Bahnhofareal Lenzburg platzt aus allen Nähten: Wie weiter?

Der Bahnhof Lenzburg wurde in den 60er-Jahren geplant, 1974 gebaut und seither kaum verändert. Heute stösst das ganze Areal an seine Grenzen. Mit aktuell rund 25'000 Ein-und Aussteigebewegungen pro Tag sind Unterführungen und Perrons zu eng. Das wirkt sich auch auf die Sicherheit der Pendler aus.

Lenzburg hat über 9000 Einwohner, das alleine wäre bezüglich der Kapazität des Bahnhofs noch kein Grund zur Sorge. Aber das Einzugsgebiet der Zentrumsgemeinde Lenzburg wächst stetig. Pendler strömen aus dem Freiamt und dem Seetal via Bahnhof ins Städtchen. Rund 25'000 Mal wird in Lenzburg pro Tag in Züge ein- und ausgestiegen, künftig rechnen SBB und Stadt gar mit 40'000 solchen Bewegungen.

«  Es sind alle Bahnhöfe spannend im Aargau. Aber Lenzburg ist jener, der in Sachen Sicherheit dringend eine Lösung braucht. »

Andreas Wingeier
Netzentwickler SBB

Bahnhof und Bahnhofsplatz können die vielen Pendler kaum mehr schlucken. Zu Stosszeiten könne es gut sein, dass man nicht durchkomme und den Zug verpasse, erklärt ein junger Mann auf Perron 2 gegenüber Radio SRF. Gerade die Perrons 2 und 3 sind stark frequentiert. Hier fahren die Züge nach Zürich oder Aarau-Bern. Und genau hier hat die SBB auch Bedenken in Sachen Sicherheit der Pendler.

An gewissen Stellen sind die beiden Perrons so schmal, dass gelbe Kreuze am Boden darauf hinweisen, dass sich hier niemand aufhalten soll. Immerhin donnert alle zwei Minuten ein Schnellzug durch den Bahnhof. Mit 125 Kilometern pro Stunde. Stau auf dem Perron ist deshalb nicht ungefährlich.

«  Alle drängeln durch die Unterführung, es ist eng. Ich habe deswegen auch schon den Zug verpasst. »

Junger Pendler
im Interview mit Radio SRF

Die Rampe zu den Perrons wurde bereits verbreitert. Und auch ein weiterer Treppenaufgang zur Seetalbahn wurde gebaut. Zudem hilft eine neue Busrampe, das Platzproblem der Busse zu verbessern.

Perrons 2 und 3 in Lenzburg, und viele Pendler

Bildlegende: Zu Stosszeiten wird es eng hier, trotz über drei Meter breiter Rampe zur Unterführung. Christiane Büchli/SRF

Trotzdem stauen sich die Pendler regelmässig am Bahnhof, besonders in der Unterführung und auf den Perrons, das weiss auch Martin Steinmann, Lenzburger Stadtrat, aus eigener Erfahrung. Die Region Lenzburg wachse wie das ganze Mittelland, diese Entwicklung könne man nicht bremsen.

«Frust können wir uns nicht leisten, es braucht Lösungen»

Klar habe man Reklamationen aus der Bevölkerung, erklärt Steinmann im Interview mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Frustriert sei er deswegen nicht. Das dürfe man gar nicht sein, sagt er weiter. «Wir müssen eine Lösung suchen. Wir wissen jetzt, dass der ganze Bahnhof umgekrempelt werden muss. Bis alles realisiert ist, dauert das 10 Jahre, das ist einfach so», erklärt Steinmann.

Die Pendler brauchen also noch Geduld. SBB, Stadt und Kanton planen gemeinsam am neuen Bahnhof. Klar ist: Es braucht breitere Perrons, die Anzahl Geleise soll aber gleich bleiben. Zudem überlegt die SBB die Züge nicht mehr entgegengesetzt zu führen, sondern nacheinander.

«So könnten wir die Zitrone noch mehr auspressen, und die Pendler haben immerhin zwei Minuten mehr Zeit das Perron zu verlassen, ohne dass ein Zug vorbeifährt», erklärt Andreas Wingeier von der SBB das Szenario.

Dreistelliger Millionenbetrag nötig

Das braune Bahnhofgebäude aus den 70er-Jahren muss wohl weichen. Nur so lassen sich die Perrons verbreitern. Genaueres wird erst in zwei Jahren bekannt sein, so die SBB gegenüber Radio SRF.

Die SBB spricht von einem dreistelligen Millionenbetrag, den der Bund berappen müsste. Die Stadt Lenzburg müsste für den neuen Bahnhofsplatz aufkommen.

Chronologie

  • 1974 Bau des Bahnhofs Lenzburg
  • 2009: Neugestaltung edes Bahnhofplatzes wird angegangen
  • 2014: Projekt steht, aber muss abgebrochen werden (SBB informiert Stadt, dass Bundesamt für Verkehr neue Richtlinien habe)
  • März 2015: Stadt und SBB planen neue Studien
  • 2019: frühester Baustart für neuen Bahnhof