Peter Heim, aber: «Sie macht eine mittelständische Politik, es kommen sehr viele Intellektuelle in die Partei».

In der nationalen Politik spielt die Solothurner SP in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Sie stellt die Bundesräte Willi Ritschard (1974-1983) und Otto Stich (1984 -1995). Für Historiker Peter Heim hat dies mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Kantons zu tun. Mit dem Niedergang der Industrie verlieren später der Kanton Solothurn und auch seine Sozialdemokraten an Bedeutung.

Die Bundesräte der Solothurner SP

    • Willi Ritschard

      Bildlegende: Willi Ritschard Keystone

      Willi Ritschard

      Ritschard gilt für viele als Übervater der Solothurner SP. In der Bevölkerung war der Luterbacher wegen seiner volksnahen, verständlichen und humorvollen Sprache sehr beliebt. Als Bundesrat war er zuerst Verkehrs-, dann Finanzminister. Er verstarb 13 Tage nach seiner Rücktrittserklärung auf einer Wanderung auf dem Grenchenberg.

    • Otto Stich

      Bildlegende: Otto Stich Keystone

      Otto Stich

      Stich wurde 1983 der Nachfolger von Willi Ritschard. Eigentlich war von der SP Lilian Uchtenhagen als Nachfolgerin vorgesehen, die bürgerliche Mehrheit wählte aber unerwartet den Dornacher in den Bundesrat. Als Finanzminister zeichnete er sich elf Jahre lang durch Hartnäckigkeit und Sachverstand aus, mit dem er linke Positionen vertrat. Mit seiner Partei versöhnte er sich schon kurz nach der Wahl.

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