Aargau mit neuer Energiestrategie

Der grosse Wurf ist sie nicht, die neue Energiestrategie der Aargauer Regierung. Es handelt sich um eine Fortschreibung der Strategie aus dem Jahr 2006. Neue erneuerbare Energien sollen noch mehr gefördert, Energieeffizienz gesteigert werden. Bei der Kernenergie ist die Regierung vorsichtig.

Windmühlen und Solarpanels

Bildlegende: Windenergie wird auch für den Kanton Aargau künftig wichtig. Am meisten Strom liefert nach den AKW aber die Wasserkraft. Keystone

75 Seiten lang ist das Papier «Energiestrategie Kanton Aargau». Es listet systematisch alle Arten von Energieerzeugung auf und was die Regierung davon hält. Der Regierungsrat schildert immer zuerst die Situation auf Bundesebene und fokussiert dann auf die spezifischen Aspekte im Aargau. Am Ende jedes Kapitels werden Ziele formuliert und die Massnahmen erklärt, die zur Erreichung der Ziele nötig sind.

Grundsätzlich hat die Regierung folgende drei Leitlinien erstellt:

  • Nachhaltige Entwicklung
  • Stärkung des Energiekantons
  • Erhaltung der Vesorgungssicherheit

Und sie hat sich vier Ziele vorgenommen:

  • Energieverbrauch pro Kopf senken
  • Stromverbrauch pro Kopf senken
  • Erneuerbare Stromproduktion ausbauen
  • Sichere Energieversorgung beibehalten

Wichtigste Massnahme zur Erreichung der Ziele ist die Energieeffizienz. Die Regierung will Gebäude besser isolieren. Und sie will Gebäude, vor allem auch die eigenen, zur Produktion erneuerbarer Energie nutzen. Solaranlagen werden in Zukunft also Standard auf Gebäuden des Kantons. In der Medienmitteilung der Regierung heisst ist das so formuliert: «Der Vorbildfunktion öffentlicher Körperschaften wird Beachtung geschenkt.»

«  Die beste Energie ist immer die, die man spart. 70 Prozent der Gesamtenergie ist für Wärmeproduktion. Dabei gibt es heute Gebäude, die mit praktisch null Energie auskommen. »

Stephan Attiger
Baudirektor Kanton Aargau

Im Zentrum der überarbeiteten Strategie stehen die Steigerung der Energieeffizienz, der Ausbau der erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind sowie die energetische Sanierung von Gebäuden.

Energieverbrauch fast halbieren

Windanlage

Bildlegende: Windturbinen und Photovoltaik-Anlagen sollen im Aargau zur Energiewende beitragen. Keystone

Der Energieverbrauch pro Kopf soll bis zum Jahr 2035 um 43 Prozent gesenkt werden. Als Basis dient der Verbrauch im Jahr 2000. Das Ziel bedeute, dass der Gesamtverbrauch pro Kopf und Jahr um rund ein Prozent gesenkt werden solle, sagte Werner Leuthard, Leiter Abteilung für Energie.
Der Stromverbrauch soll im gleichen Zeitraum um 13 Prozent reduziert werden. Die erneuerbare Stromproduktion soll so ausgebaut werden, dass diese 60 Prozent des Bedarfs decken kann. Gleichzeitig will der Regierungsrat die Versorgungssicherheit beibehalten.

Kein Verbot von Atomkraftwerken

Was sagt die Aargauer Regierung zu Mobilität und Atomenergie, zwei für den Aargau besonders wichtigen Themen? «Der Kanton Aargau ist mehr als jeder andere Kanton von der Kernenergie betroffen», steht in der Energiestrategie. Und weiter: «Wegen möglicher technologischer Fortschritte in ferner Zukunft soll von einem Verbot der nuklearen Technologie abgesehen werden.»

Die Forschung im Bereich der Atomkraft soll nach Ansicht der Aargauer Regierung nur schon deshalb vorangetrieben werden, weil sie wichtig ist, um die Endlagerung von nuklearen Abfällen zu planen und um den Rückbau stillgelegter AKWs zu ermöglichen.

Der Regierungsrat will kein neues Atomkraftwerk mit «heutigen Technologiestandards». Ein Kernkraftwerk mit neuer Technologie schliesst er also nicht aus. Und die Atomkraftwerke sollen so lange in Betrieb sein, wie sie sicher sind und solange sie noch einen «wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.»

Bei der Mobilität will die Regierung sparsame Autos fördern, sie will Elektroautos erschwinglich machen und sie unterstützt Gemeinden beim Management der Mobilität. Diese sollen das Zu-Fuss-Gehen, das Velofahren und den öffentlichen Verkehr fördern.

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Energiestrategie 2050

3:51 min, aus Tagesschau vom 31.1.2013

Das weitere Vorgehen

Die Regierung versteht ihre neue Energiestrategie als indirekten Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Aargau effizient und erneuerbar». Die Initiative setzt fixe Fristen zur Senkung des Energieverbrauchs und zum Ausstieg aus dem Atomstrom. In der Energiestrategie gibt es keine Fristen. Alle fünf Jahre sollen die Ziele überprüft werden.