Auch hier hat Solothurn noch Land

«Steuern bezahlen wir nach Solothurn, arbeiten gehen wir nach Basel und essen ins Elsass», pflegen die Leimentaler zu sagen. Dass sie seit 500 Jahren Solothurner sind, feiern sie trotzdem. Und die Regierung feierte am Dienstag mit. Mit einer Sitzung weit weg von der Hauptstadt.

Seine komische Form hat der Kanton Solothurn unter anderem dem Hinteren Leimental zu verdanken. Fünf Gemeinden bilden eine Exklave, die von Frankreich und dem Baselbiet umgeben ist: Hofstetten-Flüh, Witterswil, Bättwil, Rodersdorf und Metzerlen-Mariastein.

Weil das Leimental seit 500 Jahren zum Kanton gehört, stattete ihm die Regierung aus der fernen Hauptstadt am Dienstag einen Besuch ab und hielt ihre Sitzung im Oberstufenzentrum in Bättwil ab. Über 40 interessierte Erwachsene und 12 Schüler verfolgten, was die Regierung beschloss, unter ihnen auch der ehemalige CVP-Regierungsrat und Leimentaler Klaus Fischer.

«Uns geht es sehr gut»

Mann mit weissen Haaren und Brille vor einem SRF-Mikrofon

Bildlegende: Ex-Regierungsrat Klaus Fischer ist im Organisationskomitee zur 500-Jahr-Feier des Leimentals. SRF

SRF-Regionaljournal: Klaus Fischer, Was bringt es den Leimentalern, wenn die Solothurner Regierung bei ihnen eine Sitzung abhält?

Klaus Fischer: Für uns als Randregion, wo die Bevölkerung nicht sehr nah an der Solothurner Politik ist, war es ganz wichtig, dass sich die Gesamtregierung hier mal gezeigt hat. Und es war wohl auch für die Regierung interessant, uns hier mal auf diese Art kennen zu lernen.

Als nördlichster Zipfel des Schwarzbubenlandes ist das Leimental eine Randregion einer Randregion, weit weg von der Hauptstadt Solothurn. Wie geht es euch?

Uns geht es sehr gut. Und wenn ich sage sehr gut, hat das natürlich mit der Nähe zu Basel zu tun. Unsere Leute aus dem Leimental arbeiten praktisch zu hundert Prozent in den Kantonen Baselland und Basel Stadt. Da ist sicher die Chemie zu erwähnen, die Bankenwelt, die Universität, die uns gute und sichere Arbeitsplätze bieten. Also rein wirtschaftlich gesehen geht es uns sehr gut.

Wir kommen uns eigentlich nicht abgenabelt vor von Solothurn. Weil die Solothurner Regierung sehr grosszügig und gut mit uns umgeht. Das sieht man im Zusammenhang mit der Schulpolitik: Wir können die weiterführenden Schulen in Basel besuchen.

Die Leimentaler gehören wohl gerne zu Solothurn, sonst würden sie das 500-Jahr-Jubiläum ja nicht feiern. Aber was hat denn das Leimental davon, dass es zu Solothurn gehört?

Wir haben eine gewisse Eigenständigkeit. Die Gemeindeautonomie ist viel grösser als beispielsweise im Nachbarkanton Baselland. Das habe ich damals erfahren, als ich Gemeindepräsident war von Hofstetten-Flüh und meine Baselbieter Kollegen eifersüchtig waren, welche Möglichkeiten wir halt doch haben im Kanton Solothurn.
Und auf der anderen Seite ist es uns ganz wohl, dass wir 6000 Leimentaler uns als eigenständige Volksgruppe festigen und eine Eigenständigkeit entwickeln können.

Die «Partei des hinteren Leimentals» sieht das anders. Sie findet, es gebe nichts zu feiern. 1515 habe das Leimental seine Selbstbestimmung verloren, von «Fremdherrschaft» ist die Rede. Das tönt, als möchten sich einige von Solothurn abspalten. Ist denn das eine Minderheit, die so denkt?

Wann haben Sie denn das letzte Mal von dieser Gruppierung etwas gehört? Ich habe vor einem Jahr das letzte Mal von denen gehört, als sie in Zusammenhang mit unseren Festivitäten sich mal in einer regionalen Zeitung geäussert haben. Das sind ein paar jüngere Leute, die aber keinen Einfluss haben. Und was heisst denn Fremdherrschaft? Wenn wir bei Baselland wären, würde es wahrscheinlich heissen, wir wären unter der Herrschaft der Hauptstadt Liestal oder von Basel.

Das Leimental ist froh um eine gewisse Eigenständigkeit, sagen Sie. Und was hat denn der Kanton Solothurn vom Leimental?

Gute Steuerzahler!

Das Gespräch führte Marco Jaggi.

Das geschah 1515

Als die Solothurner im Mittelalter ihr Territorium ausdehnen wollten, sahen sie sich dem übermächtigen Bern gegenüber. Die Berner hatten sich im Süden und Osten (Aargau) festgesetzt. Solothurn blieb nur noch, sich einen Weg im Jura zu bahnen. Dort kaufte es, was es konnte, unter anderem 1515 die Herrschaft der Adelsfamilie von Rotberg.