Am Hallwilersee sind die Meinungen zum Kitesurfen geteilt

Ab 2016 könnten auf dem Hallwilersee Kitesurfer unterwegs sein. Der Bund erlaubt künftig die Wassersportart. In einer ersten Stellungnahme hatte sich der Kanton Aargau sehr skeptisch geäussert, nun aber zeigt man sich offen. Die Reaktionen bei Betroffenen sind unterschiedlich.

Die Kantone haben bis Anfang 2016 Zeit um die neue Regelung umzusetzen. Dies teilte der Bund Mitte Januar mit. Bisher war das Kitesurfen auf den meisten Schweizer Gewässern grundsätzlich verboten – so auch auf dem Hallwilersee. Im Kanton Aargau wurde nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um eine neue Regelung auszuarbeiten.

Kitesurfer in Aktion

Bildlegende: Kitesurfer sieht man vielleicht bald auch auf dem Hallwilersee, der Kanton Aargau ist offen. (Symbolbild) Keystone

Ob der Kanton Aargau das Kitesurfen nun erlaubt, oder ein eigenes Verbot erlasse, stehe noch nicht fest, sagt Samuel Helbling, Sprecher des Departements für Volkswirtschaft und Inneres gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF. Die Arbeitsgruppe sei ergebnisoffen.

Im Sommer dagegen wollte der Aargauer Regierungsrat noch am Kitesurf-Verbot festhalten. In der Vernehmlassungsantwort an das Bundesamt für Verkehr (BAV) zeigte sich die Regierung sehr skeptisch gegenüber der Aufhebung des Verbots. Man habe Bedenken bezüglich des Naturschutzes und der Sicherheit. Auf dem See seien viele Boote unterwegs und die Zahl der Besucher steige stetig, hiess es in der Stellungnahme.

Wassersportler freuen sich über offene Haltung

Laut Helbling handelte es sich bei der Vernehmlassungsantwort um eine erste Stellungnahme der Regierung. Von einem Meinungsumschwung könne darum nun nicht die Rede sein. Der Kanton müsse das Kitesurfen nun vertieft prüfen und dabei auch diverse Anspruchsgruppen anhören.

Dazu zählen auch die anderen Wassersportler, wie zum Beispiel die Segler. Felix Bürgi von der Swiss Sailing School in Tennwil begrüsst die offene Haltung des Kantons auf Anfrage. Es sei positiv, dass der Kanton die Diskussion suche und das Kitesurfen nicht von Anfang an verbieten wolle.

Kitesurf-Verhältnisse am Hallwilersee nicht ideal

Bürgi sagt weiter, dass der Hallwilersee wohl nicht zum Mekka für Kitesurfer werde. Die Windverhältnisse seien ungünstig. Diese Meinung teilt Christine Glaus, die Besitzerin der Surfschule Octopus in Meisterschwanden. Ausserdem sei unklar, wo die Kitesurfer ins Wasser steigen könnten. Der Hallwilersee sei klein und die Ufer verwachsen mit Schilf und Bäumen. Die Kitesurfer bräuchten jedoch Platz.

Auch bei der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee glaubt man aus den gleichen Gründen nicht, dass der See dereinst viele Kitesurfer anzieht. Geschäftsführer Ueli Haller sagt auf Anfrage, dass er aber keine Jubelschreie rauslasse, falls der Kanton Aargau die Wassersportart erlaube. Sicherheitsbedenken hat Haller aber nicht. Schon heute seien die Schiffsführer gefordert wegen den viele Wassersportlern.

Naturschützer stellen erste Forderungen

Ein kantonales Verbot ausdrücklich begrüssen, würde BirdLife Aargau, der kantonale Verband der Naturschutz- und Vogelschutzvereine. Geschäftsführerin Kathrin Hochuli gibt zu bedenken, dass sich rund um den See viele Schutzgebiete befinden. Die Vögel würen sich beispielsweise sicherlich durch die Kitesurfer stärker gestört fühlen, als durch Ruderer oder Seglern. Grund dafür seien die Segel der Kitesurfer, die unruhig durch die Luft bewegen würden.

Hochuli fordert deshalb vom Kanton genaue Regeln, falls er sich dazu entscheidet, dass Kitesurfern zu erlauben. Zum Beispiel sei es wichtig, dass die Wassersportler einen Mindestabstand von 300 Metern zu den Schutzzonen am Ufer einhalten würden.

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