Brugg: Strombojen in der Aare – Fischer sind skeptisch

Die Fischer möchten vorerst nur einen Testlauf mit einer Boje. Die Brugger Energieversorgerin IBB AG findet diese Idee zwar nicht schlecht, lehnt sie aber ab. Zum Bauen braucht es nämlich eine teure Infrastruktur. Nur eine Boje wäre nicht rentabel.

Rund 10 Meter langes Teil, mit einem Rotor in der Mitte.

Bildlegende: So sieht eine Stromboje aus, wie sie ab 2017 möglicherweise in der Aare bei Brugg im Einsatz stehen wird. ZVG

Sie liefern Strom aus dem Wasser, benötigen aber kein grosses Flusskraftwerk: So genannte Strombojen, eine Erfindung aus Österreich. Die Brugger Energieversorgerin IBB AG möchte sechs dieser Bojen in der Aare einsetzen, beim Brugger Schachen. 425 Haushalte könnten dadurch Strom erhalten. Nun sind aber mehrere Einsprachen beim Kanton eingegangen.

Mehrere Einsprachen

Eine Einsprache stammt vom Aargauischen Fischereiverband, die andere von privaten Fischern, die aufgrund langjähriger Rechte als Besitzer des betroffenen Flussabschnittes gelten. Das bestätigt der Kanton Aargau gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn.

Beide Parteien befürchten, dass die Fische durch die Bojen Schaden nehmen könnten, heisst es bei den Betroffenen auf Anfrage.. Schliesslich fliesse das Wasser durch einen Rotor hindurch, welcher die Fische verletzen oder stören könne, so Kurt Braun, Vizepräsident des Verbandes.

«  Es sind ja recht grosse Bojen, und was das für Folgen für Fische und Fischer hat, ist noch unklar. »

Kurt Braun
Vizepräsident des Aargauischen Fischereiverbandes

Bei der IBB AG hat man Verständnis für diese Ängste. «Es ist ein ganz neues Projekt, das man noch nicht kennt», bestätigt Philippe Ramuz. Er ist bei der IBB AG der Geschäftsleiter des Bereichs Netz-Dienstleistungen. Man habe im Vorfeld schon mit den Fischern Kontakt aufgenommen und das Projekt erklärt. Man wolle nun versuchen, nochmals im Gespräch eine Lösung zu finden.

Fischer bringen neuen Vorschlag

Der Fischereiverband hat gegenüber dem Regionaljournal bereits einen Vorschlag gemacht, wie das Projekt verträglicher werden könnte. «Unser Vorschlag wäre, dass zuerst nur eine statt sechs Bojen platziert wird. Und etwas weiter oben als geplant», erklärt Braun.

Denn der Brugger Schachen sei ein optimaler Ort für Fische zum Laichen, genauer gesagt für die Äsche. Weiter oben, wo es weniger Kies am Grund habe, sei dies weniger problematisch, heisst es beim Aargauischen Fischereiverband. Und mit nur einer Boje könne man erste Erfahrungen sammeln.

IBB AG winkt ab

Für die IBB AG ist dieser Vorschlag im ersten Moment eine gute Idee, doch nicht umsetzbar. «Um die Bojen zu platzieren und zu unterhalten, müssen wir ein spezielles Boot konstruieren», so Ramuz. Dieses kostet rund 350'000 Franken. Dieses Geld könne man nur investieren, wenn sechs Bojen platziert werden. Für eine Boje alleine rentiere das nicht, so die IBB AG.

Die Rentabilität war zuletzt übrigens auch ein Thema bei den Umweltschutzverbänden. So haben sich diese Frage auch Pro Natura und der WWF gestellt. Letzterer gab auf Anfrage bekannt, dass am Dienstagnachmittag noch eine Einsprache an den Kanton geschickt werde.

Weitere Einsprache vom WWF

Es gebe mehrere Fragezeichen. So sei unklar, ob die Fische durch die Strombojen gestört werden und ob die Bojen am richtigen Ort geplant wurden. Pro Natura hat sich – nach internen Abklärungen – schliesslich gegen eine Einsprache entschieden.

Insgesamt rechnet die IBB AG mit Kosten von rund 3,5 Millionen Franken für die geplanten 6 Strombojen in der Aare bei Brugg. Aufgrund der Einsprachen werden die Bojen nun frühestens 2017 platziert – und nicht wie ursprünglich geplant bereits im nächsten Jahr.