Badener Rektor will Wissen über Oldtimer-Autos bewahren

Der Lenzburger Rudolf Siegrist ist Rektor an der Berufsfachschule Baden. Er setzt sich für das Wissen über Oldtimer-Autos ein; Autos, die mindestens 30 Jahre alt sind. Wenn Besitzer von restaurierten Fahrzeugen altershalber sterben, dann verschwindet das Knowhow über die Fahrzeuge. Was tun?

Die Idee zur Bewahrung des Knowhows über historische Autos verdankt Siegrist seinem Hobby. Er bedauerte, dass immer mehr Wissen über Oldtimer verloren geht. Deshalb setzte er sich für eine neue Ausbildung ein, jene des Fahrzeugrestaurators. Der Weg dahin war aber von Hürden und Finanzierungsauflagen geprägt.

Einige Fakten:

  • Als Oldtimer gelten historische Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind.
  • Youngtimer sind Liebhaberfahrzeuge, die älter als 20 aber jünger als 30 Jahre alt sind.
  • Umsatz in der Old- und Youngtimerbranche in der Schweiz: Zirka 500 Millionen Franken pro Jahr.
  • 500 Fachkräfte gehen in den nächsten 5 Jahren in Rente, das bedeutet einen Knowhow-Verlust.
  • Ungefähr 70'000 Oldtimer sind in der Schweiz registriert.
  • Ausbildung als Fahrzeugrestaurator/in gibt es erst seit Ende 2015.
  • Damit es so weit kam, brauchte es mindestens vier Jahre Vorbereitung, sagt Rudolf Siegrist, Initiant der Ausbildungsrichtung, gegenüber Radio SRF.
  • Es gibt für die Ausbildung sieben Ausbildungsorte in der ganzen Deutschschweiz. Nun sollen auch in der Westschweiz und im Tessin entsprechende Ausbildungsangebote entstehen.
  • Wer die Ausbildung machen will, muss eine technische Grundbildung vorweisen und muss sich für einen Platz bewerben.

Ruedi Siegrist ist über den Arbeitsort Baden und den Wohnort Lenzburg hinaus bekannt. Nicht nur wegen seines Berufs als Rektor der Berufsschule Baden, sondern auch wegen seines Hobbys. Ruedi Siegrist ist nämlich – seit er 27 Jahre alt ist – fasziniert von Oldtimern. Öfters fährt er mit einem der eigenen Oldtimer zur Arbeit.

Siegrist hat immer wieder alte, verrostete, nicht originalgetreu umgebaute Oldtimer erstanden und dann in mühsamer Handarbeit, in der Freizeit, restauriert.

Schrauber basteln jedes Wochenende an ihren Fahrzeugen

Man spürt beim Besuch in der Werkstatt im unteren Aaretal: Die Oldtimer sind mehr als nur Autos für ihn. Sie sind Zeitzeugen, Herzblut, investierte Zeit, Ausgleich zum Beruf. «Es braucht immer eine Weile, bis die Hände machen, was das Hirn sagt. Aber dann ist die Arbeit am Auto sehr entspannend».

Zusammen mit Gleichgesinnten ganz unterschiedlichen Alters schraubt er jedes Wochenende an einem der Old- oder Youngtimer, diskutiert mit anderen Oldtimer-Fans über mögliche Lösungen für Probleme bei der Mechanik, dem Umbau, der Restauration der Autos. Der jüngste «Schrauber» ist unter 30, der älteste der Gruppe über 70. Sie alle fasziniert die Technik, die Eleganz, die Geschichte der Oldtimer.

Alle Old- und Youngtimer sind noch fahrtauglich

Automodell

Bildlegende: Wie funktioniert ein Auto mechanisch? Ein Querschnitt, der ganz früher in Fahrschulen gezeigt wurde. Christiane Büchli/SRF

Rileys, Jaguars, Healeys stehen in der mittelgrossen Halle im Unteren Aaretal. Wo genau möchte die «Schraubergemeinschaft», wie sie sich selbst sagt, nicht öffentlich bekannt machen. Schliesslich haben die eingelagerten Fahrzeuge einen hohen Wert, finanziell aber vor allem auch emtional. Es dauert Jahre, bis ein Auto wieder fahrtüchtig restauriert ist.

Es sind über zehn elegante Fahrzeuge von früher. Sie erinnern an vergangene Zeiten in Amerika oder England, an alte James-Bond-Filme, an Formel-1-Rennen von damals, eine Art lebendiges Museum. Jedes Wochenende wird geschraubt, verkabelt, gefräst, lackiert – bis die Oldtimer wieder aussehen und fahren wie damals.

Die Fahrzeuge fahren nämlich alle noch, zum Teil an Bergrennen, zum Teil einfach zur Freude in der Freizeit. Das Ziel der engagierten «Schrauber» ist es die Old- und Youngtimer wieder zu Laufen zu bringen.

Jetzt, im Oktober, ist das Einwintern der Fahrzeuge angesagt. Die Autos werden überholt und gewartet, damit sie im Frühling wieder fahrtüchtig sind. Die sehr wertvollen Fahrzeuge werden aufgebockt, damit die Räder nicht den ganzen Winter unter Druck stehen.

Viele Hürden auf dem Weg zur Ausbildung

Damit sie allerdings nicht nur von Saison zu Saison fahrtüchtig bleiben, sondern auch kommende Generationen wissen, wie man die alten, mechanischen Autos ganz ohne Elektronik und Computer am Laufen hält, hat Rudolf «Ruedi» Siegrist für die Ausbildung als Fahrzeugrestaurator/in gekämpft. Er hat nicht locker gelassen und musste Vereine gründen, die Finanzierung der Ausbildung sichern und den Autogewerbeverband überzeugen.

Er hat mit seinem Anliegen nämlich nicht unbedingt offene Türen eingerannt, erinnert er sich. Aber er hat die Zuständigen überzeugen können, seine Ideen wurden umgesetzt, die Ausbildung steht.

Seit einem Jahr läuft der erste Ausbildungsgang, 15 Personen werden ausgebildet. Die Module dazu sind in der Deutschweiz also schon gestartet. In der Westschweiz und im Tessin sollen sie folgen.

Siegrist will eigene Ausbildung absolvieren

Die Auszubildenden sind altersgemischt und müsssen ein gewisses Vorwissen mitbringen, wenn sie sich für die Ausbildung bewerben, erklärt Ruedi Siegrist im Interview mit Radio SRF. Ideal ist eine Ausbildung also Automobilfachmann, aber nicht zwingend.

Bald wird Ruedi Siegrist pensioniert. Dann hat er mehr Zeit für seine Oldtimer-Leidenschaft. Und er will die von ihm angestossene Ausbildung selbst absolvieren. Er müsse noch viel über die historischen Fahrzeuge lernen, ist er überzeugt. Als Rektor könne er dann wiederum pädagogisch etwas aushelfen, falls es das in der Ausbildung brauche, sagt er im Interview.

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 12:03 und 17:30 Uhr, buec)

Verband IG Fahrzeugrestauratoren Schweiz