Asylbewerber in Egerkingen haben Windpocken: Besuchstag abgesagt

In Solothurn werden die Windpocken «Spitze Blattern» genannt. Doch so harmlos, wie sie tönen, sind sie nicht. Wegen der hoch ansteckenden Krankheit kann die kantonale Asylunterkunft in Egerkingen derzeit keine Asylbewerber mehr aufnehmen. Und der «Tag der offenen Tür» muss verschoben werden.

Ehemalige Klinik Fridau in Egerkingen

Bildlegende: Der Tag der offenen Tür im Asylzentrum Fridau Egerkingen findet erst zwischen Sommer- und Herbstferien statt. SRF

Der «Tag der offenen Tür» im Asylzentrum Fridau wäre für den 20. Juni geplant gewesen. Nun wird er verschoben. Das Ansteckungsrisiko für die Besucher sei zu gross, teilte der Kanton Solothurn am Freitag mit.

Vorläufig gilt ein Aufnahme-Stopp

Zwei oder drei Asylsuchende seien aktuell an den «Spitzen Blattern» erkrankt, sagt David Kummer auf Anfrage.

Laut dem Abteilungsleiter Sozialleistungen und Existenzsicherung werden die Betroffenen nun separiert: «Und vor allem heisst es, dass wir im Moment keine neuen Asylsuchenden in die Fridau nach Egerkingen transferieren, für die nächsten 14 Tage, bis die Ansteckungsgefahr vorbei ist.»

Bis der Kanton Solothurn wieder Asylbewerber in Egerkingen einquartieren kann, bringt er sie in den anderen kantonalen Unterkünften unter, in Oberbuchsiten, in Selzach und auf dem Balmberg.

In der Schweiz angesteckt

David Kummer geht nicht davon aus, dass die Asylbewerber die hoch ansteckende Krankheit aus ihren Herkunftsländern in die Schweiz gebracht haben.

Wahrscheinlich sei, dass die Asylbewerber in ihrem Herkunftsland gar nicht mit Windpocken in Kontakt gekommen seien und sich erst in der Schweiz damit angesteckt hätten.

Weit verbreitete Kinderkrankheit

In der Schweiz sind «Spitze Blattern» weit verbreitet und treten das ganze Jahr auf. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit weisen in der Schweiz fast alle Erwachsenen (98 %) Antikörper gegen das Virus auf, weil sie die Krankheit in der Kindheit durchgemacht haben.

Wer bis zum 11. Lebensjahr nicht an Windpocken erkrankt ist, dem empfiehlt der Bund eine Impfung. Das Risiko von Komplikationen für Erwachsene ist nämlich erhöht. Von den Personen, die älter sind als 16 Jahre und an Windpocken erkranken, müssen rund die Hälfte wegen Komplikationen ins Spital.

(Bildnachweis: Colourbox)

Wie sagt man?

Wie sagt man?

Eigentlich heisst die Krankheit «Varizella». «Windpocken» werden die Viren genannt, weil sie über Atemwegströpfchen durch die Luft sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. In der Schweiz sind je nach Mundart die Begriffe «Spitze Blattern» oder «Wilde Blattern» gebräuchlich. In Österreich spricht man von «Schafblattern».