Ärzte und Apotheker im Aargau: Das war erst der erste Kampf

Ärzte und Apotheker haben im Aargau einen harten und teuren Abstimmungskampf geführt. Trotzdem: Das Volk hat nun beide Initiativen abgelehnt. Die Apotheker sehen sich als Sieger und wollen weiter kämpfen.

Eine Apothekerin bedient eine Kundin.

Bildlegende: Sie haben den Kampf vorerst gewonnen: Die Aargauer Apothekerinnen und Apotheker. Keystone

Die Stimmung zwischen Ärzten und Apothekern im Aargau ist gereizt. Auch nach geschlagener Abstimmungsschlacht sind die Verstimmungen auf beiden Seiten deutlich zu spüren.

«Wir waren einem Trommelfeuer der Gegnerschaft ausgesetzt. Die Apotheker haben mit ihrer hysterischen Kampagne das Volk davon überzeugt, dass wir nur materielle Interessen vertreten hätten», wettert Ärzteverbandspräsident Hans-Ulrich Iselin im Regionaljournal von Radio SRF. Und fügt an, dass es darum natürlich nicht gegangen sei.

«  Ein Trommelfeuer der Gegnerschaft. »

Hans-Ulrich Iselin
Ärzteverband

«Wir konnten zeigen, dass die Ärzte nur mehr Geld verdienen wollten. Es ging nicht um die Rettung der Hausärzte oder sonst etwas. Der Ausgang der Abstimmung ist gut für das Wohl der Patienten», erklärt auf der anderen Seite ein erfreuter Apotheker-Chef Fabian Vaucher. Tatsächlich sind die Apotheker die eigentlichen Gewinner des Abstimmungssonntags im Aargau.

Die Apotheker haben zwar auch keine Mehrheit gefunden für ihre Volksinitiative. Das heisst aber nur, dass das Verkaufsverbot für die Ärzte nicht in die Verfassung kommt. Ihr Hauptziel haben die Apotheker aber erreicht: Sie konnten die Forderung der Ärzte verhindern, dass diese ebenfalls auf breiter Front Medikamente verkaufen dürfen.

Die nächsten Schlachten sind programmiert

Vordergründig bemühen sich nun beide Parteien um versöhnliche Worte. Das Wohl des Patienten stehe im Vordergrund, hört man immer wieder. Man müsse nun wieder konstruktiv zusammen arbeiten, heisst es. Tatsächlich aber werden die politischen Messer weiter gewetzt. Die Ärzteschaft will ihren Kampf nun auf Bundes-Ebene weiterführen, wie Verbandspräsident Iselin erklärt.

«Die Apotheker versuchen bei der Heilmittelgesetz-Revision, ihren Einfluss zu vergrössern. Das müssen wir nun verhindern.» Auch die Apotheker sehen ihren Kampf aber noch nicht als beendet an. Sie wollen auf kantonaler Ebene darauf hinwirken, als vollwertiger Partner der Grundversorgung zu gelten. In einer Mitteilung des Verbandes steht dazu, man sei bereit «vermehrt gesundheitspolitische Aufgaben auszuführen und Entlastung zu bieten».

Mit anderen Worten: Wenn Hausärzte fehlen, dann könnten Apotheker ja zumindest teilweise in die Bresche springen. Was das konkret heisst, steht in den Sternen.

Allerdings: Die jahrelangen Streitigkeiten zwischen Ärzten und Apothekern und insbesondere der jüngste Abstimmungskampf haben bewiesen, dass beide Verbände es verstehen, mit der granz grossen Kelle anzurühren, wenn die eigenen Interessen akut in Gefahr sind. Die versöhnlichen Worte auf beiden Seiten klingen deshalb eher nach leeren Versprechungen.

«  Wir können uns ja mit Sälbeli und Pflästerli etwas pflegen jetzt. »

Fabian Vaucher
Apothekerverband

Es sei schon einiges Geschirr zerschlagen worden, gibt Apotheker-Präsident Fabian Vaucher denn auch zu. Aber immerhin seien Ärzte und Apotheker ja in der richtigen Branche tätig, um sich gegenseitig ein bisschen «mit Pflästerli und Sälbeli» zu pflegen. Die Frage ist wohl nur, ob sie das auch wirklich wollen.