«Auch junge Leute geben gerne etwas mehr aus für gute Qualität»

Die Kostümeria wurde 1988 im Kanton Zug gegründet, seit 1995 betreibt Geschäftsinhaberin Thérèse Gasser den Kostümverleih im aargauischen Sins. Zentral gelegen, mit Kundschaft aus der Innerschweiz, dem Kanton Solothurn und aus der Region. Rund 5000 Kostüme werden hier vermietet, allesamt Handarbeit.

Der Kostümverleih von Thérèse Gasser ist weit über die Region hinaus bekannt. Die 66-Jährige weiss, was sie tut. Seit über 20 Jahren schneidert sie Kostüme, von Theaterkostümen über Strassenkleider für die Fasnacht bis hin zu Tierkostümen – alles von Hand genäht.

Die strengste Zeit hat die Inhaberin der Kostümeria Sins von Oktober bis Ende Fasnacht, am Ruhigsten ist es im Juni und Juli. Umsatz- oder Gewinnzahlen gibt die Unternehmerin nicht bekannt. Sie komme durch, sagt sie im Interview mit Radio SRF. Es laufe gut, auch wenn man spüre, dass nicht mehr alle gleich viel Geld haben wie auch schon, sagt Thérèse Gasser weiter.

«Kostüme wie Cowboys oder Saloon Girls kommen nie aus der Mode, die laufen immer», weiss Gasser. Aber auch Rokoko-Kostüme seien momentan in, sagt die Schneiderin. Die ganz teuren Rokoko-Kostüme leiht sie aber nicht an Fasnächtler aus. Diese seien zu kostbar für die Strassenfasnacht. Dafür hat sie eigens günstigere Versionen genäht.

5000 handgemachte Kostüme für jeden Geschmack

In Sins werden alle Kostüme entworfen, genäht, ausgeliehen, gewaschen und gebügelt. Ein günstiges Kostüm kostet 28 Franken pro Tag/Wochenende, zum Beispiel ein Kleid im Stil der 60er-Jahre. Ein eher teures Kostüm, zum Beispiel im Mittelalter-Stil, kann gut um die 300 Franken kosten, rechnet Gasser vor.

Die Konkurrenz durch Online-Shops spürt Gasser zwar, aber die Konkurrenz sei keine grosse Bedrohung, sagt die gelerne KV-Frau aus dem Kanton Zug. «Auch junge Leute geben gerne Geld aus, wenn die Qualität stimmt». Iher Kostüme bestehen nie aus Nylon, sondern aus Leinen oder Baumwolle, «damit die Kleider nicht riechen, wenn man schwitzt».

Gerade Kostüme für Motto-Parties oder Motto-Hochzeiten seien bei Jungen immer gefragter. Hier zähle der perfekte Schnitt oder echtes Leder, deshalb sei die Nachfrage trotz Online-Konkurrenz nach wie vor gut, freut sich Gasser.

Kostümwünsche werden alle erfüllt

Sie habe viele Stammkunden, aus der ganzen Innerschweiz, aus Brunnen, Cham, Baar, aber auch aus dem Kanton Solothurn oder dem Aargau fahren Kunden nach Sins, auf der Suche nach dem perfekten Kostüm. Sie mache alles, sie brauche einfach genug Vorlaufzeit, sagt Thérèse Gasser und zeigt ihr Nähatelier.

Nähmaschinen aus ehemaligen Textilfabriken, neue Geräte, Stoffe, ein Zuschneidtisch und viele Accessoires zieren die über 700 Quadratmeter ihres Geschäfts. Die Kostüme werden hier nicht nur vermietet, sondern bei Bedarf auch massgeschneidert hergestellt oder angepasst. Eine Gugge habe Kostüme zum Thema «Eine Nacht in Venedig» massschneidern lassen, das seien meist ältere Guggen, die die Qualität schätzten. Kostenpunkt: bis zu 2500 Franken das Stück (Kaufpreis).

Die 66-jährige Schneiderin will noch ein paar Jahre weitermachen. Was danach passiert, weiss sie noch nicht. Sie hoffe auf eine gute Nachfolgeregelung.

Kostümeria Sins

  • 4500 bis 5000 handgenähte Kostüme kann man in der Kostümeria mieten
  • Aushilfen helfen die strenge Fasnachtszeit zu überbrücken
  • Cowboys, Saloon-Girls und Piraten laufen immer, sagt Inhaberin Thérèse Gasser
  • Aufwändige Kostüme waren z.B. ein Massai-Krieger oder Guggenkostüme «Eine Nacht in Venedig»
  • Umsatz-/Gewinnzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt