Aargauer Initiative: Schweizer Schlösser schliessen sich zusammen

Unter dem Dach des Vereins «Die Schweizer Schlösser» will Museum Aargau die bekanntesten Schlösser des Landes vereinen. Das Ziel: Gemeinsame Kommunikation und gemeinsame Aktionen und Ausstellungen. 17 Schlösser machen mit. Auch der Kanton Solothurn ist vertreten mit Schloss Waldegg.

Schlösser Chillon, Lenzburg, Thun und Waldegg

Bildlegende: Die Schlösser Chillon, Lenzburg, Thun und Waldegg wollen unter Aargauer Führung in der Top-Liga spielen. Keystone/zvg

Burgundisches Heerlager auf Schloss Lenzburg

Bildlegende: «Burgundisches Heerlager» – eine der vielen Aktivitäten auf Schloss Lenzburg. Keystone

Schloss Chillon in der Nähe von Genf ist international gesehen das bekannteste Schloss der Schweiz. Jedes Jahr wird es von Tausenden von Touristen besucht. Viele davon kommen aus China. Deshalb werden die Schloss-Broschüren auch auf Chinesisch gedruckt. Und daneben noch in elf anderen Sprachen.

Damit der Besucherstrom aus China nicht abreisst, hat Schloss Chillon in China einen eigenen PR-Spezialisten angestellt. Von solchen Massnahmen können andere Schlösser in der Schweiz nur träumen.

Vorreiter Museum Aargau

Träumen können sie auch vom Marketing-Konzept der Schlösser im Aargau. Habsburg, Lenzburg, Wildegg und Hallwyl gehören seit fast zehn Jahren zu Museum Aargau. Unter diesem Dach werden sie gemeinsm vermarktet. Und gleichzeit hat jedes Schloss sein eigenes Profil entwickelt.

Schloss Wildegg zum Beispiel ist ein Wohnmuseum. Man kann dort sehen, wie die Adligen-Familie der Effinger gelebt hat. Auf der Lenzburg hingegen ist Action angesagt. Dort steht das Mittelalter im Fokus. Regelmässig finden Mittelalter-Spektakel und Mittelalter-Märkte statt.

Dieses Konzept hat Erfolg. Die Besucherzahlen aller Schlösser sind in den letzten Jahren markant gestiegen. Nun wollen die Verantwortlichen von Museum Aargau ihr Erfolgsrezept auch auf andere Schlösser übertragen. Sie haben dazu den Verein «Die Schweizer Schlösser» gegründet. Das Ziel: Gemeinsam auftreten, gemeinsam kommunizieren, gemeinsam Aktionen entwickeln. Und vor allem: Erfahrungen austauschen. Zum Beispiel, wie man Broschüren auf Chinesisch produziert.

«  Die gemeinsame Positionierung der Schlösser im Aargau hat das Potenzial, in der ganzen Schweiz zu wirken. »

Jörn Wagenbach
Direktor Museum Aargau/Präsident Schweizer Schlösser

Nicht jeder ist dabei

Der neue Verein ist sozusagen die «Super League» der Schweizer Schlösser. Die Aufnahmekriterien sind streng: Die Schlösser müssen öffentlich zugänglich sein. Das heisst, man bekommt sie nicht nur bei Führungen zu sehen, sondern sie müssen regelmässig offen sein für Einzelpersonen.

Karin Wecke und Jörn Wagenbach

Bildlegende: Projektleiterin Karin Wecke und Präsident Jörn Wagenbach freuen sich über den Start von «Die Schweizer Schlösser». Stefan Ulrich/SRF

Die Museen müssen auch ein Konzept haben, wie sie sich darstellen und ihre Geschichte vermitteln. Diese Kriterien erfüllen unter anderem Schloss Chillon, Schloss Bellinzona und die Schlösser Thun und Spiez. Sie sind bereits Mitglied von «Die Schweizer Schlösser».

Auch der Kanton Solothurn ist vertreten mit Schloss Waldegg. Konservator André Schluchter ist begeistert von der Aargauer Initiative: «Das Wissen, das man sich nun vermitteln kann, ist sehr wichtig.»

Präsident des neuen Vereins ist Jörn Wagenbach, Direktor von Museum Aargau. Die Knochenarbeit hinter den Kulissen hat aber Karin Wencke geleistet. Die PR-Fachfrau arbeitet seit fast zwei Jahren für das Projekt «Die Schweizer Schlösser». Bei ihrer Arbeit hat sie gemerkt, dass sie überall offene Türen einrennt.

«  Die Schlösser haben offenbar nur darauf gewartet, dass jemand die Initiative übernimmt. »

Karin Wecke
Projektleiterin «Die Schweizer Schlösser»

Dieser Eindruck wird von Lilian Raselli bestätigt. «Der Zusammenschluss im Aargau ist wegweisend», sagt die Leiterin von Schloss Thun. «Das streben wir auch an. Wir stehen aber erst am Anfang.»

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Wohnen im Schloss

3:43 min, aus Schweiz aktuell vom 31.3.2011

Vorbild Aargau

Das Aargauer Schloss-Konzept ist auch im Kanton Basel-Land bekannt. Dort steht das Schloss Wildenstein. Es ist aber nur selten geöffnet und es ist nicht Mitglied von «Schlösser Schweiz». Mit Verweis auf diese Initiative fordern 41 von 90 Kantonsparlamentarieren, dass die Regierung ein Nutzungskonzept für Schloss Wildenstein erarbeitet.