Auf den Spuren der Aarauer Taubenplage

Die Altstadtbewohner haben genug von den Tauben. Die Vögel haben sich in den letzten Jahren enorm vermehrt. Es reicht, findet auch die Stadt Aarau. Sie hat einen Experten geholt und hat einen Plan, um die Population in den Griff zu bekommen. Ein Augenschein.

Vormittag in der Aarauer Altstadt. Menschen mit Einkaufstüten. Spaziergänger. «Eigentlich bin ich tierfreundlich, aber hier sind es einfach zu viele Tauben», sagt einer Spaziergänger in das Radio-SRF-Mikrofon. Und seine Begleiterin ergänzt: «Wenn sie ihr Geschäft direkt neben meinen Füssen verrichten, dann ist das einfach eklig.»

Eklig sind Aaraus Stadttauben vor allem in den sogenannten Ehgräben. Die engen, hohen Gräben zwischen den Altstadthäusern. Dort, wo die Menschen früher ihren Abfall hineinkippten. Heute leben dort tausende Tauben. Wie viele genau, weiss niemand. Klar ist: es sind zu viele.

Stadt spricht von «massiver Taubenplage»

Die Altstadtbewohner haben reklamiert. Die Stadt hat die Situation untersucht und gibt ihnen Recht. Vor rund zwei Monaten hat sie bekannt gegeben, dass Aarau eine «massive Taubenplage» hat, und dass Massnahmen ergriffen werden. Erste Massnahme: Taubenexperte Guiseppe Graziano engagieren. Er hat bereits Olten bei seiner Taubenproblematik geholfen.

Grazianos Arbeit besteht darin, zwei Taubenschläge in Aarau aufzubauen. Zwar existiert bereits einer im Dachstock eines Hauses im Kasinopark. Dieser wurde allerdings nicht professionell betrieben, und hat deshalb nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Nun übernimmt der Taubenexperte.

Aus tausenden sollen hunderte Tauben werden

Die Stadt Aarau vergrössert einerseits den bestehenden Taubenschlag, andererseits baut sie einen zweiten. Der Standort ist noch nicht bestimmt. «Ziel ist, dass wir in fünf bis sechs Jahren noch 200 Stadttauben haben, die in diesen Taubenschlägen kontrolliert leben und die wir füttern, sodass sie nicht mehr in der Altstadt bei den Menschen betteln», sagt Elisabeth Kaufmann von der städtischen Umweltfachstelle.

Wie kommen die Tauben von den Ehgräben in den Taubenschlag? Experte Graziano fängt sie ein. Kranke Tiere «entfernt» er. Genauer ausführen, was das heisst, möchte er zwar nicht, es dürfte aber soviel wie Töten heissen. Eine weitere Massnahme ist die Geburtenkontrolle. Guiseppe Graziano sammelt Taubeneier ein und ersetzt sie durch Gipseier.

Bei seiner Arbeit verbringt er viel Zeit in den Ehgräben. Kein schöner Arbeitsort. Die Böden dort sind mit Kot und Federn übersäht. Obwohl Werkhof-Mitarbeiter die Gräben jede Woche putzen. «Sehen sie hier, diese junge Taube ist vielleicht eine Woche alt», sagt der Taubenexperte und zeigt in die hinterste Ecke des Grabens. Dort ist ein Nest, neben der Babytaube liegen drei Eier. Graziano wird sie später einsammeln. Vielleicht erwischt er dann auch die Taubenmutter.

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr)