Auch die Aargauer Landwirtschaft kämpft um Nachwuchs

Fast zehn Prozent der Bauernbetriebe sind in den letzten zehn Jahren im Aargau verschwunden. Trotzdem hat die Landwirtschaftsbranche ein akutes Nachwuchsproblem. Schnuppernachmittage sollen Abhilfe schaffen. Die Probleme liegen aber tief.

Kühe auf einem modernen Bauernhof

Bildlegende: Moderne Bauernbetriebe verlangen viel Knowhow: Die Landwirtschaft kämpft deshalb um gute Schulabgänger. Keystone

Verschiedene Berufsverbände beklagen es immer wieder: Es fehlt an Jugendlichen, die sich für bestimmte Berufe entscheiden. Hansueli Häfliger ist also in guter Gesellschaft. Der Leiter des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums Liebegg in Gränichen nennt denn auch allgemein bekannte Gründe für die Nachwuchsprobleme: «Es drohen geburtenschwache Jahrgänge. Dazu kommt, dass sich immer mehr Junge für die Kanti, für eine Maturität entscheiden.»

Diese Leute fehlen den handwerklichen Berufen, und nun also auch der Landwirtschaft. Das Umfeld für Jungbauern sei anspruchsvoll geworden, erklärt Häfliger gegenüber Radio SRF. «Die Bauern müssen Gesetze kennen, komplizierte Maschinen bedienen, sie sind Unternehmer.» Dazu komme ein grosser Bedarf an landwirtschaftlich ausgebildeten Fachleuten in vor- und nachgelagerten Bereichen.

Schnuppertage mit 40 Jugendlichen

«Längst nicht jeder Landwirt arbeitet auf einem Bauernhof», stellt Häfliger klar. Ein eigener Hof sei deshalb auch schon lange keine Bedingung mehr, um in die Landwirtschaftsbranche einsteigen zu können. Die Karrieremöglichkeiten seien vielfältig: Technikerschule, Fachhochschule, Betriebsleiterausbildung. Auch die Bauern kämpfen also nicht nur generell um Nachwuchs, sondern vor allem auch um gut qualifizierten Nachwuchs.

Im Kampf um Nachwuchs und gegen das überholte Image der Branche gehen der Aargauer Bauernverband und die Landwirtschaftliche Schule Liebegg nun neue Wege. Sie haben am Mittwoch einen ersten Schnupper-Nachmittag organisiert, ein zweiter folgt am Donnerstag und in der Folgewoche.

«Die Jugendlichen können hier direkt mit dem Betriebsleiter ins Gespräch kommen, sie haben die automatische Melkmaschine gesehen, können sich vor Ort ein viel klareres Bild machen als mit irgenwelchen Broschüren», fasst Häfliger die Vorteile dieses Tages zusammen. Er wertet die Aktion bereits vor ihrem Ende als Erfolg: Gegen 40 Jugendliche hätten sich angemeldet. «Das hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen».

Hansueli Häfliger will deshalb auch weiterhin solche Schnupper-Nachmittage organisieren. Um das Nachwuchsproblem in der Landwirtschaft zu lösen, braucht es wohl noch einiges an Durchhaltewillen.