Aargauer Gewerbe im Konkurrenzkampf um Lehrlinge

Sie taucht regelmässig auf im Sorgenbarometer des Gewerbes. Die Klage über den ausbleibenden Nachwuchs. Sie war auch am Berufsbildungstag des Aargauischen Gewerbeverbandes zu hören. Das Gewerbe hat aber Gegenstrategien: Qualität anbieten, Noten nicht zu hoch bewerten, informieren in den Schulen.

Junger Metallbauer biegt Metallstücke.

Bildlegende: Der Metallbau – eine Branche mit Nachwuchssorgen. Keystone

Wenn Metallbauer Patrick Huber aus Würenlos für seinen Betrieb eine Lehrstelle ausschreibt, erhält er einige wenige Bewerbungen, manchmal gar keine. Und ähnlich geht es den Metzgern, den Baufirmen und vielen anderen Betrieben im Aargau, die handwerklich-technische Lehrstellen anbieten.

Es gibt zwei Hauptgründe für den Mangel an Lernenden:

  1. Die geburtenschwachen Jahrgänge kommen aus der Schule
  2. Der Weg an die Mittelschule (Kantonsschule und Fachmittelschule) ist sehr attraktiv und wird von vielen Bezirksschülern gewählt

Um die verbleibenden Schüler rangeln sich die Gewerbler. Wer in diesem Konkurrenzkampf obenaus schwingen will, muss sich etwas einfallen lassen. Es gibt Betriebe, die locken mit günstigen Smartphones oder sogar mit einem Auto.

Aber solche «konsumorientierten» Angebote nützten längerfristig nichts, das sagte am Berufsbildungstag des Aargauischen Gewerbeverbandes (AGV) die Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin Margrit Stamm. Was langfristig zähle, sei Qualität.

Was er darunter versteht, schildert Gärtnermeister Anton Möckel aus Würenlos. Ihm ist es wichtig, die Lehrlinge ernst zu nehmen: «Jeder unserer Lehrlinge wird vom ganzen Team bewertet. Das ergibt Qualität. Sie spricht sich herum und so kommen wir zu Lernenden.»

Noten und Checks reichen nicht

Ebenfalls eine wichtige Erkenntnis unter den Gewerblern: Noten würden häufig überschätzt. Gute Noten, so die Expertin Margrit Stamm in ihrem einleitenden Referat, würden noch längst keinen guten Lehrling machen.

Wichtige Personen am Berufsbildungstag des Aarg. Gewerbes

Bildlegende: Bildungstag AGV v. l.: Anton Möckel, Margrit Stamm, Peter Fröhlich, Elisabeth Abbassi, Martin Ziltener, Kurt Schmid. Stefan Ulrich/SRF

Vielmehr sei das Potenzial einer jungen Person entscheidend. Dieses müsse man genau ausloten. Und Noten und Checks könnten dazu nur einen kleinen Teil beitragen, so Stamm.

Sie präsentierte eine Studie, die belegt, dass «gute» Schüler am Anfang einer Lehre bessere Leistungen erbringen als «schlechte» Schüler. Am Ende der Lehre schneiden aber beide Gruppe praktisch gleich ab.

Fleiss, Beharrlichkeit und Belastbarkeit würden in einer Lehre genauso viel oder sogar mehr zählen als die kognitiven Fähigkeiten, betonte Margrit Stamm.

Metallbauer Patrick Huber kann diese Aussage unterschreiben: «Für mich muss das Bauchgefühl stimmen bei einem Lehrling. Wenn er ins Team passt, ist auch bei einem Lehrling, der in Mathe nicht sehr gut ist, die Chance da, dass er den Knopf aufmacht.»

Schule trifft Wirtschaft

Der AGV will Schüler besser über Berufe und Berufslehren informieren. Nur wer Bescheid wisse über das System der dualen Berufsbildung in der Schweiz, könne sich später auch bewusst für eine Lehre entscheiden, argumentiert der AGV. Er hat deshalb das Projekt «Schule triffft Wirtschaft» lanciert. Es gibt Berufsbildungstage und Podiumsgespräche.