Aargauer Regierung baut die Kantonspolizei um

Aargauer Kantonspolizisten sollen häufiger unterwegs sein und weniger im Büro sitzen. Das sei aber nur mit schlankeren Strukturen möglich, findet die Aargauer Regierung. Aus den Kommandos West, Ost und Nord macht sie deshalb eine einzige Abteilung. Und acht Polizeiposten sollen geschlossen werden.

Auto mit Blaulicht auf Dach.

Bildlegende: Verschiedene Posten der Aargauer Kantonspolizei will die Regierung schliessen. Keystone/Symbolbild

Heute ist die Aargauer Kantonspolizei mit 17 verschiedenen Posten präsent auf dem Kantonsgebiet. In Zukunft soll es noch deren 9 geben, wie die Aargauer Regierung am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt.

Die Regierung schlägt vor, folgende Polizeiposten zu schliessen:

  • Bad Zurzach
  • Klingnau
  • Laufenburg
  • Reinach
  • Spreitenbach
  • Schöftland
  • Bremgarten, Muri und Wohlen: Anstelle dieser Posten soll an einem noch zu bestimmenden Standort im Freiamt ein neuer Stützpunkt aufgebaut werden

Die Zahl der Posten zu reduzieren ist erst ein Vorschlag der Regierung, sie schickt ihn nun in die Vernehmlassung zu den Gemeinden. Auch die Regionalpolizeien können sich dazu äussern.

Die Regierung macht diese Vernehmlassung freiwillig. Sie müsste es nicht tun, denn eine Gesetzesänderung ist für die Reorganisation nicht nötig.

Das Zurzibiet ist zu friedlich für die Kantonspolizei

Aber die Regierung weiss, dass der Vorschlag Posten zu schliessen viel Staub aufwirbeln wird. Vor allem im Zurzibiet, welches gleich zwei Posten verlieren würde. Warum trifft es gerade das Zurzibiet besonders stark?

Hanspeter Fricker, Generalsekretär im Innendepartement des Kantons Aargau, verweist auf die Kriminalitätsstatistik. Die Zahlen würden zeigen, dass die Kriminalität im Zurzibiet in den letzten Jahren markant gesunken sei. Posten zu schliessen, sei deshalb vertretbar.

Keine Vernehmlassung gibt es zur Reorganisation der Kantonspolizei auf der höheren Ebene. Die Regierung hat definitiv entschieden, dass die Kapos West, Ost und Nord verschwinden. Sie gehen auf in der «stationierten Polizei». Anstatt drei Kommandanten gibt es nur noch einen, der direkt dem Kommandanten der Kantonspolizei unterstellt ist.

Polizei reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen

Die Regierung begründet die Reorganisation mit den veränderten Rahmenbedingungen. Hanspeter Fricker verweist auf die 24-Stunden-Gesellschaft. Die Leute seien rund um die Uhr unterwegs. Viele «polizeiliche Ereignisse» hätten sich in die frühen Morgenstunden verlagert oder würden sich über die Wochenenden verteilen.

Darauf müsse die Polizei reagieren. Die bisherigen Strukturen würden die Polizisten zu stark einschränken. Sie seien zu oft im Büro, zu oft nur zu Bürozeiten erreichbar und zu wenig auf Patrouille.

Mit der neuen Struktur könne man Personal in der Verwaltung sparen und dafür mehr Patrouillen unterhalten. «Die Zahl der Patrouillen wird um 50 bis 100 Prozent steigen», verspricht Hanspeter Fricker.

Und die Patrouillen seien so ausgerüstet, dass sie administrative Arbeiten auch unterwegs erledigen könnten. Jeder Polizist erhalte schon bald einen portablen Computer, mit dem er genau so arbeiten könne wie im Büro, erklärt Fricker.

Will die Regierung sparen?

Schlankere Strukturen in der Organisation und weniger Posten – da drängt sich die Frage auf, ob das Ganze einfach eine Sparübung der Regierung ist. Immerhin musste die Kantonspolizei schon im letzten Entlastungspaket Federn lassen.

Die Reorganisation sei aber in keiner Art und Weise eine Sparmassnahme, betont Hanspeter Fricker. Es gehe einzig und allein darum, die Ressourcen gezielter einzusetzen. Der DVI-Generalsekretär untermauert seine Aussage mit Zahlen: Die Reform führe dazu, dass am Schluss nicht wie bis anhin 211 Polizisten unterwegs seien, sondern 225.

(Bildquelle: Keystone/Symbolbild)

Stimme Zurzibiet

Im Zurzibiet sollen beide Kapo-Posten verschwinden, Bad Zurzach und Klingnau. Das werde in der Region noch viel zu reden geben, sagt Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes Zurzibiet Regio. «Das sieht niemand ein hier bei uns, in einem Grenzgebiet zu Deutschland.» Der Verband will nun mit der Regionalpolizei eine Stellungnahme erarbeiten.