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Aargau Solothurn Aargauer Regierung «ausserordentlich überrascht» über Nagra

Die starke Einengung bei der Standortsuche für ein Tiefenlager durch die Nagra kommt für den Aargauer Regierungsrat zu früh. Zum möglichen Oberflächenstandort Villigen äussert die Regierung grosse Vorbehalte.

Legende: Video Endlager: Nagra setzt auf Aargau und Zürcher Weinland abspielen. Laufzeit 3:26 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 30.01.2015.

Von ursprünglich sechs möglichen Standorten für ein Tiefenlager sollen nun nur noch deren zwei weiterverfolgt werden. Diese starke Einengung der Standortauswahl kommt für die Aargauer Regierung zu früh, da die Kantone noch gar nicht offiziell Stellung nehmen konnten: «Die behördliche Überprüufng der Nagra-Vorschläge und die öffentliche Anhörung stehen noch aus», heisst es in einer Mitteilung der Regierung.

Grosse Sorgen bereitet der Regierung der Oberflächenstandort, falls das Tiefenlager letztendlich in der Region Jura Ost gebaut werden sollte. «Der Regierungsrat hat gegenüber einem möglichen Standort Villigen für Oberflächenanlagen grosse Vorbehalte.»

Villigen: Hightechstandort - nicht Abfallstandort

Luftaufnahme der Region Bözberg.
Legende: Die Region Bözberg bleibt im Rennen. Die Nagra will den Standort Jura Ost für ein Atom-Tiefenlager weiter verfolgen Keystone

Die Bedenken der Aargauer Regierung beziehen sich auf das Paul Scherrer Institut PSI, welches ebenfalls in Villigen angesiedelt ist. Das PSI sei ein wichtiges Forschungszentrum für die ganze Schweiz und es dürfe «unter keinen Umständen beeinträchtigt werden».

Die Priorität am Standort Villigen sei die Weiterentwicklung und Ansiedlung von Forschungs- und Hightech-Institutionen.

Oberste Priorität beim Standortentscheid muss die höchstmögliche Sicherheit für Menschen und Umwelt haben
Autor: Regierungsrat Kanton Aargau

Die Aargauer Regierung fordert ein faires und glaubwürdiges Standortverfahren. Massgebend bei der Auswahl solle die Sicherheit sein. Man wolle alles daran setzen, «dass keine Standorte aus politischen Gründen zurückgestellt werden». Auf der anderen Seite hält Regierungsrat Stephan Attiger auch fest: «Der Aargau trägt bereits heute grosse Lasten im Verkehrs- und Energiebereicht.»

Weitere Reaktionen zum Vorschlag der Nagra

Bereits am Freitag haben sich viele Parteien und Verbände zum Vorschlag der Nagra geäussert:

  • Energieforum Nordwestschweiz: Das Energieforum Nordwestschweiz begrüsst die Auswahl der beiden Gebiete Zürich Nordost und Jura Ost. Für diese Auswahl habe die Nagra «ausschliesslich technisch-wissenschaftliche Kriterien» herangezogen.
  • Grüne Aargau: Die Grünen Aargau fordern den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Es sei bereits heute absehbar, «dass der Bundesrat sich am Ende des Prozesses für den atomfreundlichen Kanton Aargau als Standort für ein Tiefenlager entscheiden wird».
  • KAAZ (Kein Atommüll im Ballungsgebiet Aarau-Lenzburg-Zofingen): KAAZ begrüsst den Verzicht auf den Standort Jura Südfuss. Die Argumente gegen diesen Standort seien «erdrückend». Allerdings erhöhe sich mit diesem Entscheid auch der Druck auf den Standort Bözberg (Jura Ost).
  • KAIB (Kein Atommüll im Bözberg): Der Bözberg berge geologische Risiken und sei daher für ein Atomendlager nicht geeignet, so KAIB. Der Standortvorschlag der Nagra sei übereilt. Zudem führe das Endlager zu erheblichen Konflikten beim Natur- und Umweltschutz.
  • SP Aargau: Die SP wirft der Aargauer Regierung vor, sie habe es in der Vergangenheit versäumt, sich klar gegen ein Atomendlager im Kanton einzusetzen. Daher sei es nicht verwunderlich, dass es sich die Nagra einfach mache «und sich als Lösung den atomfreundlichsten Kanton des Landes» aussuche.
  • FDP Aargau: Die FDP ist überrascht, dass bereits jetzt eine Reduktion auf zwei Standorte gemacht wird. Sie ist aber überzeugt, «dass die Nagra ihre Arbeit prinzipiell gut macht». Der Vorschlag der Nagra sei ein Meilenstein in der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Die Entsorgung von radioaktivem Abfall könne nicht an die nächste Generation übertragen werden.
Transparent mit der Aufschrift "Kein Atommüll im Bözberg".
Legende: Der Kampf gegen das Tiefenlager im Bözberg geht für KAIB weiter... SRF

Der Entscheid der Nagra wird nun dem Bund zur Überprüfung vorgelegt. Zudem können die Standortkantone Stellung nehmen. 2016 soll es eine öffentliche Anhörung geben.

Voraussichtlich Mitte 2017 wird der Bundesrat entscheiden, ob er den von der Nagra vorgeschlagenen Gebieten zustimmt. Ein definitiver Standortentscheid soll 2027 fallen. Das letzte Wort hat das Volk.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider, 5024 Küttigen
    Tiefenlager für Atommüll: International nach Lösungen suchen! Muss denn wirklich jedes Land mit Atomkraftwerken ein eigenes Tiefenlager betreiben? Sind die Risiken einer Vielzahl von Tiefenlagern, womöglich noch an nur bedingt geeigneten Standorten, nicht höher als bei international koordinierten, geologisch am besten geeigneten Standorten? Für alles und jedes werden internationale Lösungen gesucht, nur beim Atommüll scheint dies nicht zu funktionieren.
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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    Ach was? die Aargauer Regierung ist überrascht...... interessant solche Aussagen. Der Aargau hat am meisten Kernkraftwerke und ist scheinbar der Mittelpunkt der Kernenergie. Der Aargau verdiente mit der hinterlistigen Strompolitik genug Geld und nun soll sie auch den Dreck entsorgen.
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    1. Antwort von T. Egloff, Baden
      In einem gebe ich V. Eberhard recht. Überrascht darf man im Aargau sicher nicht sein. Dass das Endlager im AG gebaut wird, ist schon lange klar. Hinterlistig ist also die pseudo Standortfindung. Geld verdient der AG mit den KKW keines, ausser den Firmensteuern, wie jede andere Fa. auch. Ich nehme allen Dreck in den AG, vom Strom, den wir hier auch verbrauchen. Aber der Atomstrom nutzen alle anderen Regionen schön fleissig auch, aber die wollen natürlich kein Endlager, schreibt ein Atomkritiker.
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