Aargau bleibt wichtig: Kein Kahlschlag bei Alstom geplant

Die neue Eigentümerin des französischen Industriekonzerns Alstom will auch künftig im Aargau bleiben: Der US-Konzern
General Electric hat die Mitarbeiter informiert, dass Baden neu Hauptsitz für zwei Energiesparten wird. Allerdings: Es gibt noch offene Fragen.

Alstom-Mitarbeiter in Oberentfelden

Bildlegende: Die Sparte «Grid» (Stromnetze) bleibt in Paris: Aber der Produktionsstandort Oberentfelden scheint ebenfalls sicher. Keystone

«Es zeichnet sich ab, dass die Befürchtungen über einen Kahlschlag bei der Alstom im Aargau nicht berechtigt waren», erklärt Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann im Interview mit Radio SRF. Die jüngsten Gespräche mit den Zuständigen hätten dies gezeigt, und ja, man könne etwas aufatmen, erklärt Hofmann.

Baden als wichtiger Standort

Ein Mitarbeiter bei der Arbeit mit einem Metallstück.

Bildlegende: Ein Alstom-Angestellter in Birr: Die Kraftwerk-Sparte soll in der Schweiz bleiben, sagt GE. Keystone

Zuvor hatte die Sonntagszeitung in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, dass General Electric (GE) als neue Eigentümerin der französischen Alstom den Mitarbeitern des Energiegeschäftes eine Information zukommen liess. Man sehe Baden als wichtigen Standort, heisst es darin unter anderem.

GE will die Energiesparte künftig in fünf Geschäftsbereiche gliedern. Für die Bereiche Servicegeschäft und Dampfturbinengeschäft erhält Baden neu den Hauptsitz. Zudem soll die Stadt auch in Zukunft den grössten Standort inne haben für das Geschäft mit Kombikraftwerken.

Ein Wermutstropfen

Aber: Den Hauptsitz der Sparte «Thermal Power» muss Baden abgeben. Das gab GE in der schriftlichen Mitarbeiterinformation ebenfalls bekannt. Diese Sparte erwirtschaftet fast die Hälfte des Alstom-Umsatzes und ist aktuell der Stolz von Alstom Schweiz.

Was mit den betroffenen 110 Mitarbeitern am bisherigen Hauptsitz passiert, ist noch unklar. Ungewiss ist auch, wie viele Mitarbeiter künftig im Aargau für Alstom beziehungsweise GE arbeiten. «Da gibt es keine Garantien», hält Urs Hofmann fest.

Auch bei der Angestelltenvereinigung von Alstom ist man zwar einerseits erfreut, dass Baden ein «starkes Standbein bekommt», heisst es in der Zeitung. Es herrsche aber Ungewissheit bei den Mitarbeitern. Man wisse nicht, wie hoch der Personalbestand künftig sein werde, wird der Präsident der Angestelltenvereinigung zitiert.

Übernahme ist noch nicht über die Bühne

Tatsächlich sind die Pläne vorerst noch grob und provisorisch: GE will den Weltkonzern Alstom umbauen. Das heisst: Zehntausende von Arbeitsplätzen in etwa 40 Ländern werden neu organisiert. Dazu wird es Jahre brauchen. Bei Alstom konnte auch Montag niemand konkret zu den Plänen des amerikanischen Konzerns Stellung nehmen. Die Entscheidungen würden allein bei GE gefällt, hiess es auf Anfrage.

Die Übernahme von Alstom durch GE ist auch noch nicht abgeschlossen. Noch fehlt grünes Licht von diversen Wettbewerbsbehörden, unter anderem von der eher kritisch eingestellten EU-Kommission. Diese wird erst im Juli entscheiden, ob sie der geplanten Übernahme zustimmt.

Mindestens bis dahin muss man sich in Baden also gedulden. Erst dann wird wohl langsam klar werden, wer wo arbeitet und wie viele Arbeitsplätze an welchem Standort erhalten bleiben. Nach der Ankündigung von GE scheint aber immerhin klar: Die von Medien geäusserten Befürchtungen über den möglichen Abbau von Tausenden von Stellen in Baden waren aus der Luft gegriffen. Alstom hatte diese Ängste bereits im letzten Jahr als «Blödsinn» bezeichnet. Und - glücklicherweise - damit Recht behalten.