Alstom sagt Ja zu GE - Verunsicherung im Aargau bleibt

Der Verwaltungsrat des französischen Energiekonzerns Alstom hat am Samstag einer Allianz mit dem US-Konzern General Electric zugestimmt. Für die Arbeitsplätze im Aargau dürfte dies besser sein, als wenn Siemens ans Ruder gekommen wäre. Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist vorsichtig optimistisch.

Alstom Sitz Baden

Bildlegende: Die Verunsicherung bleibt: Werden am Alstom-Sitz in Baden trotz Übernahme durch die GE Stellen abgebaut? Keystone

Der Verwaltungsrat des französischen Energie- und Transportkonzerns Alstom hat einer Allianz mit dem US-Konzern General Electric (GE) zugestimmt. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, teilte das Unternehmen am Samstagabend in Paris mit.

Die französische Regierung kann von diesem Deal ebenfalls profitieren: Sie kann bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile erwerben, das wurde am Sonntagabend bekannt gegeben. Paris hatte GE am Freitag in dem wochenlangen Bieterrennen den Vorzug vor Siemens und seinem japanischen Verbündeten Mitsubishi Heavy Industries gegeben.

Alstom-Chef sieht es positiv

Alstom-Chef Patrick Kron sagte dem «Journal du Dimanche», es gebe «drei Sieger» bei dem Projekt: Alstom, das seine Stellung und seine Arbeitsplätze verstärken werde, GE und den französischen Staat.

Die geplante Allianz «scheint mir perfekt auf die Sorgen der Regierung in Sachen Energie und Transport zu antworten», sagte Kron. Er kündigte an, nach dem Abschluss der Allianz zurückzutreten. GE-Chef Jeffrey Immelt sprach von einem «grossartigen industriellen Projekt», das einen «Weltmeister der Energie» schaffen werde.

Grösster Arbeitgeber im Aargau

Gespannt hatte man den Übernahmekampf um Alstom im Aargau verfolgt. Alstom ist mit 6'500 Angestellten der grösste private Arbeitgeber im Kanton. In Baden und Birr wird für den Energiebereich, das grösste Standbein des Konzerns, produziert. Und auch in Oberentfelden ist Alstom präsent.

Eine Jobgarantie, wie sie für Frankreich ausgehandelt wurde, gibt es in der Schweiz nicht. Im Aargau bleibt deshalb die Sorge, es könnten Stellen abgebaut werden – erst recht, seit im vergangenen Monat ein Brief von General-Electric-Chef Jeffrey Immelt an den französischen Staatspräsidenten François Hollande publik wurde.

Um Paris auf seine Seite zu bringen, hatte Immelt angeboten, den Sitz der Alstom-Sparte thermische Kraftwerke von Baden nach Belfort im Osten Frankreichs zu verlegen. Daran dürften einige hundert Arbeitsplätze hängen.

Schneider-Ammann vorsichtig optimistisch

Ob dies tatsächlich geschehen könnte, dazu äusserte sich Bundesrat und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gegenüber Radio SRF. Bei den Gesprächen zu diesem Thema sei er zwar nicht dabei gewesen, habe aber davon aus dem Medien erfahren, erklärt Schneider-Ammann.

Er habe aber im Vorfeld Kontakt gehabt mit der Alstom-Führung in der Schweiz und in Frankreich. Der Bundesrat glaubt, dass die Technologie im Raum Baden «sehr verdichtet und kompetent vorhanden ist und dass das nicht einfach in Frage gestellt wird», so der Wirtschaftsminister.

Deshalb sei er zuversichtlich, dass diese Tätigkeiten weitergeführt und damit die Arbeitsplätze erhalben bleiben. «Ich gehe davon aus, dass die hochleistungsfähige Alstom Schweiz ihr Rolle behält und hier weiter investiert.» Eine Jobgarantie gebe es aber nicht. «Das ist Sache der Konzernleitung, ich kann keine Prognose abgeben.»

«Kürzungen gibt es immer bei Übernahmen»

Für die Energie-Expertin und frühere GE-Managerin Cornelia Meier bleibt es ein mögliches Szenario, dass diese Stellen von Baden nach Belfort verlegt werden. «Kürzungen gibt es bei einer Übernahme immer», sagt sie zu Radio SRF.

Trotzdem sei GE auch aus Schweizer Sicht die beste Wahl für Alstom. Mit dem US-Konzern gebe es hierzulande nämlich weniger Überschneidungen.

So sieht das auch Markus Werder, Gemeindeammann des Alstom-Standorts Oberentfelden. «Natürlich können wir jetzt aufatmen», sagt Werder im Regionaljournal Aargau Solothurn. Es bleibe aber eine Verunsicherung: «Die Zukunft wird zeigen, ob das, was in den Verhandlungen versprochen wurde, dann auch tatsächlich so umgesetzt wird».