Badener Familienzentrum hat definitiv eine Zukunft

Nach dem Ja des Einwohnerrats Baden hat nun auch das Wettinger Parlament Geld für das Familienzentrum Karussell bewilligt. Wettingen gibt jährlich 50'000 Franken. Der Einwohnerrat von Baden hat Mitte Juni 230‘000 Franken jährliche Betriebsbeiträge gesprochen.

Radio-Reporter hält die Vorlage «Karussell» in der Hand

Bildlegende: Der Betrieb des «Karussells ist mit der Geldspritze der Einwohnerräte Baden und Wettingen sichergestellt. SRF

Das Familienzentrum Karussell existiert seit 16 Jahren. Seit längerer Zeit hangelte es sich aber von Krise zu Krise. Die Mittel des privaten Trägervereins reichten nirgends hin. Im Vorstand gab es viele Wechsel. Frequentiert wurde das Zentrum in letzter Zeit fast nur noch von Ausländerinnen.

Das niederschwellige Angebot hat mit dem Entscheid des Wettinger Parlaments eine Zukunft. Jährlich hat es 50'000 Franken bewilligt (für die Jahre 2015/2016). Hinzu kommen 20'000 für den Umbau des Zentrums. Nach der unerwarteten Geldspritze aus Baden hat man auf den Entscheid in Wettingen gewartet. Der Beitrag kam mit 30:16 Stimmen durch.

Längere Diskussion im Badener Parlament

Der unverhoffte Geldsegen des Einwohnerrates hilft dem Zentrum wieder auf die Beine. Um den Betrieb stabil zu machen, hatte der Stadtrat 180‘000 Franken pro Jahr beantragt. Mit diesem Geld sollte unter anderem die volle Stelle der Betriebsleiterin finanziert werden. Für diese ist ein Lohn von 74‘000 Franken eingesetzt.

Viel zu wenig sei das, kritisierte die SP an der Einwohnerratssitzung Mitte Juni. Es sei einer Stadt wie Baden nicht würdig, einen solch tiefen Lohn zu bezahlen. Die SP beantragte, den jährlichen Betriebsbeitrag um 50‘000 Franken auf 230‘000 Franken aufzustocken. Dabei erhielt sie breite Unterstützung. Auch die FDP gab flammende Voten ab für den erhöhten Betriebsbeitrag.

In der Schlussabstimmung war die Sache klar: 40 Ja gegen nur 4 Nein. Das Geld fliesst für die nächsten vier Jahre. Das «Karussell» funktioniert als ein Pilotbetrieb mit einem Leistungsauftrag der Stadt Baden. Zur Neuausrichtung gehört auch der Umzug von den engen Räumen am Kirchplatz in neue Räume an der Haselstrasse.

Niederschwellige Anlaufstelle

Dort will das «Karussell» diverse Dienstleistungen für Familien mit Kindern im Vorschulalter anbieten. Das Stichwort bei diesen Angeboten heisst «niederschwellig». Anmelden muss man sich nicht. Im Familienzentrum gibt es einen Treffpunkt und einen Informationsstand. Auch wer Beratung sucht, findet diese. Die Mütter- und Väterberatung soll in Zukunft ins «Karussell» integriert sein.

Zu den regelmässigen Veranstaltungen gehören Sprachkurse für Ausländerinnen, Väter-Zmorge, Eltern-Kind-Gruppen und Kurse für Eltern. Auch eine Babysitter-Vermittlung gehört zum «Karussell». Ein vielfältiges Angebot, wurde in der Diskussion im Einwohnerrat immer wieder betont. Es bestehe aber auch die Gefahr von Doppelspurigkeiten.

Die Stadt selber hat die Abteilung Kinder, Jugend, Familie (KJF). Diese Abteilung ist aufgefordert, ein Teil des Geldes, das nun ins Familienzentrum fliesst, bei sich zu kompensieren. Ob das wirklich passieren wird, konnte die zuständige Stadträtin Daniela Berger aber nicht sagen. Für Kopfschütteln sorgte sie, als sie sagte, die Kosten von KJF würden in Zukunft eher noch steigen.

Die finanziellen Aussichten der Stadt waren es denn auch, die in der Diskussion zu reden gaben. Gegen das Familienzentrum als solches sprach sich keine einzige Fraktion aus. Aber die SVP sagte, Baden könne sich die Ausgaben für das «Karussell» momentan einfach nicht leisten. Die Kosten seien im Investitionsplan nicht einmal vorgesehen, kritisierte sie. In der Schlussabstimmung unterlag die SVP dann aber deutlich.