Solothurner Wald Bäume pflegen anstatt holzen

Mit dem Holzverkauf machen Solothurner Waldbesitzer keinen Gewinn. Als Ausgleich bieten sie Dienstleistungen an.

Mit Schweizer Holz lässt sich seit einiger Zeit nicht mehr allzu viel Geld verdienen. Die Preise sind seit mehreren Jahren tief. Auch die Forstbetriebe im Kanton Solothurn machen mit der Waldbewirtschaftung keinen Gewinn. Dies zeigen die neusten Zahlen aus der Periode 2015/2016.

Man habe mit dem eigenen Wald ein Defizit von einer halben Million Franken eingefahren, heisst es in der forstlichen Betriebsabrechnung des Bürgergemeinden- und Waldeigentümer-Verbandes Kanton Solothurn (BWSo). Im Kanton Solothurn besitzen die Bürgergemeinden einen Grossteil des Waldes.

Defizit mit Dienstleistungen decken

Motorsäge sägt Baum.

Bildlegende: Kein Gewinn mit der eigenen Holzerei, dafür ein Plus bei anderen Aufträgen der Solothurner Forstbetriebe. Colourbox

Trotz des Defizits bei der Holzproduktion fällt die Gesamtrechnung des Verbandes positiv aus – zum ersten Mal seit zehn Jahren. Die Forstbetriebe im Kanton Solothurn erzielten 300'000 Franken Gewinn. Dank des Bereichs «Dienstleistungen», der bei einem Umsatz von rund 10 Millionen Franken 1 Million Gewinn gemacht hat. Dieser Bereich halte die Forstbetriebe sprichwörtlich über Wasser, heisst es in der Rechnung.

Als Dienstleistungen werden «klassische kleinere Aufträge» erwähnt wie Gartenholzerei oder Baumpflege. Auch Grossprojekte wie Renaturierungen von Flüssen oder Holzernte in Privatwäldern gehörten dazu. Der Dienstleistungsbereich sei deshalb auszubauen, so das Fazit.

Wald als Dienst an der Öffentlichkeit

Dass die Solothurner Forstbetriebe mit Bau- und Cheminée-Holz, Deckästen oder Tannenbäumen nicht viel Geld verdienen könnten, daran habe man sich in den letzten Jahren gewöhnen müssen, sagt Lorenz Bader von der Geschäftsstelle des BWSo. Die meisten Solothurner Waldeigentümer investierten mehr Geld in ihre Waldflächen, als sie daraus erwirtschaften könnten. Dies im eigenen Interesse, aber auch als Dienst für die Öffentlichkeit.

Die Forstbetriebe hätten aber ein grosses Know-how, wenn es etwa ums Fällen grosser Bäume gehe. Und dieses Wissen könnten die Bürgergemeinden auf dem Markt anbieten – etwa bei der Baumpflege oder aktuell bei der Renaturierung von Aare und Emme.

Als Angriff auf private Forstwirtschaftsbetriebe, Gärtnereien oder Baumpfleger sieht Bader dieses Angebot nicht. Die Preise der Bürgergemeinden seien keine Dumping-Angebote. Schon weil sie einen Gewinn erzielen wollten, würden Angebote zu Marktpreisen gemacht. Zudem böten die Forstbetriebe ihre Dienste bereits seit mehreren Jahren an. In den letzten Jahren habe sich dieser Bereich aber zu einem wichtigen Standbein entwickelt, um die defizitäre Waldpflege zu finanzieren.

Abgeltungen von Leistungen im und am Wald

Gestützt auf das Waldgesetz zahlt der Kanton Solothurn Waldbesitzern jährlich 35 Franken pro Hektare Wald. Zudem legt noch jede Einwohnergemeinde 5 Franken pro Einwohner und Jahr in die Kasse der Waldbesitzer (Wald-Fünfliber). Die Solothurner Waldbesitzer erhalten somit total rund 2.5 Millionen Franken vom Kanton und den Einwohnergemeinden.
Auch im Aargau verlangen die Waldbesitzer Geld von den Steuerzahlern. Und zwar nicht wie bisher 5 Millionen Franken pro Jahr, sondern mindestens 16 Millionen Franken. Diese Forderung steht in einer Volksinitiative, die im Frühling 2017 zustande gekommen ist.