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Aargau Solothurn Das Ausbaggern des Klingnauer Stausees bleibt umstritten

Der Klingnauer Stausee bleibt ein Sorgenkind. Weil er verlandet, will ihn der Kanton Aargau ausbaggern. Doch wohin mit dem giftigen Kies, Sand und Schlamm? Auch eine neue Variante, die der Kanton am Freitag vorgelegt hat, stösst auf Widerstand.

Luftaufnahme vom Stausee von Klingnau.
Legende: Der Stausee von Klingnau von oben betrachtet. ZVG

Der Klingnauer Stausee schrumpft. In den letzten 80 Jahren ist das Seevolumen von 7 Millionen Kubikmeter auf weniger als 2 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgegangen. Seit seiner Erbauung verlandet der See immer mehr.

Um die Verlandung zu stoppen und neue Wasserflächen zu schaffen, will der Kanton Aargau den See ausbaggern. Dies würde auch das Nahrungsangebot für Wasser- und Wattvögel und die Lebensbedingungen für die Wasserlebewesen verbessern. Zudem wäre es ein Beitrag für den Hochwasserschutz.

Schwermetalle im Stausee

Doch das Projekt kommt nicht vom Fleck. Das Problem: Kies, Sand und Schlamm im Klingnauer Stausee sind verseucht, weil Fabriken entlang von Aare und Limmat früher ihr Abwasser in die Flüsse leiteten. In den Sedimenten finden sich Schwermetalle und andere Giftstoffe wie PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und PCB (polychlorierte Biphenyle). 2010 wollte der Kanton Aargau 40‘000 Kubikmeter Material ausbaggern und in den Rhein leiten, wo es weggeschwemmt worden wäre.

Allen voran der Aargauische Fischereiverband verhinderte dieses Vorhaben aber mit einer Einsprache. Das Einleiten der giftigen Sedimente hätte sehr negative Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen im Rhein, argumentierten die Fischer.

Kanton will weniger ausbaggern

Nun präsentiert der Kanton Aargau ein neues Projekt. Er will am linken Seeufer nur noch 28‘000 Kubikmeter Kies, Sand und Schlamm ausbaggern und 8‘000 Kubikmeter davon in Deponien entsorgen. Es handelt sich dabei um Sedimentabschnitte, deren stoffliche Belastung über den Grenzwerten der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) liegt.

Das übrige Feinmaterial von 20‘000 Kubikmeter soll allerdings weiterhin in den Fluss geleitet werden. Es soll unmittelbar vor dem Zusammenfluss von Aare und Rhein «wieder dem Gewässer zurückgegeben» werden, wie der Kanton schreibt.

Fischer künden Einsprache an

Dagegen will sich der Aargauische Fischereiverband weiterhin zur Wehr setzen. Gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF kündigt Präsident Hans Brauchli an, der Verband werde Einsprache gegen das neue Projekt erheben: «Alles Material, egal ob leicht oder schwer belastet, soll fach- und umweltgerecht entsorgt werden. Das ist unsere Grundhaltung und daran halten wir fest».

Der Kanton argumentiert auch mit den Kosten, weshalb er nicht alles belastete Material in Deponien entsorgen will. Eine vollständige Entsorgung der Sedimente hätte geschätzte Mehrkosten von 1,3 Millionen Franken zur Folge. Die Mehrkosten würden den vom Grossrat gesprochenen Projektkredit von 2,44 Millionen Franken massiv überschreiten.

Kanton scheut Mehrkosten

EVP-Grossrat Sämi Richner hatte schon 2010 gegen die Einleitung von Gift-Schlamm in den Rhein gekämpft. Die Kosten sind für ihn auch heute noch kein Argument, wie er im Regionaljournal erklärt: «Wenn man anschaut, wieviele Millionen der Kanton einnimmt mit den Wasserzinsgebühren, dann darf und muss er es sich leisten, das Material sauber zu entsorgen». Das sei ein Gebot der Stunde für einen Kanton, der mit der Sondermülldeponie Kölliken Erfahrungen habe mit Altlasten.

Die Pläne des Kantons liegen nun bis zum 25. Juni öffentlich auf. Gehen keine Einsprachen ein, möchte der Kanton im Sommer 2015 mit dem Ausbaggern beginnen. Nach der Ankündigung des Fischereiverbands ist mit einem baldigen Baustart allerdings kaum zu rechnen.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Michael Perini, Basel
    Die Fabriken "entlang von Aare und Limmat" waren ja alles Kolchosen, die anno '93 dann in neue, eigenständige Firmen überführt wurden. Insofern völlig begreiflich, dass die ehemals in Staats- und Kooperationshand gewesenen Organisationen heute nicht für ihr Puff von damals belangt werden können und der Staat als ehemaliger Eigentümer heute dafür aufkommen muss. Völlig einsichtlich das alles.
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