Bei Beznau 1 gehen die Lichter wohl erst 2016 wieder an

Das AKW Beznau 1 wird wohl erst Anfang 2016 wieder laufen. Das teilt die Nuklearaufsichtsbehörde Ensi mit. Wegen einem möglichen Materialfehler am Reaktordruckbehälter muss die AKW-Betreiberin Axpo Untersuchungen machen. Um diese genau zu prüfen, braucht das Ensi mehr Zeit, als es der Axpo lieb ist.

AKW Beznau

Bildlegende: Der Reaktor 1 des AKW macht der Betreibering Axpo Sorgen. Sie hängt vom Entscheid der Aufsichtsbehörde Ensi ab. Keystone

Mitte Juli war die Beznau-Betreiberin Axpo noch davon ausgegangen, dass sich die Wiederinbetriebnahme von Block 1 des AKW Beznau um drei Monate bis Ende Oktober verzögert. Grund sind die genaueren Untersuchungen am Reaktordruckbhälter. Das hätte zu Ertragsausfällen und zusätzlichen Revisionskosten von rund 50 Millionen Franken geführt. Diese Kosten könnten nun noch weiter ansteigen.

Georg Schwarz, Leiter des Aufsichtsbereichs Kernkraftwerke beim Ensi, stellt in einem am Montag auf der Ensi-Webseite veröffentlichten Interview nun klar, dass Untersuchungen am Reaktordruckbehälter sehr umfangreich seien und lange dauern würden. «Nach heutigem Planungsstand rechne ich damit, dass wir unsere Stellungnahme frühestens im ersten Quartal 2016 fertig gestellt haben.»

Axpo rechnet anders als Aufsichtsbehörde Ensi

AKW Beznau

Bildlegende: Beznau 1, das dienstälteste AKW der Welt, steht noch länger still als geplant. Die neuen Prüfungen sind umfangreicher. Keystone

Die Axpo wiederum rechnet nach wie vor mit einer früheren Inbetriebnahme des Reaktors, heisst es auf Anfrage von Radio SRF. Ihre Aussagen decken sich damit nicht mit jenen des Ensi in Brugg.

Die Axpo hält daran fest, dass man den Reaktor Ende Oktober wieder rauffährt. Das hofft das Unternehmen. Dies nicht zuletzt aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Wie hoch die Kosten wären, wenn Beznau 1 erst wieder 2016 ans Netz geht, kann die Axpo auf Anfrage von Radio SRF noch nicht sagen.

Unregelmässigkeiten entdeckt

Bei der Jahresrevision und beim Einbau eines neuen Deckels für den Reaktordruckbehälter wurden diesen Sommer dank einer neuen Messtechnologie Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters entdeckt. Es handelte sich nicht um Risse, sondern um kleine Verunreinigungen oder um Stellen, an denen das Material eine andere Dichte aufweist.

Beznau 1 könne erst wieder ans Netz gehen, wenn die Betreiber nachgewiesen haben, dass die Sicherheit trotz den Befunden gewährleistet sei, sagte dazu Ensi-Sprecher Sebastian Hueber. Wenn die Axpo für Beznau 1 den Nachweis nicht erbringen kann, könne Block 1 nicht wieder in Betrieb genommen werden, ergänzte Schwarz im Interview.

Reaktorbehälter wird überprüft

Beznau 1 ist nicht der erste Schweizer AKW-Reaktor, dessen Reaktordruckbehälter nach Befunden in den belgischen AKW Doel 3 und Tihange 2 überprüft werden. Der Reaktordruckbehälter des Kernkraftwerks Mühleberg, der aus der gleichen Schmiede wie Doel 3 und Tihange 2 stammt, wurde laut Angaben von Schwarz bereits im Jahr 2012 mit Ultraschallmessungen überprüft.

Im Januar 2013 dehnte das Ensi die Untersuchungen auf alle geschmiedeten Reaktordruckbehälter aus. In einem ersten Schritt habe das Ensi von allen Werken die Überprüfung der Herstellungsdokumente verlangt. Bei Beznau 1 fehlten Detailangaben zur Wärmebehandlung der Schmiedeteile.

Zusätzliche Messungen verlangt

Ohne diese Angaben können damit zusammenhängende Schmiedefehler nicht ausgeschlossen werden, sagt Schwarz im Interview. Trotzdem habe das Ensi auch ohne diesen Bericht eine erste Beurteilung vornehmen können.

Das Ensi hat sich laut Schwarz nicht nur die Dokumente angeschaut, sondern zusätzliche Ultraschallmessungen verlangt. Nur die Ultraschalluntersuchung könne verlässliche Aussagen über den aktuellen Zustand des Reaktordruckbehälters erlauben.

Normalerweise würden gemäss internationalem Standard nur die Schweissnähte in regelmässigen Abständen überprüft. Die Ausdehnung der Untersuchungen auf das Grundmaterial sei wegen der in Belgien festgestellten Befunde angeordnet worden.

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Die Schweiz ohne Atomstrom

2:04 min, aus Tagesschau vom 17.8.2015