Aargau: Es werden doch keine Berufsfachschulen geschlossen

Die Kritik an den Plänen der Regierung war zu gross. Deshalb krebst die Regierung nun zurück. Alle Berufsfachschulen bleiben bestehen. Die Berufe werden aber anders auf die Standorte verteilt. In Wohlen wird z.B. eine reine KV-Schule gebildet.

Schüler in Schulzimmer strecken Hände auf

Bildlegende: Im Aargau soll die Berufsausbildung neu geordnet werden. Alle Schulen sollen neu mindestens 400 Schüler haben. Keystone

Der Regierungsrat will jetzt doch keine Berufsfachschule schliessen. Das ursprüngliche Ziel, den Schulraum gleichmässiger und besser auszulasten, rücke «etwas in den Hintergrund», teilt die Regierung mit.

Damit gibt die Regierung dem Druck der Regionen teilweise nach. Dort hatte der Vorschlag, Schulen mit geringer Auslastung zu schliessen, zu mehreren Protestaktionen geführt.

Weniger Einsparungen

Die Regierung macht aber auch klar, was der neue Kurs bedeutet: Es können weniger Kosten eingespart werden. Sie rechnet noch mit Einsparungen von 2 Mio. Franken, indem sie die Schulen neu organisiert.

Die Schulen bleiben bestehen, eingegriffen wird aber bei der Zuteilung der Berufe. Die Regierung will die gemischten Berufsbildungszentren entflechten und an den einzelnen Schulen möglichst nur kaufmännische oder nur gewerblich-industrielle Berufe anbieten:

  • In Wohlen wird eine reine KV-Schule gebildet
  • In Brugg und Zofingen bleibt der gewerblich-industrielle Teil bestehen
  • Nur das BZF Rheinfelden bleibt als gemischtes Berufsbildungszentrum bestehen, damit es eine Grösse erreicht, die «unter pädagogischen und wirtschaftlichen Aspekten Sinn macht»

Für den KV-Bereich bedeutet dies eine Reduktion von sieben auf fünf Standorte. Damit erreichen alle Schulen die geforderte Mindestgrösse von 400 Schülerinnen und Schülern und können künftig alle Profile des Berufs Kaufmann EFZ anbieten, was die Durchlässigkeit zwischen den Anforderungsprofilen verbessert.

WMS wird von Aarau nach Zofingen verschoben

An der Reorganisation der Mittelschulen hält der Regierungsrat fest. Die Wirtschaftsmittelschule (WMS) und die Informatikmittelschule (IMS) sollen bei den Mittelschulen bleiben. Eine Verschiebung an die KV-Schule hat die Regierung nochmals geprüft, findet sie aber immer noch nicht sinnvoll. Weder pädagogische noch finanzielle Gründe sprächen dafür.

Die WMS soll jedoch neu in Zofingen und Baden und die IMS ausschliesslich in Baden angeboten werden. «Damit werden die beiden unter Platznot leidenden Mittelschulen in Aarau entlastet, und Zofingen kann als Mittelschulstandort gestärkt werden», begründet die Regierung.

Details werden später geklärt

Aus der Reform wurde also ein Reförmli. Die angepassten Pläne kommen nun ins Parlament. Dieses wird sich im Juni 2016 damit beschäftigen.

Danach erfolgt die konkrete Berufszuteilung im Bereich Gewerbe und Industrie in Zusammenarbeit mit den Schulen und den beruflichen Organisationen. Umgesetzt werden soll die Neuorganisation dann ab dem Schuljahr 2017/18.