Bleibt die Kirche Turgi doch stehen?

Der Gemeinderat von Turgi will ein zweites, wie er betont «unabhängiges» Gutachten, bevor er über den Abriss der alten reformierten Kirche entscheidet.

Für die Kirchgemeinde Birmenstorf-Gebenstorf-Turgi ist klar: Sie will die Kirche und das Pfarrhaus aus dem Jahr 1960 abreissen und stattdessen einen neuen Sakralraum und Wohnungen bauen.

Die Reformierte Kirche in Turgi.

Bildlegende: Abriss oder nicht? Wertvoll oder nicht? An der reformierten Kirche Turgi scheiden sich die Geister. zvg

Gemeinderat zieht Notbremse

Die bestehenden Bauten sind in sehr schlechtem Zustand. Das Dach der Kirche ist nicht dicht, es bräuchte dringend energetische Sanierungen und die beiden grossen Glocken am Glockenturm rosten langsam durch, sodass man nicht mehr mit ihnen läuten darf.

Statt einer teuren Sanierung hat sich die Kirchgemeinde deshalb mit grosser Mehrheit für Abriss und Neubau entschieden. Ein Wettbewerb wurde durchgeführt und das Gesuch Ende März bei der Gemeinde Turgi eingereicht. Diese zieht jetzt jedoch die Notbremse. «Wir wollen ein eigenes Gutachten erstellen lassen,» sagt Gemeindeammann Peter Heiniger gegenüber Radio SRF. «Die Expertise der reformierten Kirche als Bauherrin ist uns nicht unabhängig genug.»

Denkmalschutz oder nicht?

Die neue Expertise soll Klarheit bringen, ob die Kirche unter Denkmalschutz gehört oder nicht. Bis jetzt ist die Kirche nicht auf der Liste des kantonalen Denkmalschutzes, jedoch auf dem sogenannten Kurzinventar. Dieses verpflichtet die Gemeinden, bei Änderungen an Bauten oder deren Abriss genauer hinzuschauen und eine allfällige Unterschutzstellung zu prüfen.

Im Fall von Turgi gibt dieser Schritt den vehementen Gegnern des Abrisses, welche vor allem ausserhalb der Kirchgemeinde zu suchen sind, erneuten Auftrieb.

Die Kirchgemeinde jedoch bleibt weiter im Ungewissen und muss warten. Der Gemeinderat erwartet die Expertise im Laufe des Herbstes und will dann entscheiden.