Baden tut sich schwer mit der Villa Langmatt

Vielleicht hätte der Einwohnerrat von Baden am Dienstagabend Geld bewilligt für die Villa Langmatt. Doch er konnte dann gar kein Geld sprechen, denn der Stadtrat zog seine Vorlage zurück. Es wäre darum gegangen, eine Vision für die Zukunft des Impressionisten-Museums zu entwickeln.

Die Villa Langmatt werde dieses Jahr den Besucherrekord brechen: Bis August habe man über 8000 Eintritte registriert, sagte Stadtrat Erich Obrist an der Sitzung des Einwohnerrats vom Dienstag. Er sagte aber auch, dass die Zukunft des Museums gefährdet sei, ganz egal, wie viele Eintritte man zähle. Der Unterhalt lasse sich einfach nicht über die Eintritte finanzieren, betont Obrist im Gespräch mit Radio SRF.

Ein Wohnhaus als Museum

Als Gründe nannte der Stadtrat verschiedene: Das Gebäude ist fast 120 Jahre alt und noch fast im Originalzustand. Die Substanz sei marode. Immer wieder müssten notfallmässig Sicherungsmassnahmen vorgenommen werden. Besonders prekär war die Situation bis vor Kurzem im Lagerraum. Alte Leitungen hätten dort jederzeit brechen können. Die Sammlung könnte dadurch grossen Schaden nehmen. Inzwischen hat man mit baulichen Massnahmen Abhilfe geschaffen.

Lücken gibt es aber auch im Brandschutz, beim Schutz vor Einbrechern und bei den klimatischen Verhältnissen im Haus. Dieses wurde gar nicht als Museum gebaut. Es war das Wohnhaus der Industriellenfamilie Brown, Mitgründer des Weltkonzerns Brown, Boveri & Companie.

Bürgerliche Kritik

Die Villa Langmatt brauche eine Totalsanierung, findet der Badener Stadtrat. Bevor man aber damit beginnen könne, müsse man eine Vision haben für die Zukunft des Hauses. Deshalb setzte der Stadtrat für die Sitzung vom Dienstag einen Antrag von 200’000 Franken auf die Traktandenliste. Mit diesem Geld könne man Ideen erarbeiten, zusammen mit Fachleuten, so die Stadtregierung.

Museum Langmatt: Schönes altes Gebäude in Parkanlage

Bildlegende: Das Museum Langmatt ist im ehemaligen Wohnhaus der Industriellenfamilie Brown untergebracht und braucht eine Sanierung. zvg: Schweiz Tourismus

Als die Einwohnerratspräsidentin dann aber das entprechende Traktandum aufrief, erklärte Stadtrat Erich Obrist sogleich, dass der Stadtrat das Traktandum zurückziehe. Bei den Vertretern von SP und Grünen sorgte das für Irritationen. In den Voten, die ihre Vertreter dann abgaben, obwohl das Traktandum eigentlich zurückgezogen worden war, wurde deutlich, dass sie dem Betrag gern zugestimmt hätten.

Anders tönte es aber von bürgerlicher Seite. Es sei richtig, dass man für die Langmatt eine Vision brauche, sagten ihre Verteter. Aber die Vorlage des Stadtrates sei unklar. Man wisse zum Beispiel nicht, welche Rolle der Stadtrat spiele und wo die Stiftung Langmatt ins Spiel komme. Diese Stimmen hatte der Stadtrat schon nach der Beratung in der Finanzkommission gehört. Deshalb beschloss er am Tag vor der Einwohnerratssitzung, dass er das Traktandum zurückziehen und eine Zusatzrunde drehen würde.

Villa Langmatt

John Brown vererbte 1987 sein Wohnhaus mitsamt der ganzen Kunstsammlung und einem Betrag von rund 10 Millionen Franken der Stadt Baden. Diese brachte das Erbe in die Stiftung Langmatt ein, die formell Besitzerin ist des Museums. Die Stiftungserträge reichen aber nicht aus, um die Zukunft des Museums zu sichern.