Aargauer Bildungsdirektor: «Ich bedaure die Unruhe»

Briefe, E-Mails und Petitionen haben Alex Hürzeler in den letzten Wochen zuhauf erreicht. Der Grundtenor: «Bitte sparen Sie nicht in der Schule.» Dabei kostet die Bildung im Aargau Jahr für Jahr mehr. Aber pro Schüler bleibt eben doch weniger Geld. Warum sparen bei der Bildung und nicht woanders?

Hart prallten die bildungspolitischen Fronten am 1. Dezember im Aargauer Kantonsparlament aufeinander. Gegen 30 Sparvorschläge präsentierte die Regierung im Bereich der Bildung. Gegen jeden standen Vertreter der Linken zum Teil im Verbund mit der Mitte auf und stellten Anträge auf Streichung der Massnahmen.

Viele Anträge wurden abgelehnt, andere aber auch angenommen: Der Rat sagte beispielsweise Ja zur Reduktion des Halbklassenunterrichts im Kindergarten. Und er will grössere Klassen an der Sekundar- und Realschule.

Alex Hürzeler im Studio von Schweizer Radio in Aarau

Bildlegende: Regierungsrat Alex Hürzeler (SVP) im Gespräch mit Stefan Ulrich. Aufnahme im Studio Aarau. Stefan Brand/SRF

Die Schule soll gratis bleiben

Mit anderen Anträgen aber unterlag der Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Beim Unterricht für «Deutsch als Zweitsprache» (DAZ) bleibt vorerst alles beim Alten. Die Lektionen werden nicht gekürzt. Aber der Regierungsrat muss prüfen, ob sich die Eltern allenfalls an diesem Unterricht beteiligen sollen, finanziell nämlich.

Ein Vorschlag, der Bildungsdirektor Alex Hürzeler gar nicht gefällt. «Da kommen wir schnell in grosse gesetzliche und verfassungsrechtliche Fragen hinein. Die Volksschule ist gratis. Deshalb ist es sehr schwierig, hier eine Elternbeteiligung einzuführen.»

Rund 30 Sparmassnahmen hat Alex Hürzeler im Bereich der Bildung in den Grossen Rat gebracht. Sie haben nicht nur dort für sehr viele Diskussion gesorgt, sondern auch landauf landab. Eltern und Lehrer sind besorgt. Sie schreiben Briefe an die Regierung und lancieren Unterschriftensammlungen.

Alex Hürzeler im Gespräch

Bildlegende: Bildungsdirektor Alex Hürzeler begründet im Gespräch, warum Elternbeiträge an gewisse Unterrichtsformen schwierig sind. Stefan Brand/SRF

Der Bildungsdirektor stiftet Unruhe

Alex Hürzeler bedauert diese Unruhe. Als er sein Amt 2013 antrat, versprach er, Ruhe in die Schule zu bringen. Diese hatte in der Ära von Hürzelers Vorgänger Rainer Huber eine intensive Reformphase erlebt. Hürzeler fuhr das Reformtempo dann deutlich herab.

Jetzt, über die Finanzdebatte und die Entlastungsmassnahmen, kommt wieder sehr viel Unruhe in die Schule. Aber das sei leider nicht zu vermeiden, sagt Alex Hürzeler im Interview mit Radio SRF: «Es gehört zu den Aufgaben eines Regierungsrates, dass er Verantwortung übernimmt. Und deshalb ist die Diskussion nun von den Finanzen geprägt.»