Aargauer Kantonspolizei wehrt sich gegen Vorwürfe des «Blick»

Die Polizei habe einen Unfall in Wohlen bewusst verschwiegen, wirft die Boulevardzeitung dem Mediendienst der Aargauer Kantonspolizei vor. Dieser gibt einen Fehler zu, weist aber alle Vorwürfe zurück. Man habe niemanden schützen wollen, man habe nur die Tragweite des Unfalls nicht erkannt.

Die Schlagzeilen in der aktuellen Blick-Ausgabe zum Unfall in Wohlen.

Bildlegende: Fette Schlagzeilen zu einem Unfall in Wohlen: Die Polizei dementiert alle Vorwürfe im Artikel. SRF

Am Freitagabend wurde in Wohlen eine Frau angefahren. Der Unfall ereignete sich auf einem Zebrastreifen, der Unfallverursacher ist laut «Blick» eine bekannte Persönlichkeit aus der Region. Die Aargauer Kantonspolizei meldete den Unfall nicht, obwohl sie sonst für eine sehr offensive Kommunikationspolitik bekannt ist. Die These des Blick-Journalisten: Man habe den Unfall bewusst verschwiegen, um den Unfallverursacher zu schützen.

Diesen Vorwurf dementiert Mediensprecher Bernhard Graser gegenüber Radio SRF vehement: «Diese Anschuldigung stimmt überhaupt nicht.» Bernhard Graser gibt aber unumwunden zu: «Es ist ein Fehler passiert, das tut uns leid.» Der Unfall sei zu Beginn falsch eingeschätzt worden.

« Es ist ein Fehler passiert. Das tut uns leid. »

Der Mediendienst hatte bereits Feierabend. Bei schweren Ereignissen müssten also die Beamten vor Ort eine gezielte Information veranlassen. «Das Unfallopfer war ansprechbar, für die Polizisten vor Ort bestand kein Grund, den Mediendienst aufzubieten.» Erst später am Freitagabend habe sich bei einem Spitalbesuch herausgestellt, dass die Frau schwere Kopfverletzungen erlitten habe.

«Menschliches Versagen» im Mediendienst

«Das wurde dann in unserem Journal vermerkt», so Graser weiter. Am Samstagmorgen habe die zuständige Sachbearbeiterin des Mediendienstes diese Meldung allerdings übersehen. «In diesem Journal sind bis zu 200 Meldungen aufgeführt. Wir sind auch nur Menschen, da kann so ein Fehler passieren», erklärt Bernhard Graser.

Kurz: Es stimmt zwar, dass die Kantonspolizei eine wichtige Unfallmeldung nicht geschrieben und veröffentlicht hat. Böse Absichten dahinter gab es aber keine. Bernhard Graser ist hörbar genervt. Und er präzisiert: «Niemand im Mediendienst hat diesen Unfallverursacher gekannt.»