Asylbewerber: Zofinger Stadtrat bricht Versprechen

Der Stadtrat hat einen Entscheid gefällt, der seinen eigenen Aussagen widerspricht. Der Bevölkerung hatte er im Dezember versprochen, dass sämtliche Schulkinder der neuen Asylunterkunft Extraklassen besuchen werden. In der Praxis zeigt sich nun, dass er dieses Versprechen nicht halten kann.

Deutschunterricht in einem Durchgangsheim

Bildlegende: Die Beschulung der Kinder aus der Asylunterkunft klappt grundsätzlich gut. Fragen gibt es dennoch. Keystone

28 Kinder wohnen im Moment in der Zofinger Asylunterkunft. Es ist die grösste kantonale Unterkunft im Aargau, mit Platz für bis zu 170 Bewohner. Bei den Asylbewerbern handelt es sich grösstenteils um Familien. Ihre Kinder besuchen grösstenteils Extraklassen, welche alleine für die Zofinger Asylbewerber eingerichtet wurden. Kindergartenkinder, aktuell sind es drei, gehen aber in den normalen Kindergarten.

Als der Kanton die Asylunterkunft im vergangenen Dezember eröffnete, ging man davon aus, dass die Familien jeweils nicht lange in Zofingen bleiben. «Wir rechneten mit sechs bis neun Monaten, oder sogar nur drei bis vier Monaten bei schnellen Entscheiden», sagt Thomas Weyermann, Gesamtleiter der Schule Zofingen gegenüber Radio SRF.

Kindergartenkinder machen zu grosse Fortschritte

Nun zeigt sich: Die Asylbewerber bleiben länger. Die Kindergarten- und Schulkinder seien praktisch die gleichen wie zu Beginn, so Weyermann weiter. Das stellt Zofingen vor ein Problem. Denn zwei Kindergartenkinder hätten sehr, sehr grosse Fortschritte gemacht und sich integriert.

«Deshalb haben wir uns entschlossen, sie nach den Sommerferien nicht in die Extraklasse, sondern in die normale 1. Klasse zu schicken», sagt Schulleiter Thomas Weyermann. Genau dies hat der Stradtrat aber versprochen, nicht zu tun.

«  Auf der einen Seite Stand das Wohl der Kinder, auf der anderen Seite diese Aussage gegenüber der Bevölkerung. Ein schwieriger Entscheid. »

Thomas Weyermann
Gesamtleiter Schule Zofingen

Für den Schulleiter ist aber klar: man muss flexibel sein. Derweil könnte bald die nächste Herausforderung auf Zofingen zukommen. Es ist nämlich noch nicht geklärt, wie die Zukunft der Schulkinder in den Extraklassen aussieht. Diese dürfen maximal ein Jahr in den Extraklassen beschult werden, so sehen es die Auflagen des Kantons vor.

Und eben weil die Asylbewerber jeweils länger in der Zofinger Unterkunft bleiben als erwartet, fragt sich die Stadt: was tun, wenn diese Schulkinder Ende Jahr noch immer hier sind? Sie ebenfalls in normale Klassen integrieren, komme nicht in Frage, sagt Schullleiter Thomas Weyermann. Denn die Zofinger Schulklassen seien schon heute stark ausgelastet.